Frankreich 1. Weltkrieg Doppeldose für Fett und Schuhcreme für Soldaten der Linien-Infanterie

Graugrün lackierte Blechdose mit je einem Deckel auf jeder Seite. Zustand 2.

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35,00

Frankreich 1. Weltkrieg Doppeldose für Fett und Schuhcreme für Soldaten der Linien-Infanterie

Die Doppeldose für Fett und Schuhcreme stellt ein charakteristisches Beispiel für die praktische Ausrüstung französischer Soldaten während des Ersten Weltkriegs dar. Diese graugrün lackierte Blechdose mit zwei separaten Deckeln auf jeder Seite gehörte zur Standardausrüstung der Linien-Infanterie und veranschaulicht die militärische Organisation der Versorgung im frühen 20. Jahrhundert.

Die französische Armee legte bereits vor dem Ersten Weltkrieg großen Wert auf die ordnungsgemäße Pflege von Ausrüstung und Schuhwerk. Die Infanterie de Ligne, die das Rückgrat der französischen Streitkräfte bildete, erhielt detaillierte Vorschriften zur Ausrüstungspflege. Das Règlement sur le service intérieur des troupes d'infanterie von 1913 enthielt präzise Anweisungen zur Pflege von Lederwaren und Ausrüstungsgegenständen.

Die Farbgebung in Graugrün entspricht der allgemeinen Umstellung der französischen Armee auf unauffälligere Uniformfarben, die ab 1914/1915 erfolgte. Nach den verheerenden Verlusten der ersten Kriegsmonate in den auffälligen rot-blauen Uniformen führte Frankreich die “bleu horizon”-Uniformierung ein. Die feldgraue Färbung von Ausrüstungsgegenständen diente der besseren Tarnung und entsprach den neuen Anforderungen des Stellungskrieges.

Die zweifache Aufteilung der Dose hatte einen praktischen Hintergrund: Eine Seite war für Lederfett vorgesehen, das zur Pflege und Imprägnierung der Stiefel diente, während die andere Seite Schuhcreme für die äußere Pflege und den Glanz aufnahm. Diese Trennung war wichtig, da beide Substanzen unterschiedliche Funktionen erfüllten und nicht vermischt werden sollten.

Das Schuhwerk stellte für Soldaten im Ersten Weltkrieg eine überlebenswichtige Ausrüstung dar. In den Schützengräben, wo Männer oft tagelang in Schlamm und Wasser stehen mussten, führten vernachlässigte Stiefel schnell zu “Grabenfuß” (Pied des tranchées), einer schmerzhaften und potentiell gefährlichen Erkrankung. Die französische Militärführung erkannte die Bedeutung der Fußpflege und gab entsprechende Anweisungen heraus.

Solche Pflegedosen wurden typischerweise im Tornister oder in der Brotbeuteltasche (musette) transportiert. Die kompakte Bauweise und die robuste Blechkonstruktion waren ideal für den Feldeinsatz. Die zwei Deckel ermöglichten ein einfaches Öffnen und Schließen, auch mit kalten oder verletzten Händen, was im Frontdienst von erheblicher Bedeutung war.

Die Herstellung solcher Ausrüstungsgegenstände erfolgte in großem Maßstab in französischen Militärmanufakturen und zivilen Fabriken, die für die Kriegsproduktion umgerüstet worden waren. Die einfache Konstruktion erlaubte eine kostengünstige Massenproduktion, die notwendig war, um Millionen von Soldaten auszurüsten.

Im Kontext der Materialkultur des Ersten Weltkriegs repräsentieren solche alltäglichen Gegenstände einen wichtigen Aspekt des Soldatenlebens, der in der Geschichtsschreibung oft übersehen wird. Während Waffen und strategische Ausrüstung im Vordergrund stehen, waren es gerade diese kleinen, praktischen Gegenstände, die den Alltag der Soldaten prägten und ihre Überlebensfähigkeit beeinflussten.

Die Erhaltung solcher Objekte bietet heute wertvolle Einblicke in die logistischen und alltäglichen Herausforderungen der Kriegsführung. Sie dokumentieren die Bemühungen der Militärverwaltung, ihre Truppen auch mit scheinbar unbedeutenden, aber tatsächlich essentiellen Ausrüstungsgegenständen zu versorgen. Die französische Armee des Ersten Weltkriegs mobilisierte über 8,4 Millionen Soldaten, was enorme logistische Anforderungen stellte.

Solche Dosen wurden nach dem Krieg oft von Veteranen als Andenken aufbewahrt oder fanden im zivilen Leben weiterhin Verwendung. Ihre robuste Konstruktion ermöglichte eine lange Nutzungsdauer, weshalb viele Exemplare bis heute erhalten geblieben sind und in Sammlungen militärhistorischer Objekte einen Platz gefunden haben.