Zaristisches Russland Verleihungsdokument zum St. Anna-Orden 3. Klasse

1908, an den königlichen Architekten Karl Liman, geprägtes Siegel der Ordenskanzlei. Zustand 2
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550,00

Zaristisches Russland Verleihungsdokument zum St. Anna-Orden 3. Klasse

Das Verleihungsdokument zum St. Anna-Orden 3. Klasse aus dem Jahr 1908 repräsentiert ein bedeutendes Zeugnis des zaristischen Auszeichnungswesens im späten Russischen Kaiserreich. Dieses Dokument wurde an den königlichen Architekten Karl Liman verliehen und trägt das geprägte Siegel der Ordenskanzlei, was seine Authentizität und offizielle Herkunft unterstreicht.

Der Kaiserliche Orden der Heiligen Anna wurde ursprünglich 1735 vom Herzog Karl Friedrich von Holstein-Gottorp zum Gedenken an seine verstorbene Gemahlin Anna Petrowna, der Tochter Peters des Großen, gestiftet. Nach der Thronbesteigung seines Sohnes als Zar Paul I. im Jahr 1796 wurde der Orden in das offizielle russische Ordenssystem integriert und zu einer der bedeutendsten Auszeichnungen des Zaristischen Russlands.

Die 3. Klasse des St. Anna-Ordens wurde gemäß den Statuten von 1829 für besondere Verdienste im zivilen und militärischen Dienst verliehen. Diese Klasse wurde als Kreuz am Halsband getragen und stellte eine wichtige Anerkennung für mittlere Beamte, Offiziere und Fachleute dar, die dem Reich außerordentliche Dienste geleistet hatten. Die Verleihung an Ausländer, insbesondere an Fachkräfte aus Deutschland, war im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert keine Seltenheit, da das Zarenreich eng mit deutschen Staaten verbunden war.

Das Jahr 1908 markiert eine interessante Periode in der russischen Geschichte. Zar Nikolaus II. regierte seit 1894, und das Reich befand sich in einer Phase der Modernisierung nach der Revolution von 1905 und dem verlorenen Russisch-Japanischen Krieg. Die Verleihung von Orden an ausländische Experten spiegelte die Bemühungen des Zarenreichs wider, westliche Fachkenntnisse für den Aufbau und die Modernisierung des Landes zu nutzen.

Die Erwähnung von Karl Liman als königlichem Architekten deutet auf seine bedeutende Rolle im Baugewerbe hin. In dieser Zeit waren deutsche Architekten und Ingenieure in Russland hoch angesehen und oft mit wichtigen Bauprojekten betraut. Die Verleihung eines russischen Ordens an einen deutschen Fachmann unterstreicht die engen kulturellen und professionellen Beziehungen zwischen dem Deutschen Kaiserreich und dem Zaristischen Russland vor dem Ersten Weltkrieg.

Das geprägte Siegel der Ordenskanzlei auf dem Dokument ist von besonderer Bedeutung. Die Ordenskanzlei war eine spezialisierte Institution innerhalb der kaiserlichen Verwaltung, die für die Führung der Ordensakten, die Herstellung der Ordensinsignien und die Ausstellung der Verleihungsdokumente zuständig war. Das geprägte Siegel diente als offizielles Authentifizierungsmerkmal und verhinderte Fälschungen. Diese Siegel zeigten typischerweise das kaiserliche Wappen oder spezifische Ordenssymbole.

Die Verleihungsdokumente selbst waren kunstvoll gestaltete Urkunden, oft auf schwerem Papier oder Pergament gedruckt, mit kalligraphischen Elementen und dekorativen Bordüren. Sie enthielten den Namen des Empfängers, den Grund der Verleihung, das Datum und die Unterschrift des Zaren oder eines bevollmächtigten Beamten. Diese Dokumente waren nicht nur bürokratische Nachweise, sondern auch prestigeträchtige Erinnerungsstücke, die von den Empfängern und ihren Familien hoch geschätzt wurden.

Der St. Anna-Orden 3. Klasse bestand aus einem roten emaillierten Kreuz mit goldenen Rändern, das das Monogramm “AIPF” (Anna Imperatrix Petri Filia - Anna, Kaiserin, Tochter Peters) trug. Das Kreuz wurde an einem roten Band mit gelben Rändern getragen. Die Insignien wurden in den kaiserlichen Werkstätten hergestellt, oft von renommierten Goldschmieden und Juwelieren wie Eduard oder Carl Fabergé.

Nach der Oktoberrevolution 1917 und dem Sturz der Romanow-Dynastie wurden alle zaristischen Orden abgeschafft. Die Bolschewiki betrachteten das alte Ordenssystem als Symbol der verhassten Monarchie und des Klassenunterschieds. Viele Ordensträger versuchten, ihre Auszeichnungen und Dokumente zu verstecken oder außer Landes zu bringen. Dies macht erhaltene Verleihungsdokumente heute zu wertvollen historischen Artefakten.

Der Sammlerwert solcher Dokumente hängt von mehreren Faktoren ab: dem Erhaltungszustand, der Vollständigkeit, dem historischen Kontext der Verleihung und der Bedeutung des Empfängers. Ein Dokument aus dem Jahr 1908 in gutem Zustand mit dem originalen geprägten Siegel ist ein seltenes und geschätztes Sammlerstück. Der angegebene “Zustand 2” deutet auf einen sehr guten Erhaltungszustand mit minimalen Gebrauchsspuren hin.

Heute sind solche Dokumente wichtige Quellen für die Erforschung der russischen Sozial- und Verwaltungsgeschichte, der deutsch-russischen Beziehungen und der Biographien von Personen, die im Zarenreich tätig waren. Sie bezeugen ein versunkenes Zeitalter europäischer Monarchien und deren komplexe diplomatische und kulturelle Verflechtungen vor dem Ersten Weltkrieg.

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