Bayern Trauerportepee .

Ausführung für Offiziere der Infanterie, komplett mit schwarzem Flor überzogen, leichte Alters- und Gebrauchsspuren, sonst aber gut erhalten. Zustand 2 
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180,00

Bayern Trauerportepee .

Das bayerische Trauerportepee stellt ein bedeutendes Element der militärischen Trauerkultur des Königreichs Bayern dar. Als spezielles Uniformzubehör wurde es von Offizieren getragen, um öffentlich Trauer zu bekunden, insbesondere beim Tod von Mitgliedern des bayerischen Königshauses oder hochrangigen militärischen Persönlichkeiten.

Das hier beschriebene Infanterie-Offiziers-Trauerportepee zeichnet sich durch seine vollständige Umhüllung mit schwarzem Flor aus, einem feinen, transparenten Trauergewebe. Diese spezielle Ausführung unterscheidet sich deutlich vom regulären Portepee, das normalerweise die Waffengattungsfarben und metallische Verzierungen aufwies. Im Falle der bayerischen Infanterie waren die Standardportepees üblicherweise mit hellblauen Elementen versehen, die für diese Waffengattung charakteristisch waren.

Die Geschichte des Portepees reicht bis ins 18. Jahrhundert zurück. Ursprünglich als praktische Handschlaufe konzipiert, die am Griff von Blankwaffen befestigt wurde, entwickelte sich das Portepee im Laufe der Zeit zu einem wichtigen Rangabzeichen. In der bayerischen Armee des 19. und frühen 20. Jahrhunderts diente es zur Unterscheidung zwischen Offizieren und Mannschaften. Während Offiziere aufwendig gearbeitete Portepees mit Metallgeflechten und Quasten trugen, führten Unteroffiziere einfachere Ausführungen.

Die Trauerordnung in der königlich-bayerischen Armee war streng geregelt. Bei offizieller Staatstrauer oder beim Tod eines Angehörigen des Herrscherhauses mussten Offiziere ihre regulären Portepees durch Trauerportepees ersetzen oder diese mit schwarzem Flor umhüllen. Diese Vorschrift galt für alle Waffengattungen, wobei die Grundform des jeweiligen Portepees erhalten blieb, jedoch durch die schwarze Umhüllung der Trauercharakter zum Ausdruck kam.

Besonders häufig kamen Trauerportepees zum Einsatz bei bedeutenden Ereignissen wie dem Tod König Ludwigs II. im Jahr 1886, Prinzregent Luitpolds 1912 oder König Ludwigs III. 1921. Während dieser Trauerperioden, die sich über mehrere Wochen erstrecken konnten, waren alle Offiziere verpflichtet, die entsprechenden Trauerabzeichen zu tragen.

Die Konstruktion eines solchen Trauerportepees war komplex. Das reguläre Portepee wurde sorgfältig mit schwarzem Florgewebe umwickelt, sodass die darunterliegenden Farben und Metallteile vollständig verdeckt waren. Die Quaste, der Griff und die Schlaufe erhielten diese Behandlung gleichermaßen. Die Qualität der Arbeit war dabei von großer Bedeutung, da sie die Sorgfalt und den Respekt des Trägers widerspiegelte.

Das vorliegende Exemplar für Infanterie-Offiziere repräsentiert die typische Ausführung dieser Zeit. Die Infanterie stellte den größten Teil der bayerischen Streitkräfte dar und war in zahlreichen Regimentern organisiert, die über ganz Bayern verteilt waren. Jeder Infanterie-Offizier musste über ein komplettes Set an Ausrüstungsgegenständen verfügen, einschließlich des Trauerportepees, das bei Bedarf sofort einsatzbereit sein musste.

Nach dem Ende der Monarchie 1918 und der Auflösung der königlich-bayerischen Armee verloren diese Trauerportepees ihre offizielle Funktion. Sie wurden zu historischen Zeugnissen einer vergangenen militärischen und höfischen Kultur. Viele Offiziere behielten ihre persönlichen Ausrüstungsgegenstände als Erinnerungsstücke, was erklärt, warum heute noch solche Objekte erhalten sind.

Die Erhaltung dieser Stücke ist oft problematisch. Das schwarze Florgewebe ist empfindlich gegenüber Licht, Feuchtigkeit und mechanischer Beanspruchung. Das beschriebene Exemplar mit seinen leichten Alters- und Gebrauchsspuren zeigt die typischen Merkmale eines authentischen, getragenen Stücks, das seine historische Funktion tatsächlich erfüllt hat.

Für Sammler und Historiker stellen bayerische Trauerportepees wichtige Dokumente der Militärgeschichte dar. Sie veranschaulichen nicht nur die strenge Hierarchie und das Zeremoniell der kaiserlichen und königlichen Armeen, sondern auch die gesellschaftliche Bedeutung von Trauer und öffentlicher Anteilnahme im wilhelminischen Zeitalter. Jedes erhaltene Exemplar trägt dazu bei, das Verständnis für die Kultur und Tradition dieser Epoche zu bewahren.