Die Tarnfeldbluse M45 im Leibermuster repräsentiert das letzte und seltenste Tarnmuster der deutschen Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg. Entwickelt im Februar 1945, kam dieses Muster viel zu spät, um noch in nennenswerten Mengen ausgegeben werden zu können. Die Druckereien erhielten erst am 15. Januar 1945 Informationen über das neue Muster, und nur wenige deutsche Soldaten wurden mit diesen Uniformstücken ausgestattet, bevor der Krieg im Mai 1945 endete.
Das Leibermuster entstand aus einer beispiellosen Zusammenarbeit zwischen Wehrmacht und Waffen-SS mit dem Ziel, alle bisherigen Tarnmuster beider Organisationen durch ein einheitliches, hochmodernes Design zu ersetzen. Die Entwicklung erfolgte unter Leitung von Professor Johann Georg Otto Schick, wie aus dem Richardson-Bericht vom Juli 1945 hervorgeht. Die eigentliche Innovation des Musters lag in seiner infrarotresistenten Konzeption: Mit anilinschwarzem Farbstoff entwickelt, sollte es gegen die ersten alliierten Nachtsichtgeräte wirksam sein, die zu diesem Zeitpunkt in den Einsatz kamen.
Die Fertigung erfolgte aus einseitig bedrucktem Fischgrat-Drillichtuch mit einer komplexen Mehrfarbigkeit. Das Muster bestand aus sechs Farben: einem beigen Hintergrund mit weißen Flecken, hellgrünem und mittelgrünem Blattwerk, rotbraunen Flächen und kohlschwarzen Ästen. Durch die Verwendung unterschiedlich großer Druckwalzen wurde eine auffällige Musterwiederholung vermieden. Das Design sollte seine disruptiven Eigenschaften besonders auf kurze Distanzen beibehalten.
Die M45-Uniformen basierten auf dem M44-Schnitt, waren jedoch aufgrund wirtschaftlicher Zwänge von geringerer Qualität und verzichteten auf das Taillenband der M44. Die kurze Feldjacke verfügte über zwei aufgesetzte Brusttaschen, eine fünfknöpfige Knopfleiste mit feldgrau lackierten Blechknöpfen und eine Durchzugskordel auf Hüfthöhe. Neben den Feldjacken wurde das Leibermuster auch für Marschhosen, wendbare Winterparkas und Zeltbahnen produziert.
Die tatsächliche Ausgabe der M45-Uniformen erfolgte in äußerst begrenztem Umfang hauptsächlich an Wehrmachtssoldaten an der Ostfront, konkret in der Tschechoslowakei ab Februar 1945. Alle bekannten Originalfotos zeigen Wehrmachtssoldaten im ehemaligen tschechoslowakischen Gebiet. Berichte über die Verwendung durch SS-Freiwilligeneinheiten im Baltikum, speziell im Raum Riga, existieren zwar, sind jedoch fotografisch nicht belegt. Trotz der ursprünglichen Absicht, das Muster sowohl an Wehrmacht als auch an Waffen-SS auszugeben, existieren keine bekannten Aufnahmen von Waffen-SS-Angehörigen in Leibermuster-Uniformen.
Alle bekannten originalen Jacken tragen dieselbe RB.Nr. 0/0185/5043, was auf eine einzige Produktionscharge hindeutet. Von diesem extrem limitierten Fertigungslauf haben nur eine Handvoll Originalexemplare die Jahrzehnte überdauert. Die meisten überlebenden Stücke sind stark ausgeblichen und abgetragen, möglicherweise weil sie die einzige verfügbare Kleidung für deutsche Kriegsgefangene während langer Internierung darstellten.
Nach 1945 entwickelte das Leibermuster eine bemerkenswerte Nachkriegskarriere. Es bildete die Grundlage für das schweizerische Alpenflage-Muster (TAZ 83), das bis in die 1990er Jahre von der Schweizer Armee getragen wurde. In den 1950er Jahren erwog Belgien die Beschaffung von 20.000 Uniformen im Leibermuster für seine Streitkräfte, übernahm es jedoch nie offiziell. Die belgische Firma ABL produzierte dennoch Tarnuniformen in diesem Muster, vermutlich für den Export und Bundeswehr-Erprobungen Mitte der 1950er Jahre. Das Muster beeinflusste auch das amerikanische ERDL-Muster, den Vorläufer des US-Woodland-Musters, sowie tschechische und schweizerische Varianten.
Heute gilt die Tarnfeldbluse M45 im Leibermuster unbestritten als die mit Abstand seltenste Tarnuniform der Waffen-SS beziehungsweise Wehrmacht. Moderne Reproduktionen werden zwar in China und der Türkei für Sammler und Reenactors über europäische Händler angeboten, doch originale Stücke in gutem Erhaltungszustand gehören zu den außergewöhnlichsten Raritäten deutscher Militaria des Zweiten Weltkriegs.