Oldenburg Portepee für Offiziere

um 1840. Goldenes Band mit blau/rot/blauem Mittelstreifen, goldene Eichel und Krone, der Stengel, der Schieber und die Füllung in rot/blau. Das gesamte Portepee in schwarzem Trauerflor eingenäht anlässlich des Todes des Großherzogs August I. im Jahr 1853. Getragen, Zustand 2. Sehr selten.
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450,00

Oldenburg Portepee für Offiziere

Das vorliegende Offiziers-Portepee aus dem Großherzogtum Oldenburg stellt ein außergewöhnliches Zeugnis militärischer Trauerkultur des 19. Jahrhunderts dar. Entstanden um 1840, erlangte dieses Stück seine besondere historische Bedeutung durch die nachträgliche Einhüllung in schwarzen Trauerflor anlässlich des Todes von Großherzog Paul Friedrich August von Oldenburg (August I.) im Jahr 1853.

Das Portepee, ursprünglich eine praktische Handgelenkschlaufe zur Sicherung des Säbels oder Degens, entwickelte sich im Laufe des 18. und 19. Jahrhunderts zu einem bedeutenden Rangabzeichen im deutschen Militärwesen. Für Offiziere war das Portepee nicht nur funktionales Zubehör, sondern vor allem Standeszeichen, das den Träger eindeutig als Angehörigen des Offizierskorps auswies. Die Gestaltung, Materialwahl und Farbgebung folgten dabei strikten landesherrlichen Verordnungen und ermöglichten die präzise Identifikation der Zugehörigkeit zu einem bestimmten Regiment oder einer Waffengattung.

Im Großherzogtum Oldenburg, einem der kleineren deutschen Bundesstaaten, der bis 1918 Bestand hatte, spielten militärische Traditionen trotz der bescheidenen Größe der Streitkräfte eine wichtige Rolle. Die oldenburgische Armee umfasste im 19. Jahrhundert lediglich wenige Regimenter, was Objekte wie dieses Portepee umso seltener und bedeutsamer macht. Die Farbkombination Gold mit blau-rot-blauem Mittelstreifen entsprach den oldenburgischen Landesfarben und diente der unmittelbaren Identifikation.

Die technische Ausführung des Portepees zeigt die hohe handwerkliche Kunstfertigkeit der damaligen Zeit. Das goldene Band, vermutlich aus vergoldeten Metallfäden oder Goldbouillon gefertigt, wurde mit aufwendiger Flechtarbeit hergestellt. Die goldene Eichel als unterer Abschluss und die Krone als monarchisches Symbol unterstreichen den repräsentativen Charakter. Der Stengel (die Verbindung zwischen Band und Eichel), der Schieber (das verstellbare Element zur Anpassung der Schlaufengröße) und die Füllung in den Farben Rot und Blau vervollständigen die komplexe Konstruktion.

Die außergewöhnliche historische Bedeutung dieses Stückes liegt in der Trauerflor-Einhüllung von 1853. Großherzog Paul Friedrich August (1783-1853) regierte Oldenburg von 1829 bis zu seinem Tod. Sein Ableben markierte einen bedeutenden Einschnitt in der oldenburgischen Geschichte. Die Sitte, militärische Insignien und Ausrüstungsgegenstände während der Trauerzeit in schwarzen Flor zu hüllen, war im 19. Jahrhundert bei deutschen Fürstenhäusern weit verbreitet. Diese Praxis demonstrierte die enge Verbindung zwischen Landesherr und Armee sowie die persönliche Trauer der Offiziere um ihren obersten Kriegsherrn.

Der schwarze Trauerflor wurde dabei sorgfältig um das gesamte Portepee genäht, wobei die charakteristischen Merkmale noch erkennbar blieben. Diese Form der Trauerbekundung war zeitlich befristet und dauerte üblicherweise mehrere Monate bis zu einem Jahr. Dass dieses Portepee bis heute im Trauerzustand erhalten blieb, macht es zu einem einzigartigen historischen Dokument. Die meisten derartigen Objekte wurden nach Ablauf der Trauerzeit wieder von ihrem Flor befreit und weiterverwendet.

Die Seltenheit solcher Stücke erklärt sich aus mehreren Faktoren: Erstens war das Großherzogtum Oldenburg ein kleiner Staat mit entsprechend wenigen Offizieren. Zweitens überdauerten nur wenige Portepees die politischen und militärischen Umbrüche des 19. und 20. Jahrhunderts. Drittens ist die Erhaltung im Trauerzustand außerordentlich ungewöhnlich. Die Zustandsbezeichnung “2” (gut bis sehr gut) deutet darauf hin, dass das Objekt zwar Gebrauchsspuren aufweist, aber weitgehend intakt und in seiner Originalität erhalten ist.

Aus militärhistorischer Perspektive dokumentiert dieses Portepee mehrere wichtige Aspekte: die Uniformierungsvorschriften kleinerer deutscher Staaten, die handwerkliche Qualität militärischer Ausstattungsgegenstände der Biedermeier-Zeit, die enge Verbindung zwischen Monarchie und Militär sowie die spezifischen Trauerrituale im Offizierskorps des 19. Jahrhunderts. Für Sammler und Museen stellt ein solches Objekt einen bedeutenden Beleg oldenburgischer Militärgeschichte dar und ergänzt das Verständnis für die komplexen sozialen und kulturellen Codes, die das Militärwesen dieser Epoche prägten.