NSDAP Erinnerungskrug der Alten Garde der NSDAP "Reichsfahrt der Alten Garde Münster, Westf. 1939"
Der vorliegende Erinnerungskrug der Alten Garde der NSDAP dokumentiert ein bedeutendes Propagandaereignis des nationalsozialistischen Regimes im Vorfeld des Zweiten Weltkriegs. Der Tonkrug, der anlässlich der Reichsfahrt der Alten Garde nach Münster (Westfalen) 1939 hergestellt wurde, gehört zu einer Kategorie von Erinnerungsstücken, die gezielt zur Ehrung langjähriger Parteimitglieder und zur Festigung der NS-Ideologie produziert wurden.
Die “Alte Garde” war eine besondere Ehrenkategorie innerhalb der NSDAP, die jene Parteimitglieder umfasste, die der Bewegung bereits vor dem gescheiterten Hitlerputsch vom 9. November 1923 beigetreten waren oder sich in der schwierigen Phase zwischen 1923 und 1930 besonders hervorgetan hatten. Diese Mitglieder galten als die treuesten Anhänger Adolf Hitlers und genossen innerhalb der Parteiorganisation besondere Privilegien und Anerkennung. Sie trugen oft spezielle Abzeichen und wurden bei Parteitagen sowie besonderen Veranstaltungen in den Vordergrund gestellt.
Die Reichsfahrten der Alten Garde waren große Propagandaveranstaltungen, die ab Mitte der 1930er Jahre regelmäßig in verschiedenen deutschen Städten durchgeführt wurden. Diese Treffen dienten mehreren Zwecken: Sie sollten die langjährigen Parteimitglieder ehren, die Verbundenheit zwischen Führung und “alten Kämpfern” demonstrieren und gleichzeitig der lokalen Bevölkerung die Macht und Organisation der NSDAP vor Augen führen. Die Veranstaltung in Münster 1939 fand in einem besonders bedeutsamen Jahr statt – nur wenige Monate vor dem Beginn des Zweiten Weltkriegs am 1. September 1939.
Solche Erinnerungskrüge wurden in großen Stückzahlen von verschiedenen deutschen Keramikmanufakturen hergestellt. Der typische blaue Dekor unter Glasur, wie er bei diesem Exemplar beschrieben wird, war eine gängige Verzierungstechnik, die an die Tradition deutscher Steingutproduktion anknüpfte. Die Hersteller nutzten oft traditionelle handwerkliche Formen und kombinierten diese mit nationalsozialistischer Symbolik und Inschriften. Der Keramikverschluss mit Korken entspricht der typischen Bauweise deutscher Bierkrüge und sollte eine Verbindung zur deutschen Volkskultur herstellen.
Die Herstellung solcher Gedenkstücke war Teil der umfassenden NS-Erinnerungskultur, die darauf abzielte, durch materielle Objekte eine emotionale Bindung zur Partei und ihren Ereignissen zu schaffen. Veteranen der Bewegung sollten durch solche Andenken in ihrer Identität als “alte Kämpfer” bestärkt werden. Gleichzeitig dienten diese Objekte als Statussymbole, die ihre Träger als besonders verdiente Parteimitglieder auswiesen.
Aus kulturhistorischer Perspektive sind solche Objekte heute wichtige Zeugnisse der nationalsozialistischen Propagandamaschinerie und ihrer Durchdringung des Alltags. Sie dokumentieren, wie das NS-Regime traditionelle Formen der Volkskultur – in diesem Fall die deutsche Bierkrugtradition – für seine politischen Zwecke instrumentalisierte. Die Massenproduktion solcher Gedenkstücke zeigt zudem die organisatorische Effizienz der NSDAP bei der Ausrichtung ihrer Veranstaltungen.
Die Bodenstempelung mit der Herstellermarkierung ermöglicht es Forschern heute, die Produktionsstätten und Vertriebswege solcher Propagandaobjekte nachzuvollziehen. Viele deutsche Keramikbetriebe waren in die Herstellung solcher Artikel eingebunden, teils aus Überzeugung, teils aus wirtschaftlichen Gründen oder unter Druck.
Nach dem Zusammenbruch des NS-Regimes 1945 wurden viele solcher Objekte vernichtet, versteckt oder ihrer NS-Symbolik beraubt. Heute befinden sie sich in Museen, Archiven und Privatsammlungen, wo sie als historische Quellen zur Erforschung der NS-Zeit dienen. Ihr Studium hilft, die Mechanismen der nationalsozialistischen Herrschaft, ihrer Selbstinszenierung und ihrer Durchdringung aller Lebensbereiche besser zu verstehen.