Nachlaß eines Danziger Oberzollsekretärs, Träger des NSDAP Traditions-Gauabzeichen Danzig-Westpreussen "Alter Kämpfer"

Steckabzeichen, Buntmetall versilbert und getönt, 43 x 35 mm, hochoval massiv geprägt, leicht gewölbt. Rückseitig an dünner Nadel mit doppelter Befestigungslaschen und Markierung "Paul Küst Berlin".
Ordenschnalle mit Eisernem Kreuz 1914 2.Klasse, Ehrenkreuz für Frontkämpfer und dem Treuedienst-Ehrenzeichen 2. Stufe für 25 Jahre der Freien Stadt Danzig.
Danzig Kreuz 2.Klasse am Band, NSDAP-Dienstauszeichnung 1. Stufe in Bronze am Band. Verwundetenabzeichen 1918 in Schwarz. Mit der passenden Bandspange mit aufgelegter Miniatur des Danziger Treudienst-Ehrenzeichens. Dabei ein Foto des Beliehenen in Zoll-Uniform mit angelegten Auszeichnungen.
Dazu an Dokumenten der Militärpaß für den Oberjäger im Jäger-Bataillon Fürst Bismarck (Pommersches) Nr. 2 mit eingetragenem Eisernen Kreuz 2.Klasse. Verleihungsurkunde für den Zollassistenten in Danzig-Neufahrwasser zum Ehrenkreuz für Frontkämpfer. Berechtigungsausweis für den Zollsekretär für das Verwundetenabzeichen in schwarz. Dienstausweis für den Oberzollsekretär 1940. Ausmusterungsschein des Wehrbezirkskommandos Danzig 1943.
461630
9.500,00

Nachlaß eines Danziger Oberzollsekretärs, Träger des NSDAP Traditions-Gauabzeichen Danzig-Westpreussen "Alter Kämpfer"

Dieser Nachlass dokumentiert eindrucksvoll die militärische und zivile Laufbahn eines Danziger Oberzollsekretärs, der sowohl im Ersten Weltkrieg als auch in der Zeit der Freien Stadt Danzig und des Nationalsozialismus diente. Die Sammlung umfasst Auszeichnungen, Dokumente und ein Foto, die zusammen ein vielschichtiges Bild der deutschen und Danziger Geschichte zwischen 1914 und 1945 zeichnen.

Der militärische Werdegang begann im Jäger-Bataillon Fürst Bismarck (Pommersches) Nr. 2, einer traditionsreichen Einheit der preußischen Armee. Als Oberjäger kämpfte der Träger im Ersten Weltkrieg und wurde mit dem Eisernen Kreuz 2. Klasse ausgezeichnet, einer der bedeutendsten Tapferkeitsauszeichnungen des Kaiserreichs. Das Eiserne Kreuz wurde 1813 von König Friedrich Wilhelm III. gestiftet und 1914 erneuert. Die Verleihung ist im Militärpass dokumentiert, was die Authentizität und den offiziellen Charakter der Auszeichnung belegt.

Das Verwundetenabzeichen 1918 in Schwarz zeugt davon, dass der Träger im Kriegsdienst verwundet wurde. Diese Auszeichnung wurde durch die Verordnung vom 3. Juli 1918 eingeführt und kennzeichnete Soldaten, die ein- oder zweimal verwundet wurden oder durch Granatschock, Erfrierung oder Gasangriff invalide geworden waren. Der vorhandene Berechtigungsausweis dokumentiert den formalen Anspruch auf diese Auszeichnung.

Nach dem Ersten Weltkrieg setzte der Träger seine Karriere im Zolldienst der Freien Stadt Danzig fort, die durch den Versailler Vertrag 1919 unter Völkerbundverwaltung gestellt wurde. Als Zollassistent in Danzig-Neufahrwasser erhielt er 1934 das Ehrenkreuz für Frontkämpfer, auch bekannt als Hindenburg-Kreuz. Diese Auszeichnung wurde durch das Gesetz vom 13. Juli 1934 für alle deutschen Frontkämpfer des Ersten Weltkriegs geschaffen.

Besonders bemerkenswert ist das Treuedienst-Ehrenzeichen 2. Stufe für 25 Jahre der Freien Stadt Danzig. Diese spezifische Auszeichnung wurde nur während der Existenz der Freien Stadt Danzig (1920-1939) verliehen und ist heute selten. Sie dokumentiert eine außergewöhnlich lange Dienstzeit im Staatsdienst dieser kurzlebigen politischen Einheit.

Das NSDAP Traditions-Gauabzeichen Danzig-Westpreußen “Alter Kämpfer” ist ein Steckabzeichen aus versilbertem Buntmetall, markiert von Paul Küst Berlin, einem bekannten Hersteller von NS-Abzeichen. Die Bezeichnung “Alter Kämpfer” wurde für frühe NSDAP-Mitglieder verwendet, die der Partei vor der Machtergreifung 1933 beitraten oder sich besonders um die nationalsozialistische Bewegung verdient gemacht hatten. In Danzig, wo die NSDAP bereits in den frühen 1930er Jahren stark war, hatte diese Bezeichnung besondere Bedeutung.

Das Danzig-Kreuz 2. Klasse wurde am 31. August 1939 von Gauleiter Albert Forster gestiftet, unmittelbar vor der Eingliederung Danzigs ins Deutsche Reich. Es sollte die “Verdienste um die Befreiung Danzigs” würdigen und wurde in zwei Klassen verliehen. Die Auszeichnung hat große historische Bedeutung als Dokument der letzten Tage der Freien Stadt.

Die NSDAP-Dienstauszeichnung 1. Stufe in Bronze wurde für zehn Jahre treue Dienste in der Partei verliehen. Sie wurde durch einen Erlass vom 16. März 1939 gestiftet und dokumentiert langjährige Parteimitgliedschaft.

Der Dienstausweis für den Oberzollsekretär von 1940 zeigt, dass der Träger nach der Eingliederung Danzigs in den Gau Danzig-Westpreußen seine Karriere im nun reichsdeutschen Zolldienst fortsetzte. Der Aufstieg vom Zollassistenten zum Oberzollsekretär dokumentiert eine erfolgreiche berufliche Entwicklung über mehr als zwei Jahrzehnte.

Der Ausmusterungsschein des Wehrbezirkskommandos Danzig von 1943 belegt, dass der inzwischen ältere Veteran im Zweiten Weltkrieg erneut militärisch erfasst wurde, vermutlich im Rahmen der zunehmenden Mobilisierung aller verfügbaren Kräfte.

Die Ordenschnalle und die Bandspange mit Miniatur zeigen die übliche Trageweise der Auszeichnungen. Das erhaltene Foto in Zoll-Uniform mit angelegten Auszeichnungen ist ein wertvolles Zeitdokument, das die korrekte Trageweise und das äußere Erscheinungsbild eines höheren Zollbeamten der NS-Zeit dokumentiert.

Dieser Nachlass ist historisch bedeutsam, da er die Kontinuitäten und Brüche deutscher Geschichte im 20. Jahrhundert an einer individuellen Biographie nachvollziehbar macht: vom Kaiserreich über die Freie Stadt Danzig bis zum Nationalsozialismus.