1.Weltkrieg Offiziersseitengewehr mit Klingengravur.

Ausführung mit kurzer Karabinerklinge, die Spitze bestoßen, die Klinge frontseitig mit "Weltkrieg 1914-18" und rückseitig "K. Schwarz, M. Utff. B.S.K.K." graviert, Herstellerbezeichnung Ritterhelm und König für WKC Solingen, Hirschhorngriffschallen, geschwärztes Stahlgefäß mit intaktem Drucker, die Stahlscheide zeigt noch die Reste des Lackes. Getragen mit  Altersspuren. Zustand 2-
463539
380,00

1.Weltkrieg Offiziersseitengewehr mit Klingengravur.

Das Offiziersseitengewehr des Ersten Weltkriegs repräsentiert eine bedeutende Kategorie militärischer Blankwaffen, die im Deutschen Kaiserreich zwischen 1914 und 1918 von Offizieren der verschiedenen Waffengattungen getragen wurden. Diese Waffen dienten nicht nur als praktische Kampfmittel, sondern auch als Rangabzeichen und Symbole militärischer Autorität.

Die hier vorliegende Karabinerklinge stellt eine kürzere Variante der Offiziersblankwaffen dar, die besonders bei berittenen Truppen, Artilleristen und technischen Einheiten Verwendung fand. Die kompaktere Bauweise ermöglichte ein bequemeres Tragen in beengten Räumen wie Fahrzeugen, Geschützbedienungen oder beim Reiten. Die Klingenlänge solcher Karabinervarianten betrug typischerweise zwischen 45 und 55 Zentimetern, während reguläre Infanterieoffiziersdegen längere Klingen von 70-80 Zentimetern aufwiesen.

Der Hersteller WKC (Weyersberg, Kirschbaum & Co.) aus Solingen gehörte zu den renommiertesten Produzenten militärischer Blankwaffen im Deutschen Reich. Die Firma, die aus der Fusion mehrerer traditionsreicher Solinger Klingenschmieden hervorging, belieferte sowohl die preußische Armee als auch andere deutsche Staaten und ausländische Streitkräfte. Die charakteristische Herstellermarke mit Ritterhelm und der Bezeichnung “König” kennzeichnet WKC-Produkte dieser Periode und steht für die hohe Qualität Solinger Stahlwarenkunst.

Die Gravur “Weltkrieg 1914-18” wurde offensichtlich nach Kriegsende angebracht, da sie das Enddatum des Konflikts einschließt. Solche nachträglichen Gravuren waren eine verbreitete Praxis unter Veteranen, die ihre Waffen als persönliche Erinnerungsstücke an ihre Dienstzeit behalten hatten. Die Personalisierung mit Namen und militärischen Abkürzungen war ebenfalls üblich und half, die Waffe eindeutig ihrem Träger zuzuordnen.

Die Inschrift “K. Schwarz, M. Utff. B.S.K.K.” identifiziert den ursprünglichen Besitzer und gibt Hinweise auf seine militärische Verwendung. Die Abkürzungen könnten auf spezifische Einheiten oder Dienststellungen hinweisen, wobei solche Kürzel im militärischen Kontext des Kaiserreichs vielfältig waren und verschiedene Truppengattungen, Ausbildungseinrichtungen oder Verwaltungsstrukturen bezeichnen konnten.

Das Hirschhorn als Griffmaterial war bei deutschen Offiziersseitengewehren sehr beliebt. Es bot eine ausgezeichnete Haptik, war rutschfest auch bei Nässe und galt als traditionelles Material für hochwertige Blankwaffen. Die Griffschalen wurden üblicherweise mit Messingnieten am Griffdorn befestigt. Das geschwärzte Stahlgefäß mit seinem intakten Drücker (Parierstange) entspricht den typischen Konstruktionsmerkmalen deutscher Militärblankwaffen dieser Epoche.

Die Stahlscheide mit Lackresten zeigt die ursprüngliche Oberflächenbehandlung, die dem Korrosionsschutz diente. Solche Scheiden waren meist feldgrau oder schwarz lackiert, um im Feldeinsatz weniger aufzufallen und die Metallteile vor Witterungseinflüssen zu schützen. Das Tragesystem bestand typischerweise aus Lederfröschen mit Schieberingen, die am Offiziersgürtel befestigt wurden.

Während des Ersten Weltkriegs veränderte sich die praktische Bedeutung von Blankwaffen grundlegend. In den Materialschlachten an der Westfront und den ausgedehnten Grabenkämpfen spielten Seitengewehre als Kampfwaffen nur noch eine untergeordnete Rolle. Moderne Feuerwaffen, Maschinengewehre, Artillerie und später auch Giftgas dominierten das Schlachtfeld. Dennoch behielten Offiziersseitengewehre ihre Bedeutung als Rangabzeichen und wurden von Offizieren als Teil der Uniform getragen.

Nach dem Kriegsende und der Auflösung der kaiserlichen Armee durch den Versailler Vertrag von 1919 verblieben viele solcher Waffen im Privatbesitz ehemaliger Offiziere. Sie wurden zu geschätzten Erinnerungsstücken und Familienerbstücken, die an den Militärdienst und die dramatischen Ereignisse des Ersten Weltkriegs erinnerten. Die nachträgliche Gravur mit dem vollständigen Kriegszeitraum unterstreicht diesen Gedenkcharakter.

Heute stellen solche Offiziersseitengewehre wichtige militärhistorische Artefakte dar, die Einblicke in die Uniformierung, Bewaffnung und militärische Kultur des Deutschen Kaiserreichs gewähren. Sie dokumentieren nicht nur handwerkliche Fertigkeiten der Solinger Waffenschmieden, sondern auch soziale Aspekte wie das Offizierskorps, militärische Traditionen und die persönliche Erinnerungskultur nach dem Krieg. Als Sammlerstücke sind sie von erheblichem kulturhistorischem Wert und tragen zum Verständnis dieser prägenden Epoche der deutschen und europäischen Geschichte bei.