Waffen-SS Beobachtungsuhr M-B, A. Lange & Söhne Glashütte Werk-Nr. 215 803

um 1944.  SS-Beobachtungsuhr, Werk Kal. 48 mm, Gehäuse-Durchmesser 65 mm, das Gehäuse als Fliegerarmbanduhr gearbeitet, aus Messing grau mattiert. Die Uhr mit herausziehbarer Krone und Anhaltevorrichtung, mit großem schwarzen Spezialzifferblatt wie von der Waffen-SS vorgeschrieben mit Bezeichnung "W-SS" sowie "M-B", anstelle der Zahlen III und IX verlängerte Trennungsstriche 15 und 45, mit Leuchtziffern und-zeigern, Sekunde an der Zifferblattmitte, 1/5. Sekunde springend, Sekundenzeiger am rückwärtigen Ende mit leuchtendem Strich versehen. Komplett am braunen vernieteten Lederarmband mit vernickeltem Verschluss. 

Im Jahr 1940 beauftragte das Waffen und Geräteamt der Waffen-SS die Fa. Lange & Söhne eine "Beobachtungsuhr für Messbatterie" (M-B) mit größerem Durchmesser zu entwickeln, auf Basis der Luftwaffen B-Uhr. Für die fotografischen Aufnahmen sollten die Sekundenziffern zusätzlich in Spiegelschrift aufgebracht werde. Nach den Prototypen im Silbergehäuse sollten vom März 1941 monatlich 10 Uhren abgeliefert werden. 1943 wurden lauf dem vorliegenden Dokument 22 dieser Uhren im vernickelten Messinggehäuse mit 65 mm Durchmesser von Lange & Söhne fertiggestellt. Eine dieser 1943 gefertigten Uhren ist mit der Seite des Versandbuch vom 22. Oktober 1943 ist abgebildet im Fachbuch von Konrad Knirin "Militäruhren - Military Timepieces" auf Seite 452.

Unser Exemplar stammt aus der Lieferung vom 29. Februar 1944. Die Uhr ist leicht getragen, auf der Rückseite des Gehäusedeckel mit eingeschlagener Werk-Nr. 215803, die Innenseite des Deckels gestempelt "Lange & Söhne Glashütte" sowie "C 84". Das Werk teilweise vergoldet, mit Bezeichnung "A. Lange & Söhne", 2-fach mit Werk-Nr. 215803. 
Anbei ein Zertifikat von Reinhard Reichel, dem Experten des Glashütter Uhrenmuseum aus dem Jahr 2002.
Die Uhr wurde von ca. 10 Jahren von einem deutschen Uhrmachermeister komplett zerlegt und gereinigt. Die Winkelhebelfeder und der Zeigerstellhebel wurden gegen Originalteile ersetzt. Der Lack des Gehäusemittelteils wurde erneuert, die Unruhewelle wurde bei einer vorherigen Reparatur nachgefertigt. (Schreiben des Uhrmachermeisters anbei). 
Die Uhr ist voll funktionsfähig und in gutem Zustand.
Dazu eine Fotokopie des Versandbuch der Fa. A. Lange & Söhne, datiert 29. Februar, Januar 1944. An dem Tag wurden 11 SS-Beobachtungsuhren an das SS-Führungshauptamt, Amt IX, Berlin-Wilmersdorf geliefert, per Wertpaket an die SS-Artillerie-Schule Glau. Bei der 3. aufgelisteten Uhr handelt es sich um unser Stück mit der Werk-Nr. 215 803.

Extrem selten, anhand der beiden vorliegenden Versandbuchseiten von 1943 und 1944 wurden wohl 33 Uhren hergestellt. Uns ist neben diesen beiden Stück keine weiteren SS-Beobachtungsuhren bekannt.
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Die Waffen-SS Beobachtungsuhr M-B von A. Lange & Söhne – Ein extrem seltenes Zeitmessinstrument der deutschen Artillerie

Unter den militärischen Präzisionsuhren des Zweiten Weltkriegs nimmt die Waffen-SS Beobachtungsuhr für Messbatterie (M-B) von A. Lange & Söhne Glashütte eine einzigartige Sonderstellung ein. Mit einer geschätzten Gesamtproduktion von nur etwa 33 dokumentierten Exemplaren gehört sie zu den seltensten militärischen Zeitmessinstrumenten, die jemals von der renommierten Glashütter Manufaktur gefertigt wurden. Das hier vorliegende Exemplar mit der Werk-Nr. 215 803 ist eines von elf Uhren, die am 29. Februar 1944 ausgeliefert wurden, und stellt ein bedeutendes Zeugnis der militärischen Uhrmacherei des Zweiten Weltkriegs dar.

Entstehungsgeschichte und Auftrag

Im Jahr 1940 beauftragte das Waffen- und Geräteamt der Waffen-SS die Firma A. Lange & Söhne mit der Entwicklung einer spezialisierten Beobachtungsuhr für Messbatterien. Diese sollte auf der Grundlage der bereits in Produktion befindlichen Luftwaffen-B-Uhr (Beobachtungsuhr) konstruiert werden, jedoch mit einem deutlich größeren Gehäusedurchmesser von 65 mm gegenüber den standardmäßigen 55 mm der Luftwaffen-Version. Die Waffen-SS, deren operatives Hauptquartier im August 1940 unter Heinrich Himmler eingerichtet worden war, benötigte spezialisierte Zeitmessinstrumente für ihre Artillerieeinheiten, die höchste Präzision bei Vermessungs- und Beobachtungsaufgaben erforderten.

Die Produktion begann ab Februar 1941. Die ersten zehn Prototypen mit den Werknummern 210001 bis 210010 wurden in Silbergehäusen ausgeliefert. Die anschließende Serienproduktion setzte sich 1941 mit Gehäusen aus einer Speziallegierung namens “Platinin” fort, bevor ab 1943 auf grau mattierte Messinggehäuse umgestellt wurde. Es war vorgesehen, dass ab März 1941 monatlich zehn Uhren abgeliefert werden sollten.

Technische Besonderheiten

Die M-B-Uhr zeichnet sich durch mehrere bemerkenswerte technische Merkmale aus, die sie von der Standard-Luftwaffen-B-Uhr unterscheiden. Das Kaliber 48 mit einem Werkdurchmesser von 48 mm ist in einem großen, als Fliegerarmbanduhr gearbeiteten Gehäuse aus grau mattiertem Messing untergebracht. Die Uhr verfügt über eine herausziehbare Krone mit Anhaltevorrichtung (Sekundenstoppfunktion), die es dem Benutzer ermöglichte, den Sekundenzeiger präzise zu synchronisieren.

Das große schwarze Spezialzifferblatt trägt die Bezeichnungen “W-SS” und “M-B” und weist anstelle der römischen Zahlen III und IX verlängerte Trennungsstriche bei den Positionen 15 und 45 auf. Die Leuchtziffern und -zeiger gewährleisteten die Ablesbarkeit unter allen Lichtbedingungen. Die zentrale Sekunde springt in 1/5-Sekunden-Intervallen, und das rückwärtige Ende des Sekundenzeigers ist mit einem leuchtenden Strich versehen. Eine besondere Anforderung sah vor, dass die Sekundenziffern zusätzlich in Spiegelschrift aufgebracht werden sollten, was auf die Verwendung mit optischen Instrumenten oder fotografischen Aufzeichnungssystemen hinweist.

Das teilweise vergoldete Werk trägt die Bezeichnung “A. Lange & Söhne” zweifach sowie die Werknummer 215803. Die Innenseite des Gehäusedeckels ist mit “Lange & Söhne Glashütte” sowie “C 84” gestempelt.

Einsatzzweck und Auslieferung

Die Uhren waren für den Einsatz in Artillerie-Messbatterien der Waffen-SS bestimmt und dienten dort Beobachtungs- und Vermessungszwecken, die extreme Präzision erforderten. Der größere Gehäusedurchmesser von 65 mm und die speziellen Zifferblattmerkmale deuten auf die Verwendung für präzise Artillerieberechnungen und fotografische Dokumentation hin.

Die Auslieferung erfolgte an das SS-Führungshauptamt, Amt IX (Amt für technische und maschinelle Entwicklung) in Berlin-Wilmersdorf. Von dort wurden die Uhren per Wertpaket an die SS-Artillerie-Schule Glau verteilt, die als Ausbildungseinrichtung für Artilleriepersonal der Waffen-SS diente. Das vorliegende Exemplar gehört zu einer Lieferung von elf Uhren, die laut dokumentiertem Versandbuch am 29. Februar 1944 versandt wurden und dort als dritte aufgelistete Uhr erscheint.

Produktionszahlen und Seltenheit

Die extreme Seltenheit dieser Uhr wird durch die dokumentierten Versandbuchseiten belegt: 22 Uhren wurden im Oktober 1943 ausgeliefert, gefolgt von 11 weiteren Exemplaren – darunter das vorliegende Stück – im Februar 1944. Basierend auf diesen beiden erhaltenen Versandbuchseiten ergibt sich eine Gesamtproduktion von schätzungsweise 33 Exemplaren. Zum Vergleich: A. Lange & Söhne fertigte für die Luftwaffe rund 6.904 Standard-B-Uhren zwischen 1940 und 1945, und die Gesamtproduktion aller fünf B-Uhr-Hersteller – neben Lange auch Stowa, Laco, Wempe und IWC – belief sich auf etwa 13.500 Präzisionszeitmesser.

Historischer Kontext und Nachkriegsgeschichte

Während des deutschen Militäraufbaus der 1930er Jahre und des Zweiten Weltkriegs war A. Lange & Söhne in Glashütte einer von fünf Herstellern, die mit der Produktion von Präzisionsbeobachtungsuhren für die deutschen Streitkräfte beauftragt wurden. In dieser Zeit setzte das Unternehmen auch Zwangsarbeiter ein. Am 8. Mai 1945 wurde das Firmengebäude von Lange bei einem sowjetischen Luftangriff nahezu vollständig zerstört.

Nach dem Krieg wurde die ursprüngliche Firma A. Lange & Söhne von den sowjetischen Besatzungsbehörden verstaatlicht und hörte 1948 auf zu existieren, wobei sie in den VEB Glashütter Uhrenbetriebe überging. Erst 1990, nach der deutschen Wiedervereinigung, wurde das Unternehmen von Walter Lange, dem Urenkel des Gründers Ferdinand Adolph Lange, neu gegründet.

Die originalen Produktionsunterlagen und Versandbücher der Kriegszeit werden im Deutschen Uhrenmuseum Glashütte aufbewahrt, das Echtheitszertifikate ausstellen kann. Das vorliegende Exemplar erhielt im Jahr 2002 ein Zertifikat von Reinhard Reichel, dem Experten des Glashütter Uhrenmuseums. Die Uhr wurde fachmännisch restauriert, wobei die Winkelhebelfeder und der Zeigerstellhebel gegen Originalteile ersetzt, der Lack des Gehäusemittelteils erneuert und die Unruhewelle nachgefertigt wurden. Sie ist voll funktionsfähig und befindet sich in gutem Zustand.

Aufgrund ihrer extremen Seltenheit sind erhaltene Exemplare der Waffen-SS Beobachtungsuhr M-B bei Sammlern militärischer Uhrmacherei höchst begehrt und stellen eines der bedeutendsten Sammelstücke in diesem Spezialgebiet dar.

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