III. Reich - Wandplakette - " NSV - Wir sind Sozialisten der Tat "

glasierte graublaue Keramikplakette, Durchmesser 105 mm, rechts und links Bohrungen zum Befestigen an der Tür oder Wand, Zustand 2.
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180,00

III. Reich - Wandplakette - " NSV - Wir sind Sozialisten der Tat "

Die vorliegende Wandplakette aus glasierter graublauen Keramik repräsentiert ein charakteristisches Propagandaobjekt der Nationalsozialistischen Volkswohlfahrt (NSV), einer der größten Massenorganisationen des Dritten Reiches. Mit einem Durchmesser von 105 mm und praktischen Befestigungsbohrungen war diese Plakette dazu bestimmt, an Türen oder Wänden angebracht zu werden und damit die politische Überzeugung ihrer Besitzer öffentlich zu demonstrieren.

Die NSV wurde am 3. Mai 1933 gegründet und entwickelte sich rasch zur zweitgrößten Massenorganisation im nationalsozialistischen Deutschland nach der Deutschen Arbeitsfront (DAF). Unter der Leitung von Erich Hilgenfeldt wuchs die Organisation bis 1943 auf etwa 17 Millionen Mitglieder an. Die NSV präsentierte sich als karitative Wohlfahrtsorganisation, diente jedoch in Wirklichkeit der ideologischen Durchdringung der Gesellschaft und der Umsetzung der nationalsozialistischen Rassenpolitik.

Der Slogan “Wir sind Sozialisten der Tat” auf dieser Plakette spiegelt die propagandistische Selbstdarstellung der NSDAP wider. Die Nationalsozialisten versuchten, den Begriff “Sozialismus” für ihre Zwecke umzudeuten und von seiner ursprünglich internationalistischen und klassenkämpferischen Bedeutung zu lösen. Stattdessen propagierten sie einen “deutschen Sozialismus”, der auf der angeblichen Volksgemeinschaft basierte und explizit rassistisch definiert war. Die “Tat” sollte den angeblichen Gegensatz zum “marxistischen Sozialismus” betonen, der als theoretisch und weltfremd diffamiert wurde.

Keramikplaketten wie diese wurden in verschiedenen Manufakturen des Deutschen Reiches hergestellt, wobei die graublaue Glasur typisch für die Zeit war. Die Produktion solcher Propagandaobjekte erfolgte sowohl in staatlichen als auch in privaten Betrieben, die unter strenger Kontrolle der Propagandaabteilungen standen. Die Verwendung von Keramik als Material hatte mehrere Vorteile: Dauerhaftigkeit, relativ kostengünstige Massenproduktion und eine gewisse ästhetische Qualität, die den Objekten einen wertigen Charakter verlieh.

Die NSV organisierte zahlreiche Sammelaktionen und Wohlfahrtsprogramme, darunter das berüchtigte Winterhilfswerk (WHW), die Mütterverschickung und die Kinderlandverschickung. Diese Programme dienten nicht nur der sozialen Fürsorge, sondern auch der politischen Kontrolle und der Durchsetzung rassenhygienischer Vorstellungen. Die Hilfe wurde ausschließlich “erbgesunden” und “rassisch wertvollen” Deutschen gewährt, während Juden, Sinti und Roma, sowie andere verfolgte Gruppen systematisch ausgeschlossen wurden.

Solche Wandplaketten erfüllten mehrere Funktionen im nationalsozialistischen Alltag. Sie dienten als Erkennungszeichen für die Mitgliedschaft in der NSV, als Schmuck für Wohnungen und öffentliche Räume und nicht zuletzt als Instrument des sozialen Drucks. In einer Zeit, in der politische Konformität zunehmend erzwungen wurde, konnte das sichtbare Bekenntnis zur NSV durch eine solche Plakette als Schutzmaßnahme dienen. Gleichzeitig markierten solche Objekte die Wohnungen ihrer Besitzer als Teil der “Volksgemeinschaft”.

Die Herstellung und Verbreitung solcher Propagandaobjekte war Teil eines umfassenden Systems der visuellen Durchdringung des öffentlichen und privaten Raums. Neben Plaketten gab es Abzeichen, Fahnen, Wandbilder und zahlreiche andere Objekte, die den nationalsozialistischen Anspruch auf totale Herrschaft auch im Alltag sichtbar machen sollten. Die NSV nutzte ihre Wohlfahrtsaktivitäten geschickt zur Selbstdarstellung und zur Legitimierung des Regimes.

Nach 1945 wurde die NSV als verbrecherische Organisation eingestuft und verboten. Objekte wie diese Wandplakette wurden teilweise zerstört, teilweise aber auch als historische Zeugnisse aufbewahrt. Heute dienen sie in Museen und Sammlungen als Anschauungsmaterial für die Propagandamethoden des Nationalsozialismus und als Mahnung vor den Gefahren totalitärer Systeme. Der Zustand 2 dieser Plakette deutet auf eine gute Erhaltung hin, was bei Keramikobjekten aus dieser Zeit nicht selbstverständlich ist.