Preußen Fahnenspitze für Bataillonsfahnen der Infanterie und Artillerie

um 1870. Die Fahnenspitze aus Messingbronze feuervergoldet, im Zentrum die gekrönte Chiffre "WR". Komplett mit Tülle für die Fahnenstange. Gesamthöhe ca. 22 cm. Gebrauchtes Stück mit typischen Altersspuren, leicht verbogen (nach hinten), in wunderschönem unberührten Originalzustand.
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2.500,00

Preußen Fahnenspitze für Bataillonsfahnen der Infanterie und Artillerie

Die preußische Fahnenspitze für Bataillonsfahnen der Infanterie und Artillerie aus der Zeit um 1870 repräsentiert ein bedeutendes Zeugnis militärischer Tradition und königlicher Symbolik im Deutschen Kaiserreich. Diese Objekte waren weit mehr als bloße Dekorationselemente – sie verkörperten die Ehre, den Stolz und die Loyalität der preußischen Truppen gegenüber ihrem Monarchen.

Die hier beschriebene Fahnenspitze trägt die gekrönte Chiffre “WR”, die für Wilhelm Rex steht. Dies verweist auf König Wilhelm I. von Preußen, der von 1861 bis 1888 regierte und 1871 zum ersten Deutschen Kaiser proklamiert wurde. Die Zeit um 1870 markiert eine entscheidende Epoche in der preußisch-deutschen Geschichte: Der Deutsch-Französische Krieg von 1870/71 führte zur Gründung des Deutschen Reiches und zur Krönung Wilhelms I. zum Kaiser im Spiegelsaal von Versailles am 18. Januar 1871.

Die Fertigung aus Messingbronze mit Feuervergoldung entspricht den hohen handwerklichen Standards der preußischen Militärausstattung jener Zeit. Die Feuervergoldung war ein aufwendiges Verfahren, bei dem eine Gold-Quecksilber-Amalgam-Mischung auf die Metalloberfläche aufgetragen und anschließend erhitzt wurde, um das Quecksilber zu verdampfen und eine dauerhafte Goldschicht zu hinterlassen. Diese Technik garantierte nicht nur eine prächtige Optik, sondern auch Beständigkeit gegenüber Witterungseinflüssen.

Die preußischen Bataillonsfahnen waren durch verschiedene Armeeverordnungen und Allerhöchste Kabinetts-Orders genau geregelt. Die Gestaltung der Fahnen und ihrer Spitzen folgte strengen Vorschriften, die Größe, Material, Symbolik und Ausführung detailliert festlegten. Die Fahnenspitze bildete den krönenden Abschluss der Fahnenstange und war weithin sichtbares Zeichen der königlichen Autorität. Jedes Bataillon führte seine Fahne mit Stolz, und der Verlust einer Fahne im Kampf galt als größte Schande.

Die Tülle am unteren Ende der Fahnenspitze ermöglichte die sichere Befestigung auf der Fahnenstange. Die Gesamthöhe von circa 22 Zentimetern entspricht den üblichen Dimensionen solcher Fahnenspitzen aus der wilhelminischen Ära. Die hier beschriebene leichte Verbiegung nach hinten ist charakteristisch für Stücke, die tatsächlich im Dienst verwendet wurden – möglicherweise durch das Gewicht der Fahne bei Wind oder durch die Handhabung bei militärischen Zeremonien.

Fahnen spielten im preußischen Militärwesen eine zentrale Rolle. Sie dienten nicht nur als Sammlungspunkte im Gefecht, sondern waren auch Symbol der Ehre und Tradition der Einheit. Bei feierlichen Anlässen, Paraden und Vereidigungen waren die Fahnen stets präsent. Der Fahneneid band die Soldaten persönlich an ihren König und ihre Fahne. Die Zeremonie der Fahnenweihe war ein bedeutsames Ereignis im Leben eines Bataillons, bei dem die neue Fahne oft aus den Händen des Monarchen oder eines hochrangigen Vertreters entgegengenommen wurde.

Die Unterscheidung zwischen Infanterie- und Artilleriefahnen lag hauptsächlich in Details der Gestaltung des Fahnentuchs, während die Fahnenspitzen häufig einheitlich gestaltet waren. Die königliche Chiffre als zentrales Element unterstrich die direkte Bindung der Truppen an die Person des Königs – ein grundlegendes Prinzip der preußischen Militärverfassung.

Nach der Niederlage im Ersten Weltkrieg und der Abdankung Kaiser Wilhelms II. im November 1918 verloren diese monarchischen Symbole ihre offizielle Funktion. Viele Fahnen wurden von ihren Einheiten versteckt oder den Veteranenverbänden übergeben, um sie vor Beschlagnahmung zu bewahren. Die Weimarer Republik führte neue, republikanische Fahnen ein, während die kaiserlichen Symbole zunehmend in Museen, Archiven oder privaten Sammlungen landeten.

Heute sind solche Fahnenspitzen wichtige militärhistorische Dokumente, die Einblick in die Symbolwelt, Handwerkskunst und militärische Kultur des 19. Jahrhunderts geben. Der hier beschriebene “unberührte Originalzustand” mit seinen charakteristischen Altersspuren macht das Stück besonders wertvoll für Sammler und Historiker, da es die authentische Patina der Zeit bewahrt hat und nicht durch spätere Restaurierungen verfälscht wurde.

Die Erforschung solcher Objekte trägt zum Verständnis der preußisch-deutschen Militärgeschichte bei und verdeutlicht die Bedeutung von Symbolen und Ritualen für die Identität und den Zusammenhalt militärischer Einheiten im 19. Jahrhundert.