Sturmabteilung (SA) Dienstdolch, Ex-Röhm Ehrendolch .

Gut erhaltene Klinge, die Röhm-Widmung komplett weggeschliffen, kleines Herstellerzeichen von "Carl Eickhorn Solingen", Nickelbeschläge, auf dem Parierstück, Holzgriff mit original eingesetzten Emblemen, brünierte Scheide mit Nickelbeschlägen, normale Alters-und Gebrauchsspuren, Zustand 2




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Sturmabteilung (SA) Dienstdolch, Ex-Röhm Ehrendolch .

Der SA-Dienstdolch mit Röhm-Widmung gehört zu den geschichtlich bedeutsamsten und kontroversesten Objekten aus der Zeit des Nationalsozialismus. Dieser Dolchtyp wurde ursprünglich 1933 als Auszeichnung und Dienstwaffe für verdiente Mitglieder der Sturmabteilung (SA) eingeführt und entwickelte sich zu einem wichtigen Symbol der paramilitärischen Organisation.

Die SA, 1920 gegründet und unter der Führung von Ernst Röhm ab 1931 massiv ausgebaut, stellte in den frühen Jahren des NS-Regimes eine bedeutende Machtbasis dar. Der SA-Dienstdolch wurde zunächst als reguläre Ausrüstung ausgegeben, doch ab Dezember 1933 führte Röhm eine besondere Variante ein: den Ehrendolch mit persönlicher Widmung. Auf der Klinge dieser Dolche war die Inschrift “In herzlicher Kameradschaft Ernst Röhm” eingraviert, was diese Stücke zu besonderen Ehrengaben machte.

Die Herstellung dieser Dolche erfolgte durch verschiedene renommierte Solingener Klingenschmieden. Die Firma Carl Eickhorn aus Solingen gehörte zu den wichtigsten Herstellern von SA-Dienstdolchen und anderen militärischen Blankwaffen während der NS-Zeit. Das Unternehmen, das bereits im 19. Jahrhundert gegründet worden war, produzierte hochwertige Klingen mit charakteristischen Herstellerzeichen.

Der klassische SA-Dienstdolch wies mehrere typische Merkmale auf: eine etwa 25 cm lange Klinge mit Hohlschliff, einen hölzernen Griff mit eingelegten SA-Emblemen, Nickelbeschläge am Parierstück und eine brünierte Stahlscheide mit Kettenhänge. Die Qualität der Verarbeitung variierte je nach Hersteller und Produktionszeit erheblich.

Das historisch bedeutsamste Ereignis in Bezug auf die Röhm-Ehrendolche war die sogenannte “Röhm-Affäre” oder der “Röhm-Putsch” vom 30. Juni bis 2. Juli 1934, euphemistisch als “Nacht der langen Messer” bezeichnet. Bei dieser Säuberungsaktion ließ Hitler die gesamte SA-Führung einschließlich Ernst Röhm ermorden. Die offizielle Begründung lautete, Röhm habe einen Putsch geplant; tatsächlich ging es um die Ausschaltung eines potentiellen Machtrivalen und die Beschwichtigung der Reichswehr.

Nach der Ermordung Röhms erging am 8. Juli 1934 ein offizieller Befehl, alle Röhm-Widmungen von den Ehrendolchen zu entfernen. SA-Männer, die einen solchen Ehrendolch besaßen, waren verpflichtet, die Inschrift entfernen zu lassen. Dies geschah in der Regel durch professionelles Wegschleifen der Gravur, wobei die ursprüngliche Form der Klinge weitgehend erhalten blieb. Dolche, die dieser Prozedur unterzogen wurden, zeigen heute charakteristische Schleifspuren an der Stelle der ehemaligen Widmung.

Die Existenz solcher “Ex-Röhm-Dolche” ist somit ein direktes materielles Zeugnis eines der brutalsten Machtakte des frühen NS-Regimes. Jeder dieser Dolche erzählt die Geschichte eines SA-Mitglieds, das die persönliche Ehrung durch Röhm erhalten hatte und dann gezwungen wurde, diese Erinnerung physisch zu tilgen.

Aus historischer und museologischer Perspektive sind diese Objekte von besonderem Interesse, da sie mehrere Phasen der NS-Geschichte dokumentieren: die Zeit des SA-Terrors vor 1934, den innerparteilichen Machtkampf und die anschließende Unterordnung der SA unter die SS. Nach 1934 verlor die SA erheblich an Bedeutung, während die SS unter Heinrich Himmler zur dominierenden Organisation aufstieg.

Die Beschläge aus Nickel anstelle von Aluminium deuten auf eine frühe Produktionsphase hin, da spätere Modelle häufig Aluminiumbeschläge aufwiesen. Die brünierte Scheide mit ihren charakteristischen Beschlägen und dem typischen Kettenhänge komplettiert das authentische Erscheinungsbild dieser Dolchgattung.

Heute sind SA-Dienstdolche, insbesondere Ex-Röhm-Exemplare, bedeutende Studienobjekte für Militärhistoriker und Museen. Sie dienen als Anschauungsmaterial für die Vermittlung der komplexen Machtstrukturen im NS-Staat und illustrieren, wie politische Säuberungen sich auch in materiellen Objekten manifestierten. Der Umgang mit solchen Objekten erfordert stets eine kritische historische Kontextualisierung und die Betonung ihrer Bedeutung als Quellen zur Aufklärung über die NS-Diktatur.