Julius Streicher - Reichstagung in Nürnberg 1935 ( Reichsparteitag 1935 - Der Parteitag der Freiheit )

Berlin, Verlag Weller, 1936, Ganzleineneinband, Großformat, 446 Seiten, mit Abbildungen, Einband fleckig und innen stockfleckig sonst Zustand 2.
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180,00

Julius Streicher - Reichstagung in Nürnberg 1935 ( Reichsparteitag 1935 - Der Parteitag der Freiheit )

Das vorliegende Werk stellt ein bedeutendes, wenn auch zutiefst problematisches Dokument der nationalsozialistischen Propagandaliteratur dar. Der Band dokumentiert den Reichsparteitag 1935, der als “Parteitag der Freiheit” in die Geschichte eingegangen ist und vom 10. bis 16. September 1935 in Nürnberg stattfand.

Julius Streicher (1885-1946) war einer der radikalsten und bekanntesten Antisemiten des nationalsozialistischen Regimes. Als Gauleiter von Franken und Herausgeber der berüchtigten antisemitischen Zeitung “Der Stürmer” spielte er eine zentrale Rolle in der Verbreitung antisemitischer Propaganda. Seine Position als einer der engsten Vertrauten Adolf Hitlers in den frühen Jahren der NSDAP verschaffte ihm erheblichen Einfluss innerhalb der Partei, obwohl seine extremen Ansichten und sein skandalöses Verhalten selbst innerhalb der NS-Führung umstritten waren.

Der Reichsparteitag 1935 markierte einen Wendepunkt in der Geschichte des nationalsozialistischen Deutschland. Während dieser Veranstaltung wurden die berüchtigten Nürnberger Gesetze verkündet – das “Reichsbürgergesetz” und das “Gesetz zum Schutze des deutschen Blutes und der deutschen Ehre”. Diese Gesetze bildeten die rechtliche Grundlage für die systematische Diskriminierung und Verfolgung der jüdischen Bevölkerung im Deutschen Reich und markierten einen entscheidenden Schritt auf dem Weg zum Holocaust.

Die Bezeichnung “Parteitag der Freiheit” bezog sich propagandistisch auf die ein Jahr zuvor erfolgte Wiedereinführung der allgemeinen Wehrpflicht und die damit einhergehende Aufhebung der militärischen Beschränkungen des Versailler Vertrags. Die Nationalsozialisten inszenierten diese Verletzung internationaler Vereinbarungen als nationale Befreiung.

Der Verlag Weller in Berlin war einer von mehreren Verlagen, die im Auftrag oder mit Billigung der NSDAP offizielle Dokumentationen der Reichsparteitage produzierten. Diese umfangreichen Bildbände dienten der Verherrlichung des Regimes und der Verbreitung seiner Ideologie. Mit 446 Seiten und zahlreichen Abbildungen gehört dieser Band zu den umfangreicheren Dokumentationen dieser Art. Die Publikation erfolgte 1936, im Jahr nach dem dokumentierten Ereignis, was für diese Art von Propagandawerken typisch war.

Die Reichsparteitage in Nürnberg waren sorgfältig choreographierte Massenveranstaltungen, die mehrere Hunderttausend Teilnehmer anzogen. Sie umfassten militärische Paraden, politische Reden, pseudoreligiöse Rituale und monumentale Inszenierungen. Der Architekt Albert Speer schuf für diese Veranstaltungen imposante Kulissen auf dem eigens errichteten Reichsparteitagsgelände. Die visuelle Dokumentation dieser Ereignisse durch Fotografen und Filmemacher wie Leni Riefenstahl war ein wesentlicher Bestandteil der nationalsozialistischen Propagandastrategie.

Aus historischer Perspektive sind solche Publikationen wichtige Primärquellen für das Verständnis der nationalsozialistischen Selbstdarstellung und Propagandatechniken. Sie dokumentieren die Ästhetik der Macht, die Inszenierung von Massenloyalität und die ideologische Selbstrechtfertigung des Regimes. Gleichzeitig müssen sie als das betrachtet werden, was sie sind: Instrumente einer menschenverachtenden Diktatur.

Julius Streicher wurde nach dem Zweiten Weltkrieg im Nürnberger Prozess gegen die Hauptkriegsverbrecher angeklagt und am 1. Oktober 1946 wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit zum Tode verurteilt. Er wurde am 16. Oktober 1946 hingerichtet. Sein Fall war bemerkenswert, da er als einer der wenigen Angeklagten verurteilt wurde, ohne direkt an militärischen Operationen oder der Verwaltung von Konzentrationslagern beteiligt gewesen zu sein – seine Verurteilung basierte primär auf seiner Rolle als Propagandist des Völkermords.

Heute sind solche Objekte wichtige Zeugnisse einer dunklen Epoche der deutschen Geschichte. Sie werden in wissenschaftlichen Sammlungen, Bibliotheken und Museen aufbewahrt und dienen der historischen Forschung und Bildung. Ihr Handel und ihre Verwendung unterliegen in vielen Ländern, insbesondere in Deutschland, strengen gesetzlichen Regelungen zum Schutz vor der Verherrlichung des Nationalsozialismus.