Zaristisches Rußland Koppelschloß für Mannschaften Infanterie

um 1914. Einteilig geprägtes Koppelschloß aus Messing. Getragen, Zustand 2.
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120,00

Zaristisches Rußland Koppelschloß für Mannschaften Infanterie

Das vorliegende Koppelschloss für Mannschaften der Infanterie aus dem Zaristischen Russland stammt aus der Zeit um 1914 und repräsentiert ein wichtiges Element der militärischen Ausrüstung der kaiserlich-russischen Armee am Vorabend des Ersten Weltkriegs. Diese einteilig aus Messing geprägte Gürtelschließe war Bestandteil der Standarduniform für einfache Soldaten der Infanterieeinheiten und diente sowohl funktionalen als auch repräsentativen Zwecken.

Die russische Armee unter Zar Nikolaus II. durchlief zu Beginn des 20. Jahrhunderts umfangreiche Modernisierungsbestrebungen, die auch die Uniformierung und Ausrüstung der Truppen betrafen. Nach der demütigenden Niederlage im Russisch-Japanischen Krieg (1904-1905) wurden zahlreiche Reformen eingeleitet, um die Kampfkraft der Streitkräfte zu verbessern. Die Ausrüstungsvorschriften von 1907 und die nachfolgenden Anpassungen bis 1914 legten detailliert fest, welche Ausrüstungsgegenstände die verschiedenen Truppengattungen zu tragen hatten.

Das Koppelschloss (russisch: pряжка, prjaschka) war ein wesentlicher Bestandteil des Koppels, des Ledergürtels, an dem die Soldaten ihre Ausrüstung trugen. An diesem Koppel befestigten die Infanteristen ihre Patronentaschen, das Seitengewehr (Bajonett) in seiner Scheide, die Feldflasche und weitere notwendige Ausrüstungsgegenstände. Die zentrale Gürtelschließe musste daher robust und zuverlässig sein, da sie unter Marsch- und Gefechtsbedingungen erheblichen Belastungen ausgesetzt war.

Die Fertigung aus Messing war typisch für russische Koppelschlösser dieser Periode. Messing bot mehrere Vorteile: Es war relativ korrosionsbeständig, ließ sich gut prägen und verarbeiten und hatte durch seinen goldenen Glanz auch eine gewisse repräsentative Wirkung. Die einteilige Prägung deutet auf eine rationelle Massenproduktion hin, wie sie für die Ausrüstung der Millionenarmee notwendig war. Die russische Armee zählte bei Kriegsbeginn 1914 etwa 1,4 Millionen aktive Soldaten, die im Verlauf des Krieges auf über 15 Millionen Mobilisierte anwuchs.

Koppelschlösser für Mannschaften (einfache Soldaten) unterschieden sich deutlich von denen der Offiziere und Unteroffiziere. Während höhere Dienstgrade oft aufwendiger gestaltete, teilweise vergoldete oder versilberte Schließen mit detaillierten Wappen oder Monogrammen trugen, waren die Mannschaftsschlösser schlichter gehalten. Typischerweise zeigten sie das kaiserliche Wappen mit dem Doppeladler der Romanow-Dynastie oder militärische Embleme, die auf die jeweilige Truppengattung hinwiesen.

Die Infanterie bildete das Rückgrat der zaristischen Armee. Sie war in verschiedene Regimenter gegliedert, die oft traditionelle Bezeichnungen trugen und auf bestimmte Regionen zurückgingen. Die Standardbewaffnung der Infanterie bestand um 1914 aus dem Mosin-Nagant-Gewehr Modell 1891, das mit einem aufgepflanzten Bajonett eine Gesamtlänge von etwa 1,70 Metern erreichte. Die Ausrüstung war für die extremen klimatischen Bedingungen des russischen Reiches ausgelegt, vom eisigen Winter bis zum heißen Sommer der Steppengebiete.

Der Erste Weltkrieg stellte die russische Armee vor enorme Herausforderungen. Obwohl die Truppen anfänglich mit Enthusiasmus in den Kampf zogen, zeigten sich bald gravierende Mängel in der Ausrüstung, Versorgung und militärischen Führung. Die Schlacht von Tannenberg (August 1914) und die Masurischen Seen (September 1914) brachten verheerende Niederlagen gegen die deutsche Armee. Trotz dieser Rückschläge kämpfte die russische Armee bis zur Oktoberrevolution 1917 an mehreren Fronten.

Das vorliegende Koppelschloss trägt die Spuren seiner Verwendung, was seinen historischen Wert unterstreicht. Solche getragenen Stücke sind stumme Zeugen der Strapazen, denen die einfachen Soldaten ausgesetzt waren. Die Erhaltung in gutem Zustand (Zustand 2) macht es zu einem wertvollen Sammlerstück und historischen Dokument. Nach dem Zusammenbruch des Zarenreiches und der Gründung der Sowjetunion wurden diese kaiserlichen Ausrüstungsgegenstände teilweise weiterverwendet, oft jedoch mit entfernten oder überarbeiteten Hoheitszeichen.

Heute sind solche Koppelschlösser begehrte Sammlerobjekte, die Einblick in die Materialkultur und Organisation der zaristischen Armee geben. Sie dokumentieren nicht nur militärische Standards und Produktionsmethoden, sondern stehen auch symbolisch für eine untergegangene Epoche der russischen Geschichte. Für Militärhistoriker und Sammler bieten sie wertvolle Informationen über Uniformierung, Rangabzeichen und die materielle Ausstattung der verschiedenen Truppengattungen im letzten Zarenreich.