Wehrmacht Afrikakorps Kradmantel M 42 für Mannschaften

Kammerstück, um 1942. Fertigung aus schweren olivem Leinentuch im typischen Schnitt für Kradmelder, mit allen Knöpfen, Schulterstücke fehlen. Innen mit Kammerstempel. Gesamtlänge ca. 122 cm, Armlänge-Außen ca. 68 cm. Zustand 2.
462924
950,00

Wehrmacht Afrikakorps Kradmantel M 42 für Mannschaften

Der Kradmantel M 42 für Mannschaften des Deutschen Afrikakorps stellt ein faszinierendes Beispiel der spezialisierten Bekleidungsentwicklung der Wehrmacht während des Zweiten Weltkriegs dar. Diese funktionale Schutzbekleidung wurde speziell für Kradmelder (Motorradkuriere) konzipiert, die unter den extremen klimatischen Bedingungen Nordafrikas operierten.

Das Deutsche Afrikakorps (DAK) wurde im Februar 1941 unter dem Kommando von Generalleutnant Erwin Rommel nach Libyen entsandt, um die italienischen Streitkräfte zu unterstützen. Die besonderen Umweltbedingungen der nordafrikanischen Wüste – extreme Hitze, Sandstürme und intensive Sonneneinstrahlung – erforderten speziell angepasste Ausrüstung und Bekleidung, die sich deutlich von der Standarduniform der Wehrmacht unterschied.

Der Kradmantel aus schwerem olivem Leinentuch repräsentiert die Weiterentwicklung der Motorradbekleidung nach den Erfahrungen der ersten Kriegsjahre. Die Bezeichnung M 42 verweist auf das Einführungsjahr 1942, als die Wehrmacht aufgrund der knapper werdenden Ressourcen und der gesammelten Felderfahrungen verschiedene Ausrüstungsgegenstände vereinfachte und rationalisierte. Diese Rationalisierungsmaßnahmen betrafen nahezu alle Bereiche der militärischen Ausrüstung und sollten Material, Produktionszeit und Kosten einsparen.

Die Fertigung aus schwerem Leinentuch war für die afrikanischen Verhältnisse ideal gewählt. Leinen besitzt hervorragende Eigenschaften für heiße Klimazonen: Es ist atmungsaktiv, feuchtigkeitsregulierend und trocknet schnell. Die olive Färbung diente der Tarnung in der Wüstenumgebung und war charakteristisch für die tropische Bekleidung der Wehrmacht. Im Gegensatz zu den feldgrauen Uniformen des europäischen Kriegsschauplatzes verwendete man für das Afrikakorps diese helleren, der Umgebung angepassten Farbtöne.

Der typische Schnitt für Kradmelder zeichnete sich durch besondere funktionale Merkmale aus. Kradmäntel waren grundsätzlich länger geschnitten als normale Uniformjacken, um auch die Beine beim Fahren zu schützen. Die Gesamtlänge von etwa 122 cm war charakteristisch für diese Bekleidungsart und bot ausreichend Schutz vor Wind, Sand und Sonne während der Fahrt auf dem Motorrad. Die Außenärmellänge von circa 68 cm war so bemessen, dass auch bei vorgestreckten Armen am Lenker ausreichende Bewegungsfreiheit gegeben war.

Kradmelder spielten in der Kriegsführung der Wehrmacht eine zentrale Rolle. In einer Zeit, in der Funkgeräte noch nicht flächendeckend verfügbar oder zuverlässig waren, bildeten Motorradkuriere das Rückgrat der militärischen Kommunikation. Sie übermittelten Befehle, Meldungen und wichtige Nachrichten zwischen den verschiedenen Einheiten. In der Weite der nordafrikanischen Wüste, wo die Entfernungen groß und die Kommunikationslinien oft unterbrochen waren, kam den Kradmeldern besondere Bedeutung zu.

Die vorhandenen Knöpfe am beschriebenen Objekt waren typischerweise aus Bakelit oder Metall gefertigt. Der Hinweis auf fehlende Schulterstücke ist charakteristisch, da diese oft separat befestigt wurden und im Laufe der Zeit verloren gingen. Die Schulterstücke dienten der Kennzeichnung des Dienstgrades und der Truppenzugehörigkeit.

Besonders erwähnenswert ist der innenliegende Kammerstempel. Diese Stempel waren Teil des militärischen Verwaltungssystems und kennzeichneten die Ausgabe durch bestimmte Bekleidungskammern. Sie dienten der Bestandsführung und Nachvollziehbarkeit der Ausrüstungsverteilung. Solche Stempel sind für Sammler und Historiker von großem Interesse, da sie manchmal Rückschlüsse auf die Einheit, den Ausgabeort oder den Zeitraum der Verwendung ermöglichen.

Die Produktion von Spezialbekleidung für das Afrikakorps erfolgte unter zunehmend schwierigen Bedingungen. Ab 1942 verschlechterte sich die Versorgungslage der Achsenmächte in Nordafrika dramatisch. Die alliierten Streitkräfte kontrollierten zunehmend das Mittelmeer, was den Nachschub erschwerte. Dies führte zu weiteren Vereinfachungen in der Ausrüstungsproduktion und erklärt teilweise die rationalisierte Ausführung des M 42 Modells.

Der Feldzug in Nordafrika endete im Mai 1943 mit der Kapitulation der Achsenmächte in Tunesien. Etwa 250.000 deutsche und italienische Soldaten gerieten in Gefangenschaft. Die tropische Ausrüstung des Afrikakorps, einschließlich der Kradmäntel, wurde teilweise noch in anderen Kriegsschauplätzen mit ähnlichen klimatischen Bedingungen verwendet, ihre Hauptverwendungszeit war jedoch mit dem Ende des Afrikafeldzugs abgeschlossen.

Heute sind original erhaltene Kradmäntel des Afrikakorps gesuchte Sammlerstücke und wichtige Zeugnisse der Militärgeschichte. Sie dokumentieren nicht nur die technische Entwicklung militärischer Bekleidung, sondern auch die Anpassungsfähigkeit der Logistik an unterschiedliche Kriegsschauplätze und klimatische Bedingungen. Der Zustand 2, der für das beschriebene Objekt angegeben wird, deutet auf einen gut erhaltenen Zustand mit nur geringen Gebrauchsspuren hin, was die Seltenheit und den historischen Wert dieses Objekts unterstreicht.