Königreich Württemberg Portepee für Offiziere .

um 1850. Ausführung mit silberner Rundschnur, schwarz und rot durchzogen, offene Quaste, Schieber/Stängel/Quaste in Gold.
So getragen am Mamelucken-Säbel. Entweder ein früheres Model, oder eine Ausführung für höhere Offiziere. Getragen, aber noch in guter Erhaltung, selten. Zustand 2-
221846
300,00

Königreich Württemberg Portepee für Offiziere .

Das Portepee war ein wesentliches Distinktionsmerkmal der Offiziere in den deutschen Armeen des 19. Jahrhunderts und symbolisierte Status, Rang und militärische Tradition. Das hier beschriebene Exemplar aus dem Königreich Württemberg stammt aus der Mitte des 19. Jahrhunderts, einer Zeit bedeutender militärischer und gesellschaftlicher Umbrüche in den deutschen Staaten.

Das Portepee, auch als Faustriemen oder Schwertquaste bezeichnet, diente ursprünglich dem praktischen Zweck, die Blankwaffe am Handgelenk zu sichern. Im Laufe des 18. und 19. Jahrhunderts entwickelte es sich jedoch zu einem wichtigen Rangabzeichen, dessen Ausführung präzise durch militärische Vorschriften geregelt war. Die Gestaltung mit Materialien, Farben und Form gab unmittelbar Auskunft über den Rang und die Waffengattung des Trägers.

Die vorliegende Ausführung mit silberner Rundschnur, durchzogen mit den württembergischen Farben Schwarz und Rot, sowie vergoldeten Elementen wie Schieber, Stängel und offener Quaste, deutet auf eine hochwertige Offiziersausstattung hin. Die württembergischen Landesfarben Schwarz und Rot waren seit dem frühen 19. Jahrhundert fest etabliert und fanden sich in verschiedenen militärischen Ausrüstungsgegenständen wieder.

Besonders bemerkenswert ist die Verbindung dieses Portepees mit dem Mameluckensäbel. Diese Säbelform, inspiriert von orientalischen Vorbildern, wurde nach den napoleonischen Kriegen in verschiedenen deutschen Staaten für bestimmte Offizierskategorien übernommen. In Württemberg trugen insbesondere höhere Offiziere und Adjutanten diese elegante Klingenform. Der Mameluckensäbel mit seiner charakteristischen gekrümmten Klinge und dem kreuzförmigen Griff ohne Parierstange war ein Statussymbol und wurde vornehmlich bei zeremoniellen Anlässen getragen.

Die Zeit um 1850 war für das Königreich Württemberg eine Phase der Konsolidierung nach den Umwälzungen der revolutionären Jahre 1848/49. Die württembergische Armee wurde modernisiert, wobei jedoch traditionelle Elemente der Uniformierung und Ausrüstung bewahrt wurden. Die hier beschriebene Ausführung könnte entweder ein früheres Modell darstellen, das noch vor späteren Vereinheitlichungen der Adjustierung gefertigt wurde, oder eine besondere Variante für höhere Chargen, die sich durch reichere Ausstattung von den Standardausführungen unterschieden.

Die Verwendung von Gold und Silber in der Ausführung war streng reglementiert. Während Generalstabsoffiziere und Generale häufig vollständig goldene oder silberne Portepees trugen, war bei anderen Offiziersrängen die Kombination von Metallen und Farben genau vorgeschrieben. Die hier beschriebene silberne Grundschnur mit goldenen Metallteilen deutet auf einen gehobenen Offiziersrang hin, möglicherweise im Bereich der Stabsoffiziere.

Die offene Quaste ist ein weiteres charakteristisches Merkmal. Im Gegensatz zu geschlossenen Quasten, die bei Unteroffizieren üblich waren, trugen Offiziere durchweg offene Quasten, deren Fäden frei herabfielen. Die Länge und Dichte der Quaste, sowie die Art ihrer Befestigung am Stängel, waren ebenfalls durch Vorschriften bestimmt.

Die württembergische Armee, obwohl einer der kleineren Kontingente des Deutschen Bundes, verfügte über eine lange militärische Tradition und strenge Standards bezüglich der Offiziersausrüstung. Die Beschaffung solcher hochwertiger Ausrüstungsgegenstände erfolgte oft bei spezialisierten Hoflieferanten und Goldschmieden, die nach genauen militärischen Vorgaben arbeiteten.

Solche Portepees wurden von Offizieren nicht nur im aktiven Dienst, sondern auch bei gesellschaftlichen Anlässen getragen, wo die Uniform und ihre Accessoires den gesellschaftlichen Status unterstrichen. Das Portepee am Säbel war integraler Bestandteil der Galauniform und der Paradeverwahrung.

Die Erhaltung solcher Objekte über mehr als anderthalb Jahrhunderte ist bemerkenswert, da Textilien und Metalldrähte durch Gebrauch und Lagerung stark beansprucht wurden. Die beschriebene gute Erhaltung trotz erkennbarer Tragezeichen spricht für die ursprüngliche Qualität der Materialien und Verarbeitung sowie für eine sorgfältige Aufbewahrung durch die Generationen.

Heute stellen solche Portepees wichtige Zeugnisse der Militärgeschichte der deutschen Einzelstaaten vor der Reichsgründung 1871 dar und sind gefragte Sammlerobjekte für Militaria-Interessierte und historische Museen.