Preußen Garde-Kürassier-Regiment Set 2 Tassen „Meinem lieben Vater/Meiner lieben Mutter“

Berlin 1897. 2 Tassen jeweils mit Untertassen. Porzellan mit Goldrand und mehrfarbiger Handbemalung, Inschrift «Zum fröhlichen Weihnachtsfeste gewidmet von deinem Sohn Heinrich Westphal – 5e Esk. Garde Küraßier Rgt. Berlin 1897.». Leichte Gebrauchs- und Alterungsspuren. Zustand 2.
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450,00

Preußen Garde-Kürassier-Regiment Set 2 Tassen „Meinem lieben Vater/Meiner lieben Mutter“

Die vorliegenden Porzellantassen mit Untertassen aus dem Jahr 1897 repräsentieren eine bedeutende Facette der preußischen Militärkultur im späten 19. Jahrhundert. Sie stammen aus dem Kontext des Garde-Kürassier-Regiments in Berlin und dokumentieren die enge Verbindung zwischen Militärdienst, Familienbanden und der Tradition des Geschenkgebens zu besonderen Anlässen.

Das Garde-Kürassier-Regiment war eine der elitärsten Einheiten der preußischen Armee. Kürassiere gehörten zur schweren Kavallerie und waren mit Kürass (Brust- und Rückenpanzer) sowie Pallasch ausgerüstet. Das Regiment hatte seinen Sitz in Berlin und unterstand direkt dem preußischen Königshaus. Die Zugehörigkeit zu einer solchen Einheit war mit erheblichem Prestige verbunden und zog vornehmlich Angehörige des Adels und des gehobenen Bürgertums an.

Die Inschrift “Zum fröhlichen Weihnachtsfeste gewidmet von deinem Sohn Heinrich Westphal - 5e Esk. Garde Kürassier Rgt. Berlin 1897” offenbart mehrere wichtige Aspekte. Der Dienst in der 5. Eskadron weist auf die militärische Organisationsstruktur hin, wobei ein Kavallerie-Regiment typischerweise aus vier bis sechs Eskadronen bestand, von denen jede etwa 150 Mann umfasste. Die Personalisierung mit dem Namen des Soldaten und seiner Einheit war charakteristisch für diese Art von militärischen Erinnerungsstücken.

Solche Reservistengaben oder Militaria-Andenken waren im Deutschen Kaiserreich weit verbreitet. Sie dienten mehreren Zwecken: Sie dokumentierten den Militärdienst, stärkten die familiären Bindungen während der oft mehrjährigen Dienstzeit und demonstrierten den Stolz auf die Zugehörigkeit zu einer angesehenen Einheit. Die Tatsache, dass hier ein Set für beide Eltern geschaffen wurde (“Meinem lieben Vater” und “Meiner lieben Mutter”), unterstreicht die Bedeutung der Familie in der wilhelminischen Gesellschaft.

Die künstlerische Gestaltung mit Goldrand und mehrfarbiger Handbemalung entspricht dem handwerklichen Standard hochwertiger Porzellanarbeiten dieser Epoche. Berlin war ein bedeutendes Zentrum der Porzellanherstellung, und die Königliche Porzellan-Manufaktur Berlin (KPM) sowie zahlreiche private Manufakturen produzierten sowohl zivile als auch militärische Erinnerungsstücke. Die Handbemalung erforderte beträchtliches künstlerisches Geschick und machte jedes Stück zu einem Unikat.

Das Jahr 1897 fällt in die Regierungszeit Kaiser Wilhelms II. (1888-1918), eine Periode, die von militärischem Glanz, kolonialem Expansionsdrang und zunehmendem Nationalismus geprägt war. Die Armee genoss in der Gesellschaft höchstes Ansehen, und der Militärdienst galt als ehrenvoll und charakterbildend. Die Garde-Regimenter in Berlin waren besonders sichtbare Symbole dieser Militärkultur und nahmen regelmäßig an Paraden und zeremoniellen Anlässen teil.

Die Weihnachtsgeschenke aus dem militärischen Kontext hatten auch eine psychologische Dimension. Sie sollten die Verbindung zwischen dem Soldaten und seinem Elternhaus aufrechterhalten und den Eltern zeigen, dass ihr Sohn trotz der räumlichen Trennung und der Härten des Militärdienstes an sie dachte. Gleichzeitig konnten die Eltern diese Objekte mit Stolz präsentieren und damit den Status ihrer Familie in der lokalen Gemeinschaft unterstreichen.

Die Überlieferung solcher Objekte bis in die Gegenwart zeugt von ihrer emotionalen Bedeutung für die Familien. Sie wurden oft als wertvolle Erbstücke bewahrt und gaben Zeugnis von der Familiengeschichte. Die “leichten Gebrauchs- und Alterungsspuren” deuten darauf hin, dass diese Tassen tatsächlich verwendet wurden, was ihre Funktion als sowohl dekorative als auch praktische Objekte unterstreicht.

Im größeren historischen Kontext spiegeln diese Tassen die Werte und sozialen Normen des wilhelminischen Deutschlands wider: Militarismus, Hierarchie, Familienorientierung und handwerkliche Qualität. Sie sind materielle Zeugnisse einer Epoche, die etwa zwei Jahrzehnte später mit dem Ersten Weltkrieg und dem Zusammenbruch der Monarchie enden sollte. Heute sind solche Objekte wichtige Quellen für das Verständnis der Alltagskultur und der Mentalitätsgeschichte dieser Zeit.