Preußen Einzel Schulterstück für einen Leutnant im Infanterie-Regiment Graf Bose (1. Thüringisches) Nr. 31

Standort Altona (bei Hamburg), um 1910. Weiße Tuchunterlage, zum Einnähen. Zustand 2.
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45,00

Preußen Einzel Schulterstück für einen Leutnant im Infanterie-Regiment Graf Bose (1. Thüringisches) Nr. 31

Das vorliegende Schulterstück repräsentiert ein bedeutendes Element der preußischen Militäruniform aus der späten Kaiserzeit und gehörte zur Ausstattung eines Leutnants im Infanterie-Regiment Graf Bose (1. Thüringisches) Nr. 31. Diese Einheit, stationiert in Altona bei Hamburg um 1910, war Teil der stolzen militärischen Tradition des Königreichs Preußen und des Deutschen Kaiserreichs.

Das Infanterie-Regiment Nr. 31 trug den Ehrennamen “Graf Bose” nach dem sächsischen Generalfeldmarschall Karl Friedrich Wilhelm Graf von Bose (1721-1782), der im Siebenjährigen Krieg unter Friedrich dem Großen diente. Als “1. Thüringisches Regiment” bezeichnete man es aufgrund seiner historischen Verbindungen zur Region Thüringen, obwohl es in der preußischen Armee diente. Die Regimentsnummer 31 war fest in der Rangordnung der preußischen Infanterie verankert.

Das Schulterstück selbst besteht aus weißer Tuchunterlage und war zum Einnähen in die Uniform bestimmt. Die weiße Farbe war charakteristisch für die Waffenfarbe der Infanterie in der preußischen Armee und diente der schnellen Identifikation der Truppengattung. Diese Farbcodierung war ein wesentlicher Bestandteil des preußischen Uniformsystems und ermöglichte selbst auf dem Schlachtfeld die rasche Unterscheidung zwischen verschiedenen Einheiten und Dienstgraden.

Die Schulterstücke oder Achselklappen, wie sie auch genannt wurden, entwickelten sich aus den Epauletten des 18. und frühen 19. Jahrhunderts. Während Epauletten ursprünglich einen praktischen Zweck hatten – sie schützten die Schulter vor Säbelhieben und verhinderten das Abrutschen des Schulterriemens –, wurden die Schulterstücke zunehmend zu reinen Rangabzeichen. Die preußische Armee standardisierte diese Abzeichen durch verschiedene Allerhöchste Kabinetts-Ordres (AKO) im Laufe des 19. Jahrhunderts.

Ein Leutnant war der niedrigste Offiziersrang in der preußischen Armee. Der Rang entsprach dem heutigen Leutnant in der Bundeswehr oder dem Second Lieutenant in anglo-amerikanischen Streitkräften. Leutnants waren typischerweise junge Männer aus dem Adel oder dem gehobenen Bürgertum, die ihre militärische Laufbahn begannen. Sie hatten in der Regel eine Kriegsschule oder ein Kadettenkorps absolviert und dienten als Zugführer in ihren Kompanien.

Die Kennzeichnung des Offiziersrangs auf dem Schulterstück erfolgte durch Metalltressen und Sterne. Ein Leutnant trug üblicherweise keine Rangsterne, was ihn von höheren Offiziersrängen unterschied. Die Tressen waren bei Infanterieoffizieren in der Regel silberfarben, während die Regimentsnummer und spezifische Regimentszeichen die genaue Zugehörigkeit anzeigten.

Der Standort Altona, heute ein Stadtteil von Hamburg, war um 1910 ein bedeutender Garnisonsort. Die Stadt, die bis 1937 zu Preußen gehörte, beherbergte verschiedene militärische Einrichtungen. Die Stationierung des 1. Thüringischen Regiments in dieser norddeutschen Stadt war Teil der strategischen Verteilung preußischer Truppen über das gesamte Reichsgebiet. Diese Verteilung diente sowohl der Landesverteidigung als auch der Integration verschiedener regionaler Traditionen in die preußische Armee.

Die Zeit um 1910 war eine Phase intensiver militärischer Vorbereitung im Deutschen Kaiserreich. Unter Kaiser Wilhelm II. und seinen Militärberatern wurde die Armee kontinuierlich modernisiert und vergrößert. Die Flottenrüstung unter Großadmiral von Tirpitz und die wachsenden diplomatischen Spannungen in Europa führten zu einer Aufrüstungsspirale, die schließlich im Ersten Weltkrieg gipfelte.

Das vorliegende Schulterstück stammt aus einer Epoche, in der die preußische Militärtradition noch in voller Blüte stand. Die detaillierte Uniformregulierung, die strikte Hierarchie und die Betonung von Disziplin und Ehre prägten das Selbstverständnis der Offiziere. Das preußische Offizierskorps verstand sich als Elite der Gesellschaft und als Träger militärischer Tugenden wie Pflichterfüllung, Tapferkeit und Gehorsam.

Der Zustand 2 des Objekts deutet auf eine gute Erhaltung hin, was typisch ist für Uniformteile, die nicht im Feldeinsatz getragen wurden. Viele dieser Stücke wurden für die Paradeuniform oder den Garnisonsdienst verwendet und überdauerten daher in besserem Zustand als Feldausrüstung.

Nach dem Ersten Weltkrieg und dem Ende der Monarchie 1918 verloren diese Schulterstücke ihre aktive militärische Funktion. Die Reichswehr und später die Wehrmacht führten neue Uniformsysteme ein. Heute sind solche Objekte wichtige historische Zeugnisse der wilhelminischen Ära und der preußischen Militärgeschichte. Sie dokumentieren nicht nur die materielle Kultur des Militärs, sondern auch die gesellschaftlichen Strukturen und Wertvorstellungen einer vergangenen Epoche.

Für Sammler und Historiker bieten solche Schulterstücke wertvolle Einblicke in das Uniformwesen und die Organisation der kaiserlichen Armee. Sie sind Teil eines komplexen Systems von Abzeichen und Symbolen, das die hierarchische Struktur und die Identität der preußischen Streitkräfte visualisierte.

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