Festabzeichen der Gedenkfeier 1933 zur Erinnerung an den 9. November 1923 in München.

Buntmetall getönt, runder Eichenlaubkranz mit umwundenem Schriftband "Und Ihr habt doch gesiegt", in der Mitte durchbrochen gearbeitetes Hakenkreuz mit 1933, mit Hersteller "ges.gesch. Deschler & Sohn München", Zustand 2.
447922
350,00

Festabzeichen der Gedenkfeier 1933 zur Erinnerung an den 9. November 1923 in München.

Das Festabzeichen der Gedenkfeier 1933 zur Erinnerung an den 9. November 1923 stellt ein bedeutendes Zeugnis der nationalsozialistischen Erinnerungskultur dar. Dieses von der renommierten Münchner Firma Deschler & Sohn hergestellte Abzeichen wurde anlässlich der zehnten Wiederkehr des gescheiterten Putschversuchs von 1923 geschaffen, einem Ereignis, das die NSDAP zum zentralen Element ihrer Mythologie erhob.

Der 9. November 1923 markiert einen Wendepunkt in der Geschichte der nationalsozialistischen Bewegung. An diesem Tag versuchten Adolf Hitler und seine Anhänger, von München aus die Reichsregierung zu stürzen. Der sogenannte Hitler-Ludendorff-Putsch oder Bürgerbräu-Putsch endete jedoch mit einem Feuergefecht vor der Feldherrnhalle, bei dem sechzehn Putschisten und vier Polizisten ums Leben kamen. Hitler wurde verhaftet und zu fünf Jahren Festungshaft verurteilt, von denen er nur neun Monate absaß.

Nach der nationalsozialistischen Machtergreifung im Januar 1933 wurde der gescheiterte Putsch systematisch zum heroischen Gründungsmythos der Bewegung umgedeutet. Die Gedenkfeier am 9. November 1933 war die erste nach der Machtübernahme und markierte den Beginn eines jährlichen Rituals, das bis 1944 mit großem propagandistischem Aufwand inszeniert wurde. München wurde zum “Hauptstadt der Bewegung” erklärt, und der 9. November entwickelte sich zum wichtigsten Feiertag im nationalsozialistischen Festkalender.

Das vorliegende Abzeichen zeigt die charakteristischen gestalterischen Elemente dieser frühen NS-Symbolik. Der Eichenlaubkranz verweist auf traditionelle deutsche Ehrsymbolik und sollte Beständigkeit, Stärke und Ehre verkörpern. Das umwundene Schriftband trägt die Inschrift “Und Ihr habt doch gesiegt”, eine posthume Würdigung der beim Putsch Getöteten, die von der NS-Propaganda als “Blutzeugen der Bewegung” verehrt wurden. Diese Formulierung implizierte, dass der vermeintliche Misserfolg von 1923 letztendlich zur Machtergreifung von 1933 geführt habe.

Das durchbrochen gearbeitete Hakenkreuz im Zentrum, kombiniert mit der Jahreszahl 1933, verbindet symbolisch den historischen Putschversuch mit dem Jahr der Machtergreifung. Die Durchbrucharbeit zeugt von handwerklicher Qualität und war typisch für die Produktion der Firma Deschler & Sohn, die zu den führenden Herstellern von NS-Abzeichen und Orden gehörte.

Die Münchner Firma Deschler & Sohn wurde zur bevorzugten Produktionsstätte für hochwertige nationalsozialistische Auszeichnungen und Abzeichen. Das Unternehmen stellte unter anderem das Blutorden her, die höchste Auszeichnung der NSDAP, die ausschließlich an Teilnehmer des Putschversuchs von 1923 verliehen wurde. Die Kennzeichnung “ges.gesch.” (gesetzlich geschützt) weist auf die offizielle Autorisierung und den Schutz des Designs hin, was Fälschungen verhindern sollte.

Das Buntmetall, aus dem das Abzeichen gefertigt wurde, war ein kostengünstiges Material, das in den frühen 1930er Jahren häufig für Festabzeichen verwendet wurde. Die Tönung verlieh dem Objekt eine Bronze- oder Kupferpatina, die einen antiken, würdevollen Charakter suggerieren sollte. Diese ästhetische Entscheidung entsprach dem nationalsozialistischen Bestreben, die eigene Bewegung in eine vermeintlich heroische Traditionslinie einzuordnen.

Die jährlichen Gedenkfeiern zum 9. November entwickelten sich zu aufwendig choreographierten Staatsritualen. Der Höhepunkt war der “Marsch zur Feldherrnhalle”, bei dem die Route des gescheiterten Putschversuchs nachvollzogen wurde. Die sechzehn getöteten Putschisten wurden in eigens errichteten “Ehrentempeln” am Königsplatz beigesetzt, wo SS-Wachen eine permanente Totenwache hielten. Teilnehmer dieser Gedenkfeiern erhielten häufig spezielle Abzeichen als Erinnerungsstücke.

Solche Festabzeichen dienten mehreren Zwecken: Sie waren Teilnahmebestätigungen für die Träger, Propagandamittel zur Verbreitung nationalsozialistischer Symbolik und Sammelobjekte, die die emotionale Bindung an die Bewegung stärken sollten. Für das Jahr 1933, das erste nach der Machtergreifung, hatten diese Abzeichen besondere Bedeutung, da sie den vermeintlichen Triumph der Bewegung symbolisierten.

Aus historischer Perspektive sind solche Objekte wichtige Quellen für das Verständnis nationalsozialistischer Erinnerungspolitik und Symbolsprache. Sie dokumentieren, wie das Regime versuchte, durch die Inszenierung von Geschichte und die Schaffung von Märtyrerkulten Legitimität zu erzeugen und emotionale Loyalität zu erzwingen. Die handwerkliche Qualität und die gestalterische Durchdachtheit solcher Abzeichen zeigen zudem, welchen Stellenwert das Regime der visuellen Propaganda beimaß.