Preußen Einzel Schulterstück für einen Oberleutnant im Infanterie-Regiment Herzog von Holstein (Holsteinisches) Nr. 85

Standorte Rendsburg/Kiel, um 1910. Weiße Tuchunterlage, zum Einnähen. Getragen, Zustand 2.
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60,00

Preußen Einzel Schulterstück für einen Oberleutnant im Infanterie-Regiment Herzog von Holstein (Holsteinisches) Nr. 85

Das vorliegende Einzelschulterstück für einen Oberleutnant des Infanterie-Regiments Herzog von Holstein (Holsteinisches) Nr. 85 repräsentiert ein bedeutendes Zeugnis der preußischen Militärgeschichte im späten Kaiserreich. Dieses Regiment, mit Standorten in Rendsburg und Kiel, war ein integraler Bestandteil der schleswig-holsteinischen Militärtradition und der preußischen Armee.

Das Infanterie-Regiment Nr. 85 wurde am 1. Oktober 1866 als unmittelbare Folge des Deutschen Krieges und der preußischen Heeresreform aufgestellt. Nach der Annexion Schleswig-Holsteins durch Preußen 1867 erhielt das Regiment den Ehrennamen “Herzog von Holstein”, eine Bezeichnung, die die historische Verbindung zur holsteinischen Herrscherlinie würdigte. Das Regiment gehörte zum IX. Armee-Korps und war in der Garnisonsstadt Rendsburg stationiert, später kam Kiel als weiterer Standort hinzu.

Die Schulterstücke (auch Achselstücke oder Epauletten genannt) waren wesentliche Bestandteile der preußischen Uniformierung und dienten mehreren Zwecken. Sie kennzeichneten sowohl den Dienstgrad des Trägers als auch seine Regimentszugehörigkeit durch spezifische Farbkombinationen und Rangabzeichen. Die weiße Tuchunterlage des vorliegenden Stücks verweist auf die Waffenfarbe der Infanterie, die in der preußischen Armee durchgängig weiß war.

Die Uniform- und Rangabzeichenordnung der preußischen Armee war in den Bekleidungsvorschriften streng geregelt. Für einen Oberleutnant, der zwischen dem Leutnant und dem Hauptmann rangierte, waren spezifische Kennzeichen vorgeschrieben. Der Rang eines Oberleutnants wurde typischerweise durch zwei Sterne (häufig als “Pips” bezeichnet) auf dem Schulterstück gekennzeichnet, während die charakteristischen Tressen und die Grundfarbe die Waffengattung anzeigten.

Die Datierung “um 1910” platziert dieses Schulterstück in eine bedeutsame Periode der deutschen Militärgeschichte. In den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg erreichte die preußisch-deutsche Armee ihren Höhepunkt an Organisation und Präsentation. Die Friedensuniformen dieser Ära waren durch ihre aufwendige Gestaltung und strikte Regelkonformität gekennzeichnet. Die Offiziere trugen bei Paraden und im Garnisonsdienst die Adjustierung (Galauniform), die solche prächtigen Schulterstücke einschloss.

Das Infanterie-Regiment Nr. 85 hatte eine ehrenwerte Tradition im Deutschen Heer. Es nahm am Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 teil und kämpfte in mehreren bedeutenden Schlachten. Im Ersten Weltkrieg wurde das Regiment an verschiedenen Fronten eingesetzt, zunächst an der Westfront, später auch im Osten. Die hohen Verluste und die Materialschlachten des Krieges führten dazu, dass die aufwendigen Friedensuniformen mit ihren charakteristischen Schulterstücken schnell durch feldgraue, praktischere Uniformen ersetzt wurden.

Die Konstruktion solcher Schulterstücke war aufwendig und erforderte handwerkliches Geschick. Die weiße Tuchunterlage wurde mit Metallfäden, Tressen und den entsprechenden Rangabzeichen bestickt oder besetzt. Das Schulterstück war so gefertigt, dass es auf die Uniform aufgenäht werden konnte, wie die Beschreibung “zum Einnähen” verdeutlicht. Dies unterschied es von den aufsteckbaren Varianten späterer Epochen.

Die Standorte Rendsburg und Kiel spielten eine wichtige Rolle in der militärischen Infrastruktur des Kaiserreichs. Rendsburg war eine bedeutende Festungsstadt und diente als strategischer Knotenpunkt in Schleswig-Holstein. Kiel entwickelte sich parallel als wichtiger Marinestützpunkt, hatte aber auch bedeutende Heereseinrichtungen. Die Präsenz des Regiments in diesen Städten prägte das gesellschaftliche und kulturelle Leben der Region erheblich.

Das vorliegende Exemplar befindet sich in getragenem Zustand (Zustand 2), was darauf hinweist, dass es tatsächlich von einem aktiven Offizier getragen wurde und nicht lediglich ein Depot- oder Ausstellungsstück war. Solche getragenen Stücke besitzen einen besonderen historischen Wert, da sie authentische Zeugnisse des militärischen Alltags darstellen.

Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs und der Auflösung der kaiserlichen Armee 1919 verloren solche Uniformteile ihre praktische Funktion. Das Infanterie-Regiment Nr. 85 wurde wie alle anderen Regimenter des Kaiserreichs aufgelöst. Die erhaltenen Uniformteile, einschließlich der Schulterstücke, wurden zu historischen Artefakten und Sammlerstücken, die heute die militärische Tradition und das handwerkliche Können jener Epoche dokumentieren.

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