III. Reich - persönliche Geschenkplakette des Reichsjägermeisters Hermann Göring an den Reichsbauernführer Darré zum Neuen Jahr 1934
Diese persönliche Geschenkplakette aus dem Jahr 1934 stellt ein faszinierendes Zeugnis der komplexen Machtstrukturen und persönlichen Beziehungen innerhalb der nationalsozialistischen Führungselite dar. Als Geschenk von Hermann Göring in seiner Funktion als Reichsjägermeister an Richard Walther Darré, den Reichsbauernführer, dokumentiert sie die Verflechtung von Jagdkultur, agrarpolitischen Zielen und NS-Ideologie in den frühen Jahren des Dritten Reiches.
Hermann Göring (1893-1946) war eine der einflussreichsten Persönlichkeiten des NS-Regimes. Als preußischer Ministerpräsident, Reichsluftfahrtminister und später Oberbefehlshaber der Luftwaffe akkumulierte er zahlreiche Ämter und Titel. Seine Ernennung zum Reichsjägermeister am 3. Juli 1934 - nur wenige Monate nach der Überreichung dieser Plakette - institutionalisierte seine Leidenschaft für die Jagd und gab ihm weitreichende Befugnisse über das deutsche Jagdwesen. Das Reichsjagdgesetz vom 3. Juli 1934 reformierte das gesamte deutsche Jagdrecht und zentralisierte die Kontrolle unter Görings Autorität.
Richard Walther Darré (1895-1953) war seit Juni 1933 Reichsbauernführer und Reichsminister für Ernährung und Landwirtschaft. Der in Argentinien geborene Agrarwissenschaftler entwickelte die NS-Ideologie von “Blut und Boden”, die die Bauernschaft als rassische Elite des deutschen Volkes glorifizierte. Seine Politik zielte darauf ab, das Bauerntum zu stärken und Deutschland autark in der Nahrungsmittelproduktion zu machen. Das Reichserbhofgesetz vom September 1933 war eines seiner wichtigsten legislativen Werke.
Die Plakette wurde von B.H. Mayer's Hof-Kunst-Präge-Anstalt in Pforzheim hergestellt, einem renommierten Unternehmen, das seit 1871 existierte und für die Herstellung hochwertiger Medaillen, Orden und Ehrenzeichen bekannt war. Die Firma produzierte zahlreiche offizielle und private Auszeichnungen während der NS-Zeit und war für ihre technische Präzision und künstlerische Qualität geschätzt.
Die Ikonographie der Plakette ist symbolträchtig: Das Sonnenrad war ein beliebtes Symbol in der NS-Ideologie, das germanische Traditionen evozieren sollte. Der dargestellte Händegruß über einem erlegten Eber verbindet jagdliche Tradition mit Kameradschaft und möglicherweise auch mit germanischer Mythologie, in der der Eber eine bedeutende Rolle spielte. Die Inschrift “Mit frischem Mut ins neue Jahr 1934” reflektiert die optimistische Rhetorik der frühen NS-Zeit, als das Regime seine Macht konsolidierte.
Das Jahr 1934 war für das NS-Regime von entscheidender Bedeutung. Nach der Machtübernahme im Januar 1933 wurde die Gleichschaltung aller Lebensbereiche vorangetrieben. Der sogenannte “Röhm-Putsch” oder die “Nacht der langen Messer” im Juni 1934 beseitigte die SA-Führung und festigte Hitlers absolute Macht. Göring spielte bei diesen Säuberungen eine zentrale Rolle.
Die Beziehung zwischen Göring und Darré war von gemeinsamen ideologischen Interessen geprägt, insbesondere im Hinblick auf die Vorstellung eines idealen deutschen Landlebens. Beide teilten die Vision einer Rückkehr zu vermeintlich germanischen Traditionen, wobei Jagd und Landwirtschaft zentrale Elemente bildeten. Solche persönlichen Geschenke zwischen NS-Führern waren üblich und dienten der Pflege von Netzwerken und Loyalitäten.
Die Jagd hatte im Nationalsozialismus eine besondere ideologische Bedeutung. Sie wurde als nordische Tradition glorifiziert und mit Vorstellungen von Männlichkeit, Naturverbundenheit und rassischer Überlegenheit verbunden. Göring selbst war ein leidenschaftlicher Jäger und nutzte seine Position, um ausgedehnte Jagdreviere zu kontrollieren, insbesondere die Schorfheide nordöstlich von Berlin, wo er sein Anwesen Carinhall errichten ließ.
Solche Geschenkplaketten waren keine offiziellen Auszeichnungen im Sinne staatlicher Orden, sondern persönliche Präsente, die dennoch hohen symbolischen Wert besaßen. Sie wurden oft von hochrangigen NS-Funktionären in Auftrag gegeben, um Beziehungen zu festigen oder besondere Anlässe zu markieren. Die handschriftliche Gravur mit Görings Faksimile-Unterschrift verleiht dem Objekt einen persönlichen Charakter und erhöht seinen historischen Wert als Dokument der Beziehungen innerhalb der NS-Elite.
Heute sind solche Objekte wichtige historische Quellen, die Einblick in die Repräsentationskultur, die Netzwerke und die Symbolwelten des Nationalsozialismus geben. Sie dokumentieren die Selbstinszenierung der NS-Elite und die Instrumentalisierung traditioneller deutscher Kulturelemente für ideologische Zwecke.