NSDAP nichttragbare Erinnerungsplakette "10 Jahre Gau Thüringen 1935"
Die vorliegende nichttragbare Erinnerungsplakette zum 10-jährigen Jubiläum des Gaus Thüringen der NSDAP stellt ein charakteristisches Beispiel für die umfangreiche Erinnerungskultur und Selbstdarstellung der nationalsozialistischen Parteiorganisation dar. Hergestellt aus weißem Biskuitporzellan mit einem Durchmesser von 65 mm, dokumentiert dieses Objekt die Feierlichkeiten zum Jahrestag der Gaugründung von 1925 bis 1935.
Historischer Kontext der Gaue
Die NSDAP-Gaue bildeten die mittlere Verwaltungsebene der Parteiorganisation zwischen der Reichsleitung und den Kreisen. Der Gau Thüringen gehörte zu den frühen Parteigliederungen und spielte eine bedeutende Rolle in der Entwicklung der NSDAP während der Weimarer Republik. Die Gründung 1925 fiel in die Phase der Neuorganisation der Partei nach Hitlers Haftentlassung und dem Ende des Parteiverbots.
Unter der Leitung von Gauleiter Fritz Sauckel, der von 1927 bis 1945 amtierte, entwickelte sich der Gau Thüringen zu einer wichtigen Parteihochburg. Thüringen war eines der ersten deutschen Länder, in dem die NSDAP Regierungsverantwortung übernahm - bereits 1930 wurde mit Wilhelm Frick erstmals ein nationalsozialistischer Minister in einer Landesregierung ernannt.
Die Porzellanmanufaktur und NS-Erinnerungsobjekte
Die Fertigung in Biskuitporzellan war typisch für hochwertige Erinnerungsstücke dieser Zeit. Thüringen verfügte über eine jahrhundertealte Tradition der Porzellanherstellung, insbesondere in Orten wie Kahla, Volkstedt und anderen Manufakturen der Region. Diese Betriebe produzierten im Auftrag der Parteiorganisationen zahlreiche Erinnerungsstücke, Plaketten und Medaillen.
Biskuitporzellan zeichnet sich durch seine matte, unglasierte Oberfläche aus und ermöglichte feine Reliefdarstellungen. Die Herstellung solcher Plaketten erfolgte durch Pressen oder Gießen in Formen, wobei die Details nach dem ersten Brand präzise herausgearbeitet wurden. Die weiße Farbe symbolisierte Reinheit und verlieh den Objekten einen feierlich-monumentalen Charakter.
Ikonographie und Gestaltung
Die Plakette zeigt im Zentrum das Abzeichen des Gauparteitags, umgeben von der Inschrift “10 Jahre Gau Thüringen der NSDAP 1925 - 1935”. Der Eichenlaubkranz als umfassendes Element war ein häufig verwendetes Symbol in der NS-Ikonographie. Die Eiche galt als deutscher Baum schlechthin und symbolisierte Stärke, Beständigkeit und Treue - Werte, die die Partei für sich beanspruchte.
Die kreisrunde Form der Plakette entsprach der traditionellen Medaillengestaltung und verlieh dem Objekt einen offiziellen, würdevollen Charakter. Die ursprünglich vorhandene Aufhängevorrichtung ermöglichte die Präsentation an Wänden in Parteibüros, Amtsstuben oder privaten Räumen von Parteifunktionären.
Funktion und Verwendung
Als nichttragbares Erinnerungsstück unterschied sich diese Plakette grundlegend von tragbaren Abzeichen und Auszeichnungen. Solche Objekte wurden typischerweise bei Jubiläumsfeiern, Gauparteitagen oder besonderen Veranstaltungen ausgegeben - vermutlich an verdiente Parteimitglieder, Funktionäre oder als Ehrengaben an Parteidienststellen.
Die Produktion solcher Erinnerungsstücke diente mehreren Zwecken: Sie festigten die Bindung der Mitglieder an die Organisation, schufen eine gemeinsame Erinnerungskultur und demonstrierten die vermeintliche historische Bedeutung und Kontinuität der Partei. Das Jahr 1935 war zudem ein Jahr intensiver NS-Propaganda mit zahlreichen Jubiläen, Parteitagen und öffentlichen Inszenierungen.
Sammlerwert und historische Bedeutung
Heute sind solche Plaketten Zeugnisse der NS-Propagandamaschinerie und ihrer Erinnerungskultur. Sie dokumentieren die Selbstdarstellung der Parteiorganisation auf regionaler Ebene und die Bedeutung, die den Gauen in der Parteistruktur beigemessen wurde. Für die historische Forschung bieten sie Einblicke in die materielle Kultur des Nationalsozialismus, die Produktionsmethoden und die symbolische Kommunikation der Partei.
Der Erhaltungszustand solcher Porzellanstücke variiert stark. Das fehlende Aufhängesystem bei diesem Exemplar ist typisch, da diese oft aus Metall gefertigten Teile leicht verloren gingen oder sich vom Porzellankörper lösten. Die Sammlung und Aufbewahrung solcher Objekte unterliegt in Deutschland besonderen rechtlichen und ethischen Richtlinien gemäß dem Strafgesetzbuch.