Römisches Imperium/Großbritannien Klappstuhl

4. Jahrhundert nach Christus. Der Klappstuhl aus Eisen gefertigt mit Tauschierungen aus Golddraht. Die lederne Sitzfläche modern rekonstruiert. Höhe 66 cm. Zustand 2+.

Das Objekt stammt aus Großbritannien und befand sich seit den 1990er Jahren im Besitz eines renommierten Antikensammlers. 2021 wurde es von einem spanischen Privatsammler erworben und 2023 bei dem Münchner Auktionshaus Hermann Historica veräußert.

Äußerst selten und von historischer Bedeutung! Die Klappstühle sind aus bildlichen und schriftlichen Quellen als Bestandteil der römischen Wohnkultur bekannt, in archäologischen Kontexten aber nur sehr selten überliefert. Die Goldtauschierung weist darüber hinaus auf eine hochstehende und reiche Persönlichkeit als Besitzer des Klappstuhles hin. Wir freuen uns sehr Ihnen dieses Stück anbieten zu können!


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14.500,00

Römisches Imperium/Großbritannien Klappstuhl

Der römische Klappstuhl (lateinisch sella curulis oder sella) gehörte zu den bedeutendsten Möbelstücken der antiken römischen Kultur und verkörperte über Jahrhunderte hinweg politische Macht, soziale Stellung und militärische Autorität. Das vorliegende Exemplar aus dem 4. Jahrhundert n. Chr., gefertigt aus Eisen mit aufwendigen Goldtauschierungen, stellt ein außerordentlich seltenes archäologisches Zeugnis dar, das Einblicke in die Lebensweise der römischen Oberschicht im spätantiken Britannien gewährt.

Die Tradition des Klappstuhls reicht in der römischen Geschichte bis in die Zeit der etruskischen Könige zurück. Ursprünglich war die sella curulis ein Privileg der höchsten römischen Magistrate – Konsuln, Prätoren und kurulische Ädile durften auf diesem Stuhl sitzen, der zum Symbol ihrer imperium-Gewalt wurde. Die Form des Klappstuhls, bei dem zwei X-förmig gekreuzte Beinpaare durch Gelenke verbunden waren, ermöglichte sowohl Mobilität als auch repräsentative Würde. Während der Kaiserzeit weitete sich der Gebrauch solcher Stühle aus und umfasste neben dem militärischen auch den zivilen Bereich wohlhabender Familien.

Das Material und die Verzierung dieses Stücks sind von besonderer Bedeutung. Während einfachere Klappstühle häufig aus Holz oder Bronze gefertigt wurden, zeugt die Verwendung von Eisen mit Goldtauschierung von höchstem handwerklichen Können und enormem Reichtum. Die Tauschierung, bei der Edelmetall in Vertiefungen des Grundmetalls eingelegt wird, war eine Technik, die im römischen Reich besonders bei Waffen und Prestigeobjekten Anwendung fand. Die Goldverzierung machte aus einem funktionalen Möbelstück ein Kunstwerk und Statussymbol.

Der Fundkontext Großbritannien ist von erheblicher historischer Relevanz. Das römische Britannien (Britannia) erlebte im 4. Jahrhundert eine komplexe Phase seiner Geschichte. Nach der Reorganisation unter Diokletian und Konstantin dem Großen war die Provinz in mehrere Verwaltungseinheiten unterteilt: Britannia Prima, Britannia Secunda, Maxima Caesariensis und Flavia Caesariensis. In dieser Zeit entstanden prächtige Villen, deren Besitzer – oft hochrangige Militärs oder Zivilbeamte – einen luxuriösen Lebensstil pflegten, der dem in Italien oder Gallien kaum nachstand.

Die militärische Bedeutung von Klappstühlen kann nicht unterschätzt werden. Römische Feldherren und hohe Offiziere nutzten solche Stühle im Feldlager als Symbol ihrer Kommandogewalt. Der praetorium, das Zelt des Kommandanten, war mit solchen Möbeln ausgestattet. Die Mobilität des Klappstuhls machte ihn zum idealen Begleiter für Feldzüge, während seine symbolische Bedeutung die Hierarchie innerhalb der Legion unterstrich. Bildliche Darstellungen auf Reliefs, wie etwa auf der Trajanssäule oder der Mark-Aurel-Säule, zeigen Kaiser und Generäle auf solchen Stühlen sitzend, während sie Truppen inspizieren oder Gericht halten.

Die archäologische Seltenheit erhaltener Klappstühle erklärt sich durch mehrere Faktoren. Metallene Komponenten wurden in der Antike und im Mittelalter häufig eingeschmolzen und wiederverwendet. Holz- und Lederteile verrotteten im Laufe der Jahrhunderte. Die wenigen erhaltenen Exemplare stammen meist aus privilegierten Fundkontexten wie reichen Gräbern oder aus besonderen Erhaltungsbedingungen. Literarische Quellen wie Plinius der Jüngere, Martial und Sueton erwähnen solche Möbel regelmäßig, was ihre Verbreitung in der römischen Oberschicht belegt.

Im spätantiken Kontext des 4. Jahrhunderts gewann der Klappstuhl zusätzliche Bedeutung. Die zunehmende Christianisierung des Reiches seit Konstantin führte zu neuen Formen der Repräsentation, doch traditionelle römische Statussymbole behielten ihre Wichtigkeit. Hochrangige christliche Würdenträger übernahmen römische Insignien, einschließlich der sella, die später zur Grundlage des bischöflichen Thronsitzes wurde.

Die Handwerkskunst des vorliegenden Stücks zeugt von den fortgeschrittenen metallurgischen Kenntnissen der römischen fabri (Handwerker). Die Herstellung erforderte präzise Schmiedetechniken, das Herstellen der Scharniere und die aufwendige Tauschierarbeit. Solche Arbeiten wurden in spezialisierten Werkstätten durchgeführt, möglicherweise in Londinium (London), Eboracum (York) oder anderen bedeutenden städtischen Zentren Britanniens.

Die Provenienz des Objekts, das seit den 1990er Jahren in europäischen Sammlungen nachweisbar ist, unterstreicht die anhaltende Faszination für römische Antiquitäten. Als Zeugnis römischer Wohnkultur, militärischer Tradition und handwerklicher Meisterschaft stellt dieser Klappstuhl ein außergewöhnliches Objekt dar, das die Verbindung zwischen Funktion, Kunst und Macht in der römischen Welt exemplarisch verkörpert.

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