Kaiserliche Marine Reservistenflasche mit "afrikanischem" Motiv für den Reservisten «Helm. Kramner 1913»

Handbemalte Porzellanflasche in Messingfassung. Komplett mit Deckel und Kordel. Zustand 2.
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320,00

Kaiserliche Marine Reservistenflasche mit "afrikanischem" Motiv für den Reservisten «Helm. Kramner 1913»

Die vorliegende Reservistenflasche der Kaiserlichen Marine aus dem Jahr 1913 mit afrikanischem Motiv repräsentiert ein faszinierendes Kapitel deutscher Militär- und Kolonialgeschichte am Vorabend des Ersten Weltkriegs. Diese handbemalte Porzellanflasche in Messingfassung gehörte dem Reservisten Helm. Kramner und dokumentiert die Tradition der Reservistenabschiedsgeschenke im deutschen Kaiserreich.

Die Kaiserliche Marine erlebte zwischen 1898 und 1914 eine beispiellose Expansion unter der Ägide von Großadmiral Alfred von Tirpitz und Kaiser Wilhelm II. Die Flottengesetze von 1898 und 1900 sahen den Aufbau einer modernen Kriegsflotte vor, die nicht nur europäische Gewässer kontrollieren, sondern auch die deutschen Kolonialgebiete in Afrika, Asien und der Südsee schützen sollte. Marinesoldaten leisteten üblicherweise eine dreijährige aktive Dienstzeit, gefolgt von mehreren Jahren in der Reserve.

Der Brauch, zur Verabschiedung aus dem aktiven Dienst personalisierte Reservistenflaschen oder Reservistenkrüge anzufertigen, etablierte sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts und erreichte seinen Höhepunkt zwischen 1890 und 1914. Diese Erinnerungsstücke wurden von spezialisierten Porzellanmanufakturen und Töpfereien hergestellt, insbesondere in Thüringen, Sachsen und Bayern. Die Objekte waren nicht für den praktischen Gebrauch bestimmt, sondern dienten als Andenken an die Militärzeit und als Statusobjekte im bürgerlichen Haushalt.

Das afrikanische Motiv auf dieser Flasche verweist auf die deutschen Kolonialbestrebungen in Afrika. Zum Zeitpunkt von Kramners Dienstentlassung 1913 unterhielt das Deutsche Reich vier Kolonialgebiete auf dem afrikanischen Kontinent: Deutsch-Ostafrika (heute Tansania, Ruanda und Burundi), Deutsch-Südwestafrika (heute Namibia), Kamerun und Togo. Die Kaiserliche Marine spielte eine zentrale Rolle bei der Durchsetzung und Aufrechterhaltung der deutschen Kolonialherrschaft durch das Kreuzergeschwader und verschiedene Stationierungen wie das Ostasiatische Kreuzergeschwader in Tsingtau.

Marinesoldaten wurden regelmäßig für koloniale Einsätze herangezogen. Sie dienten auf Kreuzern und Kanonenbooten, die die afrikanischen Küsten patrouillierten, beteiligten sich an der Niederschlagung von Aufständen wie dem Maji-Maji-Aufstand (1905-1907) in Deutsch-Ostafrika oder dem Herero-Aufstand (1904-1908) in Deutsch-Südwestafrika. Die Darstellung afrikanischer Motive auf Reservistenflaschen spiegelte oft die romanisierte Wahrnehmung des Kolonialdienstes wider, die im Kaiserreich populär war.

Die künstlerische Gestaltung solcher Flaschen folgte etablierten Konventionen. Typischerweise zeigten sie militärische Symbole wie Anker, Schiffe, Flaggen und Wappen, kombiniert mit persönlichen Informationen über den Soldaten, seine Einheit und Dienstzeit. Die handbemalte Ausführung auf Porzellan erforderte spezialisierte Handwerkskunst. Manufakturen beschäftigten ausgebildete Porzellanmaler, die die Dekore freihändig auftrugen, bevor die Stücke bei hohen Temperaturen gebrannt wurden, um die Farben dauerhaft zu fixieren.

Die Messingfassung mit Deckel und Kordel war charakteristisch für hochwertige Reservistenflaschen. Das Messing bot nicht nur praktischen Schutz für Hals und Öffnung der Flasche, sondern verlieh dem Objekt auch einen militärisch-offiziellen Charakter. Die Kordel ermöglichte das Tragen oder Aufhängen der Flasche und war häufig in den Reichsfarben Schwarz-Weiß-Rot gehalten.

Das Jahr 1913 markiert das letzte Friedensjahr vor dem Ersten Weltkrieg. Die Kaiserliche Marine befand sich auf dem Höhepunkt ihrer Expansion und umfasste die zweitgrößte Kriegsflotte der Welt nach Großbritannien. Die Flottenrüstung hatte maßgeblich zur Verschlechterung der deutsch-britischen Beziehungen beigetragen und war ein Faktor in dem komplexen Bündnissystem, das 1914 zum Kriegsausbruch führte. Reservist Kramner, der 1913 seinen Dienst beendete, wurde wahrscheinlich bei Kriegsausbruch 1914 reaktiviert, wie es bei Millionen deutscher Reservisten der Fall war.

Der Erhaltungszustand 2 dieser Flasche deutet auf eine gute Erhaltung mit minimalen Gebrauchsspuren hin. Die Vollständigkeit mit Originaldeckel und Kordel ist bemerkenswert, da diese Komponenten häufig verloren gingen. Solche Objekte wurden nach 1918 oft versteckt oder entsorgt, da sie mit dem untergegangenen Kaiserreich assoziiert wurden. Überlebende Exemplare sind heute wichtige kulturhistorische Zeugnisse der wilhelminischen Ära und der deutschen Militärgeschichte.

Diese Reservistenflasche dokumentiert die Schnittstelle zwischen persönlicher Militärgeschichte, Kolonialismus und materieller Kultur im Deutschen Kaiserreich und bietet wertvolle Einblicke in die Mentalitätsgeschichte der wilhelminischen Epoche.

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