Preußen 1. Weltkrieg Einzel Schulterstück Feldgrau für einen Leutnant im Infanterie-Regiment Nr. 359

Um 1917. Weiße Tuchunterlage, zum Einnähen. Getragen, Zustand 2.

Das Regiment wurde 1915 in Thourout (Flandern) vom III. Armeekorps aufgestellt.
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70,00

Preußen 1. Weltkrieg Einzel Schulterstück Feldgrau für einen Leutnant im Infanterie-Regiment Nr. 359

Das vorliegende Schulterstück eines Leutnants des Infanterie-Regiments Nr. 359 repräsentiert ein faszinierendes Zeugnis der deutschen Militärorganisation während des Ersten Weltkriegs. Diese Rangabzeichen, die auf feldgrauer Tuchunterlage gefertigt wurden, dienten der sofortigen Erkennung von Dienstgrad und Truppenzugehörigkeit im Feld.

Das Infanterie-Regiment Nr. 359 wurde im Jahr 1915 in Thourout (Torhout) in der belgischen Provinz Flandern aufgestellt, einer Region, die während des gesamten Krieges heftig umkämpft war. Die Aufstellung erfolgte durch das III. Armeekorps, was typisch für die massive Expansion der deutschen Streitkräfte nach den ersten Kriegsjahren war. Die Notwendigkeit, neue Regimenter aufzustellen, ergab sich aus den enormen Verlusten an der Westfront und dem Bedarf an frischen Truppen für die ausgedehnten Frontlinien.

Die Schulterstücke (auch Schulterklappen oder Achselstücke genannt) waren wesentliche Bestandteile der preußischen und deutschen Uniformierung seit dem 19. Jahrhundert. Sie wurden auf den Schultern der Uniformjacke befestigt und zeigten durch ihre Farbe, Form und Aufschrift die Regimentszugehörigkeit sowie durch spezielle Abzeichen den Dienstgrad des Trägers. Für Offiziere, wie in diesem Fall einen Leutnant, waren die Schulterstücke in der Regel aufwendiger gearbeitet als die der Mannschaften und Unteroffiziere.

Die feldgraue Ausführung dieses Schulterstücks entspricht den Uniformvorschriften, die ab 1907/1910 schrittweise eingeführt wurden. Die traditionellen, farbenprächtigen Friedensuniformen wurden durch das praktischere Feldgrau ersetzt, das bessere Tarnung im modernen Gefechtsfeld bot. Mit Kriegsbeginn 1914 wurde diese Uniform zum Standard für alle Truppengattungen. Die weiße Tuchunterlage deutet auf die Waffenfarbe der Infanterie hin, die traditionell weiß war und auch in vereinfachter Form während des Krieges beibehalten wurde.

Ein Leutnant war der niedrigste Offiziersrang in der preußischen und deutschen Armee. Der Rang wurde durch ein bis zwei Sterne auf den Schulterstücken gekennzeichnet, wobei ein Leutnant einen Stern trug. Diese jungen Offiziere führten in der Regel einen Zug (etwa 50-60 Mann) und spielten eine entscheidende Rolle in der Gefechtsführung. Die Verlustrate unter Leutnants war besonders hoch, da sie ihre Männer an vorderster Front führen mussten.

Die Tatsache, dass dieses Schulterstück zum Einnähen bestimmt war, entspricht der Praxis bei Feldanzügen. Anders als bei Paradeuniformen, wo Schulterstücke oft abnehmbar waren, wurden sie bei Felduniformen fest eingenäht, um Verlust zu vermeiden und die praktische Handhabung im Feld zu gewährleisten. Der angegebene Zustand 2 deutet auf erkennbare Gebrauchsspuren hin, was bei einem tatsächlich getragenen Ausrüstungsgegenstand aus dem Frontdienst nicht überrascht.

Die Aufstellung des Regiments 359 im Jahr 1915 in Flandern erfolgte in einer Phase intensiver militärischer Aktivität in diesem Sektor. Die Flandernschlachten gehörten zu den verlustreichsten Kämpfen des Ersten Weltkriegs. Die Region um Thourout lag im rückwärtigen Gebiet der deutschen Frontlinien, wo Truppenaufstellungen, Ausbildung und Versorgung organisiert wurden. Von hier aus wurden die neu aufgestellten Einheiten an die nahegelegenen Frontabschnitte verlegt.

Das III. Armeekorps, das die Aufstellung durchführte, war ein traditionsreiches preußisches Armeekorps mit Friedensstandort in Berlin und Brandenburg. Während des Krieges waren die Armeekorps für die Aufstellung und Organisation neuer Verbände in ihren Zuständigkeitsbereichen verantwortlich, auch wenn diese weit von ihren Heimatgarnisonen entfernt lagen.

Schulterstücke wie dieses sind heute wichtige militärhistorische Dokumente, die Aufschluss über Uniformierung, Organisation und die persönlichen Schicksale der Soldaten geben. Sie ermöglichen es Forschern, die Entwicklung der deutschen Armee während des Krieges nachzuvollziehen und die einzelnen Regimenter zu identifizieren. Für Sammler und Museen stellen sie bedeutende Zeugnisse einer Epoche dar, die die Weltgeschichte grundlegend veränderte.

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