Preußen Paar Epauletten für einen Leutnant der 16. Landwehr-Brigade

Um 1900. Große Ausführung. Rotes Tuch, goldene Monde, silberne Litzen mit schwarzen Durchzügen, rote Tuchunterlage. Die Tuchunterlagen mit Mottenlöchern. Zustand 2-.

Die 16. Landwehr-Brigade gehörte zum IV. Armeekorps; unterstellt waren das 2. Thüringisches Landwehr-Regiment Nr. 32 sowie die Landwehr-Bataillone Merseburg, Torgau und Naumburg.
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350,00

Preußen Paar Epauletten für einen Leutnant der 16. Landwehr-Brigade

Die vorliegenden Epauletten eines Leutnants der 16. Landwehr-Brigade aus der Zeit um 1900 repräsentieren ein bedeutendes Zeugnis der preußischen Militärorganisation im späten Kaiserreich. Diese Schulterstücke verkörpern nicht nur die militärische Rangordnung, sondern auch die besondere Rolle der Landwehr im deutschen Wehrsystem dieser Epoche.

Die 16. Landwehr-Brigade gehörte zum IV. Armeekorps, das in Magdeburg stationiert war und die preußischen Provinzen Sachsen sowie Teile Thüringens umfasste. Der Brigade waren vier bedeutende Einheiten unterstellt: das 2. Thüringische Landwehr-Regiment Nr. 32 sowie die Landwehr-Bataillone von Merseburg, Torgau und Naumburg. Diese geografische Verteilung spiegelt die territoriale Organisation der preußischen Landwehr wider, bei der lokale Bezüge eine wichtige Rolle spielten.

Das preußische Landwehrsystem wurde durch die Heeresreform unter Gerhard von Scharnhorst und August Neidhardt von Gneisenau nach 1807 grundlegend neugestaltet. Die Landwehr bildete nach der aktiven Armee und der Reserve die dritte Säule der preußischen Verteidigungskräfte. Nach dreijährigem Dienst in der aktiven Truppe und vier Jahren in der Reserve dienten die Soldaten weitere fünf Jahre in der Landwehr I. Aufstellung, gefolgt von weiteren Jahren in der Landwehr II. Aufstellung. Offiziere der Landwehr waren häufig Reserveoffiziere oder pensionierte aktive Offiziere, die ihre militärische Laufbahn fortsetzten.

Die vorliegenden Epauletten zeigen charakteristische Merkmale der preußischen Uniformreglements des späten 19. Jahrhunderts. Das rote Tuch der Unterlage ist von besonderer Bedeutung, da die Waffenfarben im preußischen Heer spezifische Truppengattungen kennzeichneten. Rot war die Waffenfarbe der Artillerie, der Pioniere und der Train-Truppen, wurde aber auch bei bestimmten Landwehr-Formationen verwendet. Die goldenen Monde (halbmondförmige Metallbeschläge) sind ein traditionelles Element preußischer Epauletten, das auf historische Vorbilder zurückgeht.

Besonders interessant ist die Kombination von silbernen Litzen mit schwarzen Durchzügen. Diese Farbgebung entspricht den preußischen Uniformvorschriften und deutet auf spezifische regionale oder korpsbedingte Besonderheiten hin. Die großen Ausführungen der Epauletten waren für Offiziere des mittleren Ranges wie Leutnante und Oberleutnante vorgesehen und unterschieden sich deutlich von den kleineren Varianten für Unteroffiziere oder den noch aufwendigeren Ausführungen für höhere Offiziersränge.

Die Bekleidungsvorschriften für die preußische Armee wurden im 19. Jahrhundert mehrfach überarbeitet. Die Allerhöchste Kabinetts-Order (AKO) von 1843 standardisierte erstmals umfassend die Uniformierung, einschließlich der Epauletten. Weitere bedeutende Änderungen erfolgten 1867, 1871 nach der Reichsgründung und schließlich in den 1890er Jahren. Die vorliegenden Epauletten aus der Zeit um 1900 entsprechen den Regelungen dieser späten Phase des Kaiserreichs.

Die handwerkliche Qualität solcher Rangabzeichen war beachtlich. Spezialisierte Militäreffektenhändler und Hoflieferanten fertigten diese Stücke in aufwendiger Handarbeit. Die Metallarbeiten wurden vergoldet oder versilbert, die Litzen sorgfältig gewebt und die Tuchunterlagen präzise zugeschnitten. Ein Offizier musste seine Uniform und deren Bestandteile selbst beschaffen und finanzieren, was erhebliche Kosten verursachte und den elitären Charakter des Offizierskorps unterstrich.

Der Erhaltungszustand mit Mottenlöchern in den Tuchunterlagen ist typisch für textile Militaria aus dieser Zeit. Mottenfraß ist ein häufiges Problem bei historischen Uniformteilen und zeugt von der organischen Natur der verwendeten Materialien – Wolle, Seide und Baumwolle. Trotz dieser Beschädigungen bleibt der historische und sammlerische Wert solcher Objekte erheblich.

Die Landwehr spielte im Ersten Weltkrieg eine bedeutende Rolle, als die Mobilisierung das gesamte Reservesystem aktivierte. Viele Landwehr-Brigaden und -Regimenter wurden an die Front geschickt und kämpften an allen Kriegsschauplätzen. Nach 1918 und dem Ende der Monarchie wurde das gesamte System der kaiserlichen Armee aufgelöst, und mit ihm verschwanden die traditionsreichen Uniformen und Rangabzeichen.

Heute sind solche Epauletten wichtige Sammlerstücke und Studienobjekte für Militärhistoriker. Sie ermöglichen Einblicke in die soziale Struktur, die materielle Kultur und die organisatorischen Prinzipien des preußisch-deutschen Militärwesens vor 1918. Jedes Detail – von der Farbe des Tuchs bis zur Form der Metallbeschläge – erzählt eine Geschichte über Tradition, Hierarchie und militärische Identität im Kaiserreich.

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