Reichsarbeitsdienst (RAD) Schiffchen
Das Reichsarbeitsdienst (RAD) Schiffchen war eine charakteristische Kopfbedeckung, die von Angehörigen des Reichsarbeitsdienstes während der nationalsozialistischen Ära in Deutschland getragen wurde. Dieses spezielle Exemplar aus der Zeit um 1940 repräsentiert ein typisches Kammerstück, das die standardisierten Uniformvorschriften dieser paramilitärischen Organisation widerspiegelt.
Der Reichsarbeitsdienst wurde im Juni 1935 durch das “Gesetz für den Reichsarbeitsdienst” als staatliche Organisation etabliert. Für alle jungen Männer zwischen 18 und 25 Jahren wurde eine sechsmonatige Dienstpflicht eingeführt, die vor dem Wehrdienst abzuleisten war. Der RAD hatte offiziell die Aufgabe, Arbeitsprojekte im Bereich der Infrastruktur, Landwirtschaft und Landeskultur durchzuführen, diente aber auch der vormilitärischen Ausbildung und ideologischen Indoktrination der Jugend.
Die Uniform des RAD war durch ihre charakteristische erdbraune Farbe gekennzeichnet, die sich deutlich von der feldgrauen Wehrmachtsuniform unterschied. Das Schiffchen als Kopfbedeckung war Teil der Ausgehuniform und wurde im dienstlichen Alltag getragen. Die typische RAD-Uniform wurde durch Erlass vom 26. Juni 1935 eingeführt und in den folgenden Jahren mehrfach in Details modifiziert.
Das beschriebene Stück trägt das Hoheitsabzeichen, das in Bevo-Webtechnik hergestellt wurde. Die Bevo-Technik war ein spezialisiertes Webverfahren der Firma Bandfabrik Ewald Vorsteher (BeVo) aus Wuppertal-Barmen, das besonders detaillierte und haltbare Abzeichen ermöglichte. Diese Abzeichen wurden per Hand auf das braune Tuch aufgenäht, wie es den Herstellungsvorschriften entsprach. Das RAD-Hoheitsabzeichen zeigte typischerweise einen Adler mit Hakenkreuz.
Der Hersteller Wolber & Pfaff aus Hausbach war einer von mehreren Zulieferern für RAD-Uniformteile. Die Uniformfertigung war während der NS-Zeit streng reglementiert und lizenziert. Die Herstellermarkierung im Innenfutter war obligatorisch und ermöglichte die Qualitätskontrolle sowie die Nachverfolgbarkeit der Produktion.
Der Kammerstempel “57 40 RAD BA S” liefert wichtige Informationen über die Verwaltung des Stücks. Die Zahl 57 bezeichnet die Kammernummer, unter der das Stück inventarisiert wurde. Die 40 steht für das Jahr 1940, in dem das Schiffchen ausgegeben wurde. “RAD BA S” identifiziert die ausgebende Stelle innerhalb der RAD-Bekleidungsämter. Solche Kammerstempel waren Standard bei allen kaserniert untergebrachten Einheiten, um Ausrüstungsgegenstände zu verwalten und Verluste zu dokumentieren.
Die Größenangabe 55 entspricht dem deutschen Größensystem für Kopfbedeckungen und bezeichnet den Kopfumfang in Zentimetern. Dies war eine Standardgröße, die häufig vorkam. Das weiße Innenfutter diente dem Tragekomfort und der Schweißaufnahme.
Das Jahr 1940, in dem dieses Stück ausgegeben wurde, war ein bedeutsames Jahr im Zweiten Weltkrieg. Zu dieser Zeit hatte der RAD bereits seine Friedensaufgaben weitgehend eingestellt und war zunehmend in kriegswichtige Projekte eingebunden. RAD-Einheiten wurden beim Bau von Befestigungsanlagen wie dem Westwall eingesetzt, später auch bei der Unterstützung der Wehrmacht in besetzten Gebieten.
Die Tatsache, dass das Schiffchen als “leicht getragen” beschrieben wird, deutet darauf hin, dass es tatsächlich im Dienst verwendet wurde. Viele RAD-Angehörige trugen ihre Ausgehuniform nur zu besonderen Anlässen, während im Arbeitsdienst selbst robustere Arbeitskleidung zum Einsatz kam. Die gute Erhaltung trotz Gebrauchsspuren spricht für die Qualität der Herstellung und die sorgfältige Aufbewahrung durch den ursprünglichen Träger oder spätere Sammler.
Nach Kriegsende 1945 wurde der Reichsarbeitsdienst durch die alliierten Besatzungsmächte aufgelöst und als Teil des NS-Regimes verboten. Uniformteile und Abzeichen wurden beschlagnahmt oder vernichtet. Überlebende Stücke wie dieses Schiffchen sind heute Zeugnisse einer dunklen Periode deutscher Geschichte und werden von Museen und privaten Sammlern als historische Dokumente bewahrt.
Aus heutiger Sicht sind solche Objekte wichtige Quellen für die militärhistorische Forschung. Sie dokumentieren die Alltagsrealität junger Männer, die in ein totalitäres System eingebunden waren, und veranschaulichen die Mechanismen von Uniformierung und Kontrolle in der NS-Diktatur. Die detaillierte Untersuchung solcher Artefakte trägt zum Verständnis der materiellen Kultur des “Dritten Reiches” bei.