Reichswehr nichttragbare Siegermedaille "Preisrichten 1936 5. Preis " für ein Infanterie Regiment, (MG) Kompanie
Die Reichswehr-Siegermedaille aus dem Jahr 1936 repräsentiert ein faszinierendes Kapitel der deutschen Militärgeschichte während der Übergangszeit von der Reichswehr zur Wehrmacht. Diese nichttragbare Auszeichnung, speziell als 5. Preis beim Preisschießen 1936 für eine Infanterie-Regiment (MG) Kompanie gefertigt, dokumentiert die intensive Bedeutung militärischer Schießausbildung in dieser Epoche.
Die Reichswehr, die Streitkräfte der Weimarer Republik von 1919 bis 1935, unterlag den strengen Bestimmungen des Versailler Vertrags. Nach der offiziellen Umbenennung in Wehrmacht im Jahr 1935 wurden dennoch viele Traditionen und Ausbildungspraktiken fortgeführt. Das Jahr 1936 markierte eine Phase intensiver militärischer Aufrüstung und Modernisierung, in der die Schießausbildung höchste Priorität genoss.
Die Medaille besteht aus getöntem Feinzink mit einem Durchmesser von 50 mm, einem typischen Format für nichttragbare Siegermedaillen dieser Ära. Der Zusatz “nichttragbar” kennzeichnet diese Auszeichnung als Erinnerungsstück, das nicht an der Uniform getragen werden durfte, im Gegensatz zu offiziellen Orden und Ehrenzeichen. Diese Unterscheidung war in der deutschen Militärtradition von großer Bedeutung und wurde streng reguliert.
Das Preisschießen bildete einen fundamentalen Bestandteil der militärischen Ausbildung und Einsatzbereitschaft. Für Maschinengewehr-Kompanien waren solche Wettbewerbe von besonderer Wichtigkeit, da die Beherrschung dieser Waffe entscheidend für die taktische Kampfführung war. Das MG 08, später das MG 34, stellten die Hauptbewaffnung der Infanterie-Kompanien dar und erforderten intensive Übung und Geschicklichkeit.
Regimentsinterne Wettbewerbe förderten nicht nur die individuelle Schießfertigkeit, sondern auch den Korpsgeist und die Einheitsbindung. Die Vergabe von Preismedaillen vom ersten bis zum fünften Platz dokumentiert eine systematische Anerkennungskultur, die Leistung würdigte und zu weiterem Eifer anspornte. Die Tatsache, dass diese Medaille den 5. Preis repräsentiert, zeigt die Staffelung der Auszeichnungen und die Wertschätzung auch für untere Platzierungen.
Die Aufbewahrung im Pappetui entspricht der üblichen Präsentationsform solcher Auszeichnungen. Obwohl das Etui beschädigt ist, unterstreicht dies die authentische Überlieferung über fast neun Jahrzehnte. Originalverpackungen sind heute seltener erhalten als die Medaillen selbst und erhöhen den dokumentarischen Wert.
Die Verwendung von Zink als Material war in den 1930er Jahren verbreitet, da es kostengünstig zu verarbeiten war und dennoch eine ansprechende Optik ermöglichte. Die Tönung verlieh der Medaille ein hochwertiges Erscheinungsbild und schützte das Material vor Oxidation. Im Vergleich zu Bronze oder Silber, die für hochrangige Auszeichnungen reserviert waren, zeigt die Materialwahl den internen, kompaniebezogenen Charakter dieser Ehrung.
Das Jahr 1936 war militärhistorisch von besonderer Bedeutung: die Remilitarisierung des Rheinlands im März, die Olympischen Spiele in Berlin im Sommer und die fortschreitende Aufrüstung prägten dieses Jahr. Die Wehrmacht befand sich in einer Phase rapider Expansion, und die Ausbildungsstandards mussten mit dem Wachstum Schritt halten. Schießwettbewerbe dienten dabei als Qualitätskontrolle und Leistungsmessung.
Solche Medaillen wurden typischerweise von spezialisierten Militäreffektenfabriken hergestellt, die auch andere Ausrüstungsgegenstände für die Wehrmacht produzierten. Die handwerkliche Qualität und die präzise Beschriftung zeugen von der Professionalität dieser Hersteller.
Für Sammler und Historiker bieten derartige Objekte wertvolle Einblicke in den militärischen Alltag jenseits der großen historischen Ereignisse. Sie dokumentieren die Bedeutung von Training, Wettbewerb und Anerkennung innerhalb der Truppenstruktur und ergänzen unser Verständnis der Organisationskultur dieser Epoche.