Der hier vorgestellte Nachlass des Generaloberst Friedrich Dollmann gehört zu den bedeutendsten Sammlungen militärischer Auszeichnungen und Dokumente aus dem Zweiten Weltkrieg, die in den letzten Jahrzehnten auf dem Sammlermarkt erschienen sind. Im Zentrum steht das Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes mit Eichenlaub, eine der höchsten militärischen Auszeichnungen des Dritten Reiches, eingebettet in einen umfassenden Bestand von Orden, Urkunden, Fotografien und persönlichen Gegenständen, die eine militärische Karriere von der Kaiserzeit bis zum Untergang des nationalsozialistischen Deutschlands dokumentieren.
Das Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes wurde am 1. September 1939 per Führererlass gestiftet und bildete die höchste Stufe einer fünfstufigen Auszeichnungshierarchie. Es bestand aus einem Tatzenkreuz mit geschwärztem Eisenkern und silbernem Rahmen, das an einem Halsband getragen wurde. Die darüber liegende Stufe, das Eichenlaub, wurde am 3. Juni 1940 eingeführt und stellte eine separate silberne Spange dar, die oberhalb des Ritterkreuzes getragen wurde. Weitere Stufen umfassten die Schwerter (gestiftet am 28. September 1941), die Brillanten (ebenfalls 28. September 1941) und das Goldene Eichenlaub mit Schwertern und Brillanten (gestiftet am 29. Dezember 1944), das nur einmal an Hans-Ulrich Rudel verliehen wurde.
Zahlreiche Hersteller fertigten diese Auszeichnungen, darunter Steinhauer & Lück als häufigster Produzent (mit der Markierung „800“ oder „4“), Juncker (markiert „L/12“), Godet („21“ oder „L/50“), Klein & Quenzer („65“) und C.F. Zimmermann („20“). Der vorliegende Nachlass enthält zwei Ritterkreuze: ein frühes, ungestempeltes Exemplar der Firma Juncker, Berlin, das Dollmann persönlich trug, sowie ein posthumes Ersatzstück von Steinhauer & Lück, Lüdenscheid, mit geschwärztem Eisenkern und Silberrahmen. Das Eichenlaub stammt von der Firma Godet und zeigt die klassische „frostig“ versilberte Oberfläche mit aufpolierten Kanten, rückseitig gestempelt „900 21“.
Verleihungskriterien und Zahlen
Das Ritterkreuz wurde für herausragende Führungsleistungen, besondere Verdienste oder persönliche Tapferkeit über alle militärischen Ränge hinweg verliehen – von Oberbefehlshabern bis zu einfachen Soldaten. Das Eichenlaub war Trägern des Ritterkreuzes vorbehalten, die sich weiterhin durch außergewöhnliche Leistungen im Kampf auszeichneten. Nach Angaben der Ordensgemeinschaft der Ritterkreuzträger (AKCR) wurden insgesamt 7.318 Ritterkreuze verliehen (das Bundesarchiv bestätigt 7.161 Verleihungen). Beim Eichenlaub waren es 882 Verleihungen laut AKCR (863 vom Bundesarchiv bestätigt). Die Schwerter wurden 160 Mal verliehen (147 bestätigt), die Brillanten 27 Mal (alle verifiziert).
Friedrich Dollmann – Biografie und militärische Karriere
Friedrich Dollmann wurde am 2. Februar 1882 geboren und durchlief eine lange militärische Laufbahn, die in der Kaiserlichen Bayerischen Armee begann. Seine Beförderung zum Leutnant erfolgte 1901, die zum Hauptmann 1914 mit eigenhändiger Unterschrift König Ludwigs III. Im Ersten Weltkrieg erhielt er das Eiserne Kreuz 2. Klasse 1914 sowie den Bayerischen Militär-Verdienstorden 4. Klasse mit Krone und Schwertern (20. Juli 1918). In der Reichswehr stiegen seine Beförderungsurkunden zum Oberstleutnant (1927) und Oberst (1929) mit den Originalunterschriften von Reichspräsident von Hindenburg.
Die Beförderung zum Generalmajor erfolgte 1932, zum Generalleutnant 1933 und zum General der Artillerie am 20. April 1936, letztere mit den Unterschriften von Adolf Hitler und Blomberg. Er kommandierte ab 1939 die 7. Armee und erhielt das Ritterkreuz am 24. Juni 1940 für seine erfolgreiche Führung während des Frankreichfeldzugs, insbesondere für den schnellen Vormarsch durch das Unterelsass, der zur Niederlage der französischen Streitkräfte beitrug. Am 19. Juli 1940 wurde er zum Generaloberst befördert – einer von nur 38 Generalobersten der Wehrmacht.
Atlantikwall, D-Day und das Ende
Von 1940 bis 1944 befehligte Dollmann die Besatzungstruppen in Frankreich und überwachte den Bau der Atlantikwall-Verteidigungsanlagen in der Normandie und der Bretagne. Als am 6. Juni 1944 die alliierte Invasion begann, war Dollmann als Oberbefehlshaber der 7. Armee der höchstkommandierende General der verteidigenden deutschen Truppen. Nach dem Fall von Cherbourg am 26. Juni 1944 und angesichts schwerer Verluste seiner Truppen endete Dollmanns Leben am 28./29. Juni 1944 in seinem Hauptquartier in Le Mans. Die genauen Umstände seines Todes bleiben in den historischen Quellen umstritten. Er wurde am 2. Juli 1944 in Frankreich mit vollen militärischen Ehren beigesetzt, wobei Rundstedt, Rommel und Sperrle anwesend waren. Das Eichenlaub (als 518. Verleihung) wurde der Witwe bei der Beerdigung posthum überreicht. Sein Nachfolger wurde SS-Obergruppenführer Paul Hausser.
Der Nachlass als historisches Dokument
Dieser Nachlass wurde direkt von Dollmanns Tochter Marieluise beim Auktionshaus Hermann Historica eingeliefert und umfasst neben den Auszeichnungen eine von ihr verfasste 188-seitige Biografie. Die Fotografien dokumentieren unter anderem die Aufbahrung des Leichnams in Le Mans und die Trauerfeierlichkeiten in der Heimatstadt Bogen am 11. Juli 1944. Ein Schreiben des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge von 1952 an die Witwe mit Fotos des Kriegsgrabes im deutschen Soldatenfriedhof Champigny-St. André (Block 3, Grab 1090) bezeugt die Nachkriegsgeschichte dieses Erbes. Die AKCR, 1955 in Köln gegründet, wurde 1999 vom Verteidigungsminister Rudolf Scharping wegen neonazistischer und revanchistischer Verbindungen vom Kontakt mit der Bundeswehr ausgeschlossen.