Zaristisches Rußland St. Anna Orden Satz 1. Klasse Kreuz und Bruststern

Es handelt sich um eine russische Fertigung, um 1870. Das Kreuz in Gold mit schwarzer Emaillierung, dünne flache Kreuzarme, das Medaillon beidseitig fein gemalt, der Medaillonring der Vorderseite ziseliert. Breite 48mm. Die Bandöse punziert Gold "56" und Hersteller "WK" für Wilhelm Keibel, St. Petersburg. Der Bruststern Silber brillantiert, das Medaillon emailliert mit gemalter Ordensdevise, das Zentrum Gold, an Nadel. Dazu altes Seidenschärpestück, feine Seide, etwas verblichen. Nur leicht getragen, eine besonders feine Qualität in sehr schöner Erhaltung!

Der Kaiserlich-russische Orden der Heiligen Anna (russisch Орденъ Святой Анны/ Orden Swjatoi Anny) war ursprünglich als St.-Annen-Orden ein Hausorden und Verdienstorden der Dynastie Holstein-Gottorp, der in das russische Ordenssystem einverleibt wurde. Der Orden wurde am 14. Februar 1735 von Herzog Karl Friedrich von Schleswig-Holstein-Gottorp zu Kiel gestiftet. Der Orden war als Andenken an die verstorbene Zaritza Anna gedacht und zu Ehren seiner eigenen Gemahlin Anna Petrowna, Tochter Peter I. gegründet. Ursprünglich hatte der Orden nur eine Klasse und durfte höchstens 15 Mitglieder haben. Die kinderlose Kaiserin Elisabeth I. ernannte 1743 den späteren Peter III., den Sohn des obigen Ehepaares, zum Zarewitsch, so dass der Großmeister des Annaordens nach Russland übersiedelte, während der Orden schleswig-holsteinisch verblieb. Während der Regierung Katharina II. hatte der Orden überhaupt keine nationale Zugehörigkeit, da Peter III. auf die holsteinische Herzogswürde zugunsten einer anderen Linie des Geschlechts verzichtete, als Hausorden wurde er jedoch von Zarewitsch Paul (Paul I.) in nicht unbedeutenden Mengen verliehen. Im Jahre 1797 wurde dann der St. Anna Orden von Paul I. als dreiklassiger Verdienstorden in das russische System aufgenommen. Die dritte Klasse war ein reiner Kriegsverdienstorden und wurde nur als Miniatur am Degenknauf getragen. Kaiser Alexander I. schuf 1815 eine vierte Klasse des Ordens, die am Degenknauf getragen wurde, so dass die 3. Klasse den Charakter einer Brustdekoration bekam. Das Insigne des Annaordens war ein rot emailliertes Tatzenkreuz mit goldener Einfassung (ab 1828, bis zu diesem Jahre behielt der Orden sein holsteinisches Aussehen mit farbigem rotem Glas statt Emaillierung). Im Mittelschilde des Averses befand sich das in Emaillemalerei ausgeführtes Bild der Heiligen Anna mit einem Kreuz in der Hand, im Revers zeigte das Mittenmedaillon die verschlungene Namenschiffre der Heiligen. Aus den Winkeln des Ordenskreuzes gingen goldene Flammen hervor. Der Orden konnte ab 1828 mit Krone verliehen werden (nur 1. und 2. Klasse); es war eine emaillierte russische Kaiserkrone, die über dem Kreuz hing. 1874 wurde die Auszeichnung mit Krone abgeschafft und gleichzeitig die mit Schwertern eingeführt. Die goldenen Schwerter waren den Flammen in den Kreuzwinkeln unterlegt. Der Annaorden 1. und 2. Klasse konnte auch mit Brillanten verliehen werden. Nichtchristen bekamen den Orden mit dem Zarenadler statt der Heiligenfigur im Mittenmedaillon des Kreuzes. Das Ordensband war rot mit beiderseitigen einfachen gelben Streifen. Das Großkreuz wurde an einer Schärpe von der linken Schulter zur rechten Hüfte, der Stern der 1. und 2. Klasse auf der rechten Brust getragen. Der silberne Bruststern des Ordens war achtstrahlig, im Mittenmedaillon hatte er das Ordenskreuz, das von einem Band mit der verkürzten ursprünglichen Ordensdevise „Amantibus Iustitiam, Pietatem, Fidem“ (= Denen, die Gerechtigkeit, Frömmigkeit und Glauben lieben) umgeben war. Bei Dekorationen mit Krone saß sie über dem Mittenmedaillon, bei denen mit Schwertern waren die gekreuzten Schwerter dem Mittenmedaillon unterlegt. Gleichzeitig mit der Übernahme des Annaordens in das russische System stiftete Paul I. das „Ehrenzeichen der Heiligen Anna“ („Знакъ отличия св. Анны“), eine kleine vergoldete Medaille mit dem Ordenskreuz in ihrer Mitte und der Verleihungsnummer im Revers, die für Unteroffiziere und Soldaten für 20 Jahre Dienst vorgesehen war. Seit der Oktoberrevolution wurden der Orden und das Ehrenzeichen nicht mehr verliehen.
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18.500,00

Zaristisches Rußland St. Anna Orden Satz 1. Klasse Kreuz und Bruststern

Der Kaiserlich-russische Orden der Heiligen Anna (russisch Орден Святой Анны) gehört zu den bedeutendsten dynastischen Auszeichnungen des Zarenreiches und repräsentiert eine faszinierende Verbindung zwischen deutschen und russischen Adelstraditionen. Der vorliegende Satz der 1. Klasse aus der Zeit um 1870 verkörpert die höchste Stufe dieser prestigeträchtigen Auszeichnung und demonstriert die exquisite Goldschmiedekunst St. Petersburgs im 19. Jahrhundert.

Die Geschichte des Ordens beginnt am 14. Februar 1735, als Herzog Karl Friedrich von Schleswig-Holstein-Gottorp die Auszeichnung in Kiel stiftete. Der Orden war als liebevolles Andenken an seine verstorbene Schwiegermutter, die Zaritza Anna Iwanowna, und als Ehrung seiner eigenen Gemahlin Anna Petrowna, der Tochter Peters des Großen, gedacht. Ursprünglich als exklusiver Hausorden mit höchstens 15 Mitgliedern konzipiert, sollte der St.-Annen-Orden zunächst ein rein schleswig-holsteinischer Verdienstorden bleiben.

Die Überführung des Ordens nach Russland erfolgte 1743, als die kinderlose Kaiserin Elisabeth I. den späteren Peter III., Sohn des Stifterpaares, zum Zarewitsch ernannte. Der Großmeister des Annaordens siedelte damit nach Sankt Petersburg über, während der Orden formal noch als schleswig-holsteinisch galt. Unter der Regierung Katharinas II. befand sich der Orden in einem eigenartigen Schwebezustand ohne klare nationale Zugehörigkeit, da Peter III. auf die holsteinische Herzogswürde zugunsten einer anderen Linie verzichtet hatte.

Die entscheidende Transformation erfolgte im Jahre 1797, als Zar Paul I. den St.-Anna-Orden offiziell in das russische Ordenssystem aufnahm und als dreiklassigen Verdienstorden reformierte. Diese Neugestaltung spiegelte Pauls Bestreben wider, das russische Auszeichnungswesen nach westeuropäischem Vorbild zu systematisieren. Kaiser Alexander I. erweiterte 1815 das System um eine vierte Klasse, wodurch die bisherige dritte Klasse ihren Charakter als reine Kriegsauszeichnung verlor und zur Brustdekoration wurde.

Das vorliegende Exemplar aus der Zeit um 1870 zeigt das charakteristische rot emaillierte Tatzenkreuz mit goldener Einfassung, wie es ab 1828 Standard wurde. Zuvor hatte der Orden noch sein holsteinisches Aussehen mit farbigem rotem Glas statt Emaillierung bewahrt. Das Mittelmedaillon des Avers zeigt die in feiner Emaillemalerei ausgeführte Darstellung der Heiligen Anna mit einem Kreuz in der Hand, während das Revers die verschlungene Namenschiffre der Heiligen präsentiert. Aus den Winkeln des Ordenskreuzes gehen die charakteristischen goldenen Flammen hervor.

Die Punzierung "56" auf der Bandöse kennzeichnet den russischen Goldstandard von 56 Zolotniki (entsprechend etwa 583/1000 Feingehalt). Die Herstellermarke "WK" für Wilhelm Keibel aus St. Petersburg bezeugt die Provenienz einer der renommiertesten Goldschmiedewerkstätten der Kaiserstadt. Die Firma Keibel gehörte zu den privilegierten Hoflieferanten und fertigte Ordensinsignien in höchster Qualität.

Der zugehörige Bruststern aus brillantiertem Silber verkörpert die achtstrahlige Form, die für die erste Klasse vorgeschrieben war. Das emaillierte Mittenmedaillon trägt die verkürzte ursprüngliche Ordensdevise "Amantibus Iustitiam, Pietatem, Fidem" (Denen, die Gerechtigkeit, Frömmigkeit und Glauben lieben). Diese lateinische Inschrift verweist auf die ursprüngliche holsteinische Herkunft des Ordens und seine christlich-ritterlichen Ideale.

Die Trageweise der ersten Klasse war streng geregelt: Das Kreuz wurde an einer roten Schärpe mit beiderseitigen gelben Streifen von der linken Schulter zur rechten Hüfte getragen, während der Stern auf der rechten Brust zu platzieren war. Diese asymmetrische Anordnung unterschied sich bewusst von anderen Orden und machte den St.-Anna-Orden sofort erkennbar.

Ab 1828 konnte der Orden mit Krone verliehen werden, eine emaillierte russische Kaiserkrone, die über dem Kreuz hing. Im Jahr 1874 wurde diese Variante abgeschafft und gleichzeitig die Verleihung mit Schwertern eingeführt, wobei die goldenen Schwerter den Flammen in den Kreuzwinkeln unterlegt wurden. Zudem existierte die Möglichkeit, die erste und zweite Klasse mit Brillanten zu verleihen, was den Wert und das Prestige der Auszeichnung zusätzlich steigerte. Für nichtchristliche Empfänger wurde das Medaillon mit dem Zarenadler statt der Heiligenfigur versehen.

Der St.-Anna-Orden wurde für herausragende zivile und militärische Verdienste verliehen und rangierte in der Hierarchie der russischen Orden zwischen dem Alexander-Newski-Orden und dem Weißen-Adler-Orden. Die erste Klasse blieb höchsten Staatsbeamten, Generälen und Persönlichkeiten von besonderer Bedeutung vorbehalten.

Mit der Oktoberrevolution 1917 endete die Geschichte des St.-Anna-Ordens als aktive Auszeichnung. Die Bolschewiki schafften das gesamte zaristische Ordenssystem ab und ersetzten es durch sowjetische Auszeichnungen. Heute sind originale Ordenssätze der ersten Klasse aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts begehrte Sammlerstücke, die nicht nur materiellen, sondern vor allem historischen Wert besitzen und ein bedeutendes Kapitel europäisch-russischer Adelsgeschichte dokumentieren.