Rußland Paar Epauletten für einen Major im Chevalier-Garde-Regiment

St. Petersburg, um 1900. Schwere Ausführung, Die Epauletten aus silbernem Waffeltuch mit silbernen Kantillen und Monden, rote Tuchunterlage. Leicht getragen, in gutem Zustand. Sehr selten.
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Rußland Paar Epauletten für einen Major im Chevalier-Garde-Regiment

Die Epauletten eines Majors im Chevalier-Garde-Regiment aus St. Petersburg um 1900 repräsentieren einen Höhepunkt der russischen Militärhandwerkskunst und stehen für eine der prestigeträchtigsten Einheiten des Kaiserlich Russischen Heeres.

Das Chevalier-Garde-Regiment (russisch: Лейб-гвардии Кавалергардский полк) wurde 1724 von Kaiserin Katharina I. gegründet und zählte zu den vier Gardekavallerieregimentern der russischen Armee. Als Leibgarde der Kaiserfamilie genoss das Regiment höchstes Ansehen und war traditionell der Kaiserin besonders verbunden. Die Offiziere stammten ausschließlich aus dem höchsten Adel, und eine Anstellung in diesem Regiment galt als außerordentliche Ehre.

Die hier beschriebenen Epauletten entsprechen der schweren Ausführung, die für Paradeuniformen verwendet wurde. Die Konstruktion aus silbernem Waffeltuch mit silbernen Kantillen und Monden auf roter Tuchunterlage folgte präzisen Vorschriften, die in den russischen Uniformreglementen des späten 19. Jahrhunderts festgelegt waren. Das charakteristische Waffeltuch (russisch: вафельное плетение) bestand aus einem speziell geflochtenen Silberdrahtgewebe, das ein dreidimensionales, wabenartiges Muster erzeugte.

Der Rang eines Majors (russisch: майор) wurde in der russischen Armee durch die spezifische Anordnung der Sterne auf den Epauletten gekennzeichnet. Nach dem Reglement von 1881 und den nachfolgenden Modifikationen trugen Majore zwei Sterne auf ihren Epauletten. Die Sterne wurden dabei auf den charakteristischen Monden (полумесяцы) angebracht, die die Basis der Epaulette bildeten.

Die rote Tuchunterlage war ein wichtiges Distinktionsmerkmal. Für die Kavallerie waren verschiedene Unterlagenfarben vorgeschrieben, die das jeweilige Regiment identifizierten. Das Chevalier-Garde-Regiment führte traditionell rote Distinktionsfarben, die sich auch in anderen Uniformelementen wie Kragenaufschlägen und Lampassen wiederfanden.

Die Fertigung solcher Epauletten erfolgte in spezialisierten Werkstätten in St. Petersburg, wo hochqualifizierte Handwerker die komplizierten Silberarbeiten ausführten. Die Herstellung einer einzigen Epaulette konnte mehrere Wochen dauern. Die verwendeten Materialien waren kostbar: echtes Silber für die Kantillen und das Waffeltuch, feine Wolle für die Unterlage. Diese Qualität erklärt auch den erheblichen Wert, den solche Rangabzeichen für ihre Träger darstellten.

Die Zeit um 1900 war eine Periode relativer Stabilität für die russische Armee, zwischen den Reformen nach dem Krimkrieg und den kommenden Erschütterungen des Russisch-Japanischen Krieges (1904-1905) und der Revolution von 1905. Die Garderegimenter, insbesondere das Chevalier-Garde-Regiment, spielten nicht nur eine militärische Rolle, sondern waren auch wichtige repräsentative Institutionen des Zarenreichs.

Das Regiment nahm an allen wichtigen militärischen Kampagnen des 19. und frühen 20. Jahrhunderts teil, darunter die Napoleonischen Kriege, der Krimkrieg und der Erste Weltkrieg. Die Offiziere des Regiments waren oft in der höfischen Gesellschaft prominent vertreten und übernahmen wichtige diplomatische und administrative Funktionen.

Die Uniform des Chevalier-Garde-Regiments war besonders prächtig. Zur Paradeuniform gehörte ein silberner Kürassier-Kürass, der weiße Uniformrock mit roten Aufschlägen, und die hier beschriebenen silbernen Epauletten. Die Gesamterscheinung sollte die Macht und den Glanz des Russischen Kaiserreichs verkörpern.

Nach der Oktoberrevolution 1917 wurde das Regiment zusammen mit allen anderen Gardeeinheiten aufgelöst. Viele Offiziere emigrierten, und mit ihnen gelangten Uniformteile und Rangabzeichen in westliche Sammlungen. Dies erklärt, warum solche Objekte heute außerhalb Russlands zu finden sind, obwohl sie in ihrer Heimat entstanden.

Die Erhaltung solcher Epauletten ist bemerkenswert, da das Silber anfällig für Oxidation ist und die Textilkomponenten durch Motten und Alterung gefährdet sind. Der beschriebene Zustand “leicht getragen” deutet darauf hin, dass diese Epauletten tatsächlich im Dienst verwendet wurden, was ihren historischen Wert erhöht. Sie sind nicht nur Kunsthandwerk, sondern authentische Zeugnisse militärischer Praxis.

Für Sammler militärhistorischer Objekte stellen Epauletten des Chevalier-Garde-Regiments besonders begehrte Stücke dar, da das Regiment klein war und die Produktion solcher hochwertiger Rangabzeichen entsprechend limitiert. Die Bezeichnung “sehr selten” ist daher durchaus gerechtfertigt und spiegelt die heutige Marktsituation wider.