Erinnerungsabzeichen für die Besatzungen von Panzerkampfwagen aus dem Besitz Leutnant Lappe, Sturmpanzer Abt. 3 Kommandant "Gretchen" 

Fertigung der Fa. C.E.Juncker Berlin, hohl geprägt, versilbert mit polierten Kanten, rückseitig Nadelsystem, Zustand 2

Vorläufiger Ausweis über den Besitz des Eisernen Kreuzes II.Klasse , Unteroffizier Franz Lappe in der Etappen-Kraftwagen-Kolonne Nr 63 am 30. Oktober 1916.

Fotoalbum "Feldpost 1914" mit 62 Fotos/Fotopostkarten. Davon 2 Fotos mit A7V "Bahnhof ... 3.IV. 1918 Ankunft der 5 A7V Wagen für Abt. III, Gretchen in der Bereitschaftsstellung Wiencourt 23.4.1918, Aufzählung der Besatzung, Lt.Lappe Kommandant

Brief des MG-Schützen Prick aus dem Kriegslazarett 33 /Augen-Station.  In der Etappe 28.4.18.
"Werther Herr Leutnant. Bin nun heute in die Lage gekommen Ihnen einen Brief zu schrieben, ich war von Anfang in der starken Hoffnung noch einmal zu der Sturm-Panzer Abt III zurück zu kommen, aber leider ist es nun
n vorbei, denn ich muss morgen, den 28.4. mein linkes Augenlicht einlösen, aber das macht mir nicht aus, ich weiß, das ich es fürs Vaterland gelassen habe, hoffentlich denkt der Herr Leutnant noch mal an mich und an seinen MG-Schützen zurück ..."

Feldpostkarte vom 1.5.1918 seines Soldaten "Herrn Leutnant Lappe Sturmpanzer Abteilung 3 Charleroi (Belgien). "Werter Herr Leutnant, muß Herrn Leutnant die Mitteilung machen das ich mich im Kriegslazarett ... befinde."

Brief vom 3.Juni "Lieber Herr Lappe, ... Gefecht Vielliers-Bretonneux ... unser aller lieber Freund Leutnant Engels ist gestern früh von einer Fliegerbombe getroffen worden"

Brief des Kraftfahrers Karl Ringel an Herrn Leutnant Lappe Sturmpanzer-Kraftwagen z.Zt. Charleroi 3.6.18 
"Lieber Herr Leutnant Lappe, das Pflichtgefühl im Herzen drängt mich Ihnen Hr. Leutnant Lappe von den gestrigen Vorkommnissen zu unterrichten ...Leutnant Engels tödlich von Splittern getroffen.

Dazu das Schulterband der Marburger Burschenschaft mit Knopf "s.l. Franz Lappe", Bierzipfel der Freiherr von Stein Gesellschaft s./l.F.Lappe 24.8.44. 

376926

Erinnerungsabzeichen für die Besatzungen von Panzerkampfwagen aus dem Besitz Leutnant Lappe, Sturmpanzer Abt. 3 Kommandant "Gretchen" 

Das Kampfwagen-Erinnerungsabzeichen, auch als Erinnerungsabzeichen für die Besatzungen deutscher Kampfwagen bekannt, stellt eines der seltensten deutschen Militärabzeichen des 20. Jahrhunderts dar. Am 13. Juli 1921 durch Reichswehrminister Otto Geßler gestiftet, sollte es die Leistungen der deutschen Panzerkampfwagenbesatzungen des Ersten Weltkrieges würdigen und deren Andenken im deutschen Volk lebendig erhalten.

Die Gestaltung des Abzeichens zeigt einen deutschen A7V-Panzer in der Mitte, der über Kampfgelände fährt, mit drei explodierenden Granaten darüber. Ein Totenkopf über gekreuzten Knochen befindet sich oben, während eine Kranzform aus Eichenblättern rechts und Lorbeerblättern links das Design umgibt. Eine Schleife am unteren Ende bindet den Kranz zusammen. Das Abzeichen hat eine länglich-ovale Form mit den Maßen 5,4 cm Höhe und 3,8 cm Breite. Die Fertigung erfolgte durch die Firma C.E. Juncker, Berlin SW, Alte Jakobstr. 13, wie in der Stiftungsverordnung festgelegt. Später stellte auch Paul Meybauer, Berlin das Abzeichen her.

Die Juncker-Ausführung zeichnet sich durch hohlgeprägte Konstruktion aus versilbertem Buntmetall oder Silber aus. Das charakteristische Nadelsystem ähnelt dem von Flugzeugführerabzeichen des Ersten Weltkrieges. Die gekreuzten Knochen und die Schleife wurden poliert, um einen Kontrast zur versilberten Oberfläche zu schaffen. Das Gewicht betrug entweder 15,8 oder 18,3 Gramm. Das Abzeichen kostete 1921 etwa 25 Mark mit Verpackung.

Die Verleihungskriterien waren klar definiert: Anspruch hatten ehemalige Besatzungen deutscher Kampfwagen, die 1918 im Einsatz waren. Dazu zählten Kommandanten, Richtschützen, Maschinengewehrschützen, Ladeschützen, Fahrer, Mechaniker, Melder und Signalisten. Die Voraussetzungen umfassten die Teilnahme an mindestens drei Feindfahrten, oder Verwundung im Gefecht, oder Gefangennahme im Gefecht, oder außergewöhnliche Tapferkeitsleistungen. Die Berechtigten mussten bei der Inspektion der Kraftfahrtruppen ein Besitzzeugnis beantragen und konnten das Abzeichen dann privat erwerben. Es wurde auf der linken Brustseite unterhalb des Eisernen Kreuzes 1. Klasse getragen.

Der historische Kontext verleiht diesem Abzeichen besondere Bedeutung. Deutschland setzte im Ersten Weltkrieg lediglich 20 A7V-Panzer ein, deren erster Kampfeinsatz am 21. März 1918 bei St. Quentin erfolgte, sowie etwa 60 erbeutete britische Mark IV-Panzer. Insgesamt dienten rund 1.400 Mann in deutschen Panzereinheiten, verteilt auf neun Sturmpanzerwagen-Abteilungen. Nach Kriegsende wurden die Panzerstreitkräfte gemäß dem Versailler Vertrag aufgelöst.

Das vorliegende Ensemble aus dem Nachlass von Leutnant Franz Lappe dokumentiert eindrucksvoll die Geschichte eines Panzerkommandanten. Lappe befehligte den A7V 501 “Gretchen” bei der Sturmpanzer-Abteilung 3. Der A7V 501 “Gretchen” war der erste kampfbereite A7V und wurde zunächst als weibliche Version mit Maschinengewehren konfiguriert, bevor er seine 57-mm-Kanone erhielt. “Gretchen” nahm an der Aktion bei St. Quentin im März 1918 teil und stand am 23. April 1918 in Wiencourt in Bereitschaft, operierte von Charleroi, Belgien aus. Lappe hatte bereits am 30. Oktober 1916 das Eiserne Kreuz II. Klasse während seines Dienstes bei der Etappen-Kraftwagen-Kolonne Nr. 63 erhalten.

Die zum Nachlass gehörenden Briefe vermitteln bewegende Einblicke in das Schicksal der Besatzung. Ein Maschinengewehrschütze namens Prick schrieb am 28. April 1918 aus dem Kriegslazarett 33, dass er sein linkes Augenlicht verlieren würde, aber dies für das Vaterland gerne gegeben habe. Ein weiterer Brief vom 3. Juni 1918 berichtete vom Tod des Leutnant Engels bei Vielliers-Bretonneux, der von einer Fliegerbombe getroffen wurde. Diese Dokumente illustrieren die harten Realitäten des Panzerkrieges.

Obwohl die Literatur nur 99 offizielle Verleihungen nennt, erfüllten schätzungsweise etwa ein Drittel der 1.400 Panzersoldaten die Verleihungskriterien, also ungefähr 467 Mann. Die Diskrepanz erklärt sich möglicherweise durch die Nachkriegswirtschaftslage mit Hyperinflation und das Verbot neuer Orden durch die Weimarer Verfassung. Nach 1933 gingen wahrscheinlich viele weitere Anträge ein, als Veteranen das Abzeichen tragen wollten.

Das Abzeichen wurde zum Vorläufer des Panzerkampfabzeichens von 1939 der Wehrmacht. Es durfte während der Zeit des Dritten Reiches und im Wehrmachtsdienst weitergetragen werden. Nach dem Gesetz über Titel, Orden und Ehrenzeichen von 1957 der Bundesrepublik Deutschland wurden Orden und Ehrenzeichen des Deutschen Kaiserreiches und des Reichspräsidenten zum Weitertragen in entnazifizierter Form zugelassen. Die auf dem Abzeichen dargestellte A7V-Konstruktion verband symbolisch die deutschen Panzerstreitkräfte des Ersten und Zweiten Weltkrieges.

Zu den dokumentierten Trägern zählten SS-Obergruppenführer Josef “Sepp” Dietrich, der später im Dritten Reich prominent wurde, sowie Ernst Volckheim, ein Pionier der deutschen Panzertruppe. Die meisten heute auf dem Markt befindlichen Exemplare sind spätere Reproduktionen oder Fälschungen. Echte Stücke aus der ursprünglichen Periode sind außerordentlich selten, was dieses Abzeichen zu einem der begehrtesten Sammlerstücke deutscher Militaria macht.

r