Deutschland Labe-/Marketender-Flasche

Um 1800. 32.5 cm hohe, birnenförmige Holzflasche mit Eisenbeschlägen und eiserner Tragekette. Auf der Unterseite eingeritzt «5[?]», seitlich «ATI»Die Fuge zwischen seitlichen und äußeren Holzelementen mit Wachs versiegelt. Zustand 2.
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180,00

Deutschland Labe-/Marketender-Flasche

Die vorliegende Labe- oder Marketenderflasche aus Holz stellt ein charakteristisches Beispiel militärischer Versorgungsutensilien aus der Zeit um 1800 dar. Mit ihrer birnenförmigen Form, den Eisenbeschlägen und der eisernen Tragekette verkörpert sie die praktische Feldausrüstung europäischer Armeen während der Koalitionskriege und der napoleonischen Ära.

Historischer Kontext und Verwendung

Um 1800 befand sich Europa in einer Phase intensiver militärischer Auseinandersetzungen. Die Französische Revolution und die anschließenden Napoleonischen Kriege (1799-1815) führten zu einer grundlegenden Reorganisation der Heere und ihrer Versorgungssysteme. In diesem Kontext spielten Marketender eine unverzichtbare Rolle für die Versorgung der Truppen mit Lebensmitteln, Getränken und anderen Bedarfsartikeln.

Der Begriff “Labe” stammt vom mittelhochdeutschen Wort für “Erquickung” oder “Stärkung” und bezeichnete insbesondere die Versorgung verwundeter oder erschöpfter Soldaten mit Flüssigkeiten. Labeflaschen wurden sowohl von Marketendern als auch von Feldscherern und Sanitätspersonal mitgeführt.

Konstruktion und Material

Die Holzkonstruktion solcher Flaschen war der Materialnot und den praktischen Anforderungen der Zeit geschuldet. Holz war im Vergleich zu Glas oder Keramik wesentlich bruchsicherer und leichter zu beschaffen. Die birnenförmige Gestaltung mit einer Höhe von 32,5 cm entsprach einem gängigen Fassungsvermögen von etwa einem bis eineinhalb Litern, was für die Versorgung mehrerer Personen oder für den längeren Eigengebrauch ausreichend war.

Die Eisenbeschläge dienten mehreren Zwecken: Sie verstärkten die strukturell anfälligen Stellen des Holzkörpers, sicherten den Verschluss und ermöglichten die Befestigung der Tragekette. Die Versiegelung der Fugen mit Wachs war eine bewährte Methode, um die Flüssigkeitsdichtigkeit zu gewährleisten. Diese Technik wurde seit Jahrhunderten bei Holzgefäßen angewendet und war besonders bei militärischen Feldflaschen verbreitet.

Markierungen und Kennzeichnungen

Die eingeritzten Markierungen “5[?]” auf der Unterseite und “ATI” seitlich sind typisch für militärische Ausrüstungsgegenstände dieser Epoche. Solche Kennzeichnungen dienten der Inventarisierung und der Zuordnung zu bestimmten Einheiten, Kompanien oder auch einzelnen Marketendern. Nummerierungen waren in den preußischen, österreichischen und anderen deutschen Armeen üblich, um die Ausrüstung zu verwalten und Verluste zu dokumentieren.

Das Marketenderwesen um 1800

Das Marketenderwesen hatte in den europäischen Armeen eine lange Tradition. Marketender waren zivile Händler, die mit der Armee zogen und den Soldaten Waren verkauften, die über die reguläre Versorgung hinausgingen. In den deutschen Staaten wurden Marketender durch spezielle Reglements geregelt. Das preußische Militärreglement von 1743 und spätere Ergänzungen definierten genau, welche Waren zu welchen Preisen verkauft werden durften.

Marketender führten häufig Branntwein, Bier, Wein sowie einfache Nahrungsmittel mit sich. Die Lageflaschen dienten dabei als Transportbehälter und Verkaufsgefäße. Die robuste Bauweise war notwendig, da diese Flaschen die Strapazen von Märschen, Transporten auf Fuhrwerken und den harten Bedingungen des Feldlebens überstehen mussten.

Medizinische Verwendung

Neben der kommerziellen Nutzung durch Marketender hatten solche Flaschen auch eine medizinische Funktion. Feldschere und Chirurgen verwendeten ähnliche Behältnisse für medizinischen Alkohol, der zur Wunddesinfektion, aber auch zur Stärkung verwundeter Soldaten eingesetzt wurde. Die Labestation war ein fester Bestandteil der Versorgung verwundeter Soldaten auf dem Schlachtfeld.

Vergleichbare Objekte und Sammlungen

Ähnliche Marketenderflaschen aus Holz befinden sich in verschiedenen militärhistorischen Sammlungen, darunter das Bayerische Armeemuseum in Ingolstadt, das Militärhistorische Museum in Dresden und das Heeresgeschichtliche Museum in Wien. Diese Institutionen bewahren umfangreiche Bestände an Ausrüstungsgegenständen aus der napoleonischen Zeit.

Erhaltungszustand und Bedeutung

Der angegebene Zustand 2 deutet auf eine gut erhaltene, authentische Flasche mit leichten Gebrauchsspuren hin. Die Erhaltung von Holzflaschen über mehr als zwei Jahrhunderte ist bemerkenswert, da das Material anfällig für Feuchtigkeit, Schädlinge und mechanische Beschädigung ist. Das Vorhandensein der originalen Eisenbeschläge und der Tragekette erhöht den historischen und sammlerischen Wert erheblich.

Solche Objekte sind wichtige Sachzeugen der Militärgeschichte und vermitteln einen unmittelbaren Eindruck von den Lebensbedingungen und der materiellen Kultur von Soldaten und Marketendern um 1800. Sie dokumentieren die pragmatischen Lösungen, die in einer Zeit entwickelt wurden, als Armeen oft monatelang im Feld operieren mussten und auf eine funktionierende Nachschuborganisation angewiesen waren.