Deutsches Reich 1. Weltkrieg Signalhorn feldgrau für die Infanterie

Kammerstück 1918. Eisenblech, feldgrau lackiert, komplett mit dem Messing-Mundstück. Auf dem Trichter der Hersteller "E. Wittstadt Würzburg 1918". Länge ca. 27 cm. Zustand 2. 
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550,00

Deutsches Reich 1. Weltkrieg Signalhorn feldgrau für die Infanterie

Das Signalhorn der deutschen Infanterie aus dem Ersten Weltkrieg stellt ein essentielles Kommunikationsmittel der kaiserlichen Armee dar, das in den Jahren 1914 bis 1918 an der Front unverzichtbar war. Das vorliegende Exemplar, hergestellt 1918 von E. Wittstadt in Würzburg, repräsentiert die Standardausführung der späten Kriegsjahre und dokumentiert die kriegsbedingte Materialknappheit sowie die industrielle Vereinfachung militärischer Ausrüstung.

Historischer Kontext und militärische Notwendigkeit: Vor dem Zeitalter der Funktechnik und in einer Ära, in der drahtgebundene Feldtelefone anfällig für Artilleriebeschuss waren, blieben akustische Signalmittel die zuverlässigste Methode der Truppenführung im Gefecht. Das Signalhorn ermöglichte die Übermittlung standardisierter Befehle über Distanzen von mehreren hundert Metern, selbst unter dem Lärm von Artilleriefeuer und Gewehrschüssen. Die preußischen Heeresvorschriften und später die einheitlichen Regelungen des Deutschen Kaiserreiches legten genau fest, welche Signale für Angriff, Rückzug, Sammeln oder Alarmierung zu blasen waren.

Technische Entwicklung und Materialbeschaffenheit: Das hier beschriebene Modell aus feldgrau lackiertem Eisenblech mit Messingmundstück repräsentiert die typische Kriegsproduktion der Jahre 1916 bis 1918. Während zu Kriegsbeginn noch hochwertigere Messinghammer in größerem Umfang verwendet wurden, zwang die britische Seeblockade und der daraus resultierende Mangel an Buntmetallen die deutsche Rüstungsindustrie zur Verwendung einfacherer Materialien. Eisenblech war verfügbar und ließ sich kostengünstig verarbeiten. Die feldgraue Lackierung entsprach der 1910 eingeführten neuen Uniformfarbe, die die auffälligen bunten Uniformen der Vorkriegszeit ablöste und bessere Tarnung im modernen Gefecht ermöglichte.

Der Hersteller E. Wittstadt, Würzburg: Würzburg entwickelte sich während des Ersten Weltkrieges zu einem bedeutenden Standort der Rüstungsproduktion. Zahlreiche Handwerksbetriebe und kleine Manufakturen wurden in die Kriegsproduktion eingebunden. Die Firma Wittstadt gehörte zu jenen Zulieferern, die Ausrüstungsgegenstände für die bayerische und gesamtdeutsche Armee fertigten. Die Jahreszahl 1918 auf dem Trichter datiert das Instrument in das letzte, entscheidende Kriegsjahr, in dem Deutschland trotz materieller Überlegenheit der Alliierten und zunehmender Kriegsmüdigkeit noch einmal alle Reserven mobilisierte.

Verwendung im Frontalltag: Das Signalhorn wurde typischerweise von Hornisten getragen, die zu den Unteroffizieren oder erfahrenen Mannschaften gehörten. Diese Soldaten mussten die verschiedenen Signale perfekt beherrschen und waren häufig in exponierter Position tätig, da ihre Signale von möglichst vielen Soldaten gehört werden mussten. Im Grabenkrieg der Westfront, aber auch in den beweglicheren Operationen an der Ostfront, in Italien und auf dem Balkan erfüllten diese Instrumente ihre Aufgabe. Besonders bei Angriffen aus den Schützengräben, wenn Offiziere durch das Trommelfeuer von ihren Einheiten getrennt wurden, übernahm das akustische Signal die Führungsaufgabe.

Das Kammerstück-System: Die Bezeichnung “Kammerstück” verweist auf das militärische Verwaltungssystem, bei dem Ausrüstungsgegenstände der Truppenkammer zugeordnet und inventarisiert wurden. Jedes Stück war registriert und einem bestimmten Truppenteil zugewiesen. Diese systematische Verwaltung ermöglichte es der deutschen Armee, trotz der enormen Materialschlachten des Ersten Weltkrieges eine bemerkenswerte logistische Effizienz aufrechtzuerhalten.

Historische Bedeutung und Sammlerwert: Signalhörner wie dieses sind heute wichtige Zeugnisse der Militärgeschichte. Sie dokumentieren nicht nur die technische Entwicklung militärischer Ausrüstung, sondern auch die sozialgeschichtlichen Aspekte des Krieges: die Materialknappheit, die Improvisation, die Einbindung der gesamten Wirtschaft in die Kriegsanstrengung und die letzten Monate eines Konfliktes, der die europäische Ordnung fundamental verändern sollte. Das Jahr 1918 markierte nicht nur das Ende des Krieges, sondern auch das Ende des Kaiserreiches und den Beginn einer neuen Epoche deutscher Geschichte.

Originale Signalhörner aus dem Ersten Weltkrieg mit klarer Herstellermarkierung und Datierung sind heute gesuchte Sammlerstücke, die einen authentischen Einblick in die materielle Kultur der kaiserlichen Armee bieten.