SA Nichttragbare Siegermedaille "2. Hallensport-Kampftag d. SA-Gruppe Hessen Frankfurt a.M. 28.5.1938"
Die vorliegende Siegermedaille vom 2. Hallensport-Kampftag der SA-Gruppe Hessen in Frankfurt am Main vom 28. Mai 1938 repräsentiert ein bedeutendes Zeugnis der Sportkultur innerhalb der Sturmabteilung (SA) während des Nationalsozialismus. Diese große, bronzierte Aluminiummedaille mit einem Durchmesser von 85 mm dokumentiert die systematische Integration von sportlichen Wettkämpfen in das organisatorische Gefüge der SA.
Die SA-Gruppe Hessen war eine der regionalen Gliederungen der Sturmabteilung, die den Gau Hessen-Nassau umfasste. Nach der Machtübernahme 1933 wandelte sich die SA von einer paramilitärischen Kampforganisation zunehmend zu einer Organisation, die Sport, Wehrsport und vormilitärische Ausbildung betonte. Die Hallensport-Kampftage waren Teil eines umfassenden Programms zur körperlichen Ertüchtigung der SA-Mitglieder und dienten gleichzeitig der Propaganda und öffentlichen Selbstdarstellung.
Die Gravur auf der Rückseite “Zwölfkampf f.SA-Führer E-Wertung 1. Sieger” weist auf einen mehrteiligen Wettkampf hin, der speziell für SA-Führer konzipiert war. Der Zwölfkampf war eine in der SA verbreitete Wettkampfform, die verschiedene sportliche und wehrsportliche Disziplinen kombinierte. Dazu gehörten typischerweise Laufen, Springen, Werfen, Schwimmen sowie militärische Übungen. Die E-Wertung bezeichnet eine spezifische Alters- oder Leistungsklasse innerhalb des SA-Sportbetriebs, wobei verschiedene Wertungsgruppen existierten, um eine faire Konkurrenz zwischen Teilnehmern unterschiedlicher Altersgruppen zu gewährleisten.
Der Besitzer dieser Medaille, SA-Brigadeführer Glasner, gehörte zur Führungsebene der SA. Der Rang eines Brigadeführers entsprach dem eines Generals und war ein hoher Dienstgrad innerhalb der Organisation. SA-Führer in solchen Positionen waren verpflichtet, an sportlichen Wettkämpfen teilzunehmen, um ihre körperliche Fitness zu demonstrieren und als Vorbild für untergeordnete Ränge zu dienen.
Die Materialwahl – bronziertes Aluminium – war typisch für Auszeichnungen und Medaillen der 1930er Jahre. Aluminium war kostengünstig und leicht zu verarbeiten, während die Bronzierung einen wertigeren optischen Eindruck vermittelte. Die beachtliche Größe von 85 mm Durchmesser kennzeichnet diese Medaille als nichttragbare Auszeichnung, die zur Aufbewahrung und Präsentation bestimmt war, nicht zum Tragen an der Uniform.
Der Veranstaltungsort Frankfurt am Main als Zentrum des Gaues Hessen-Nassau war ein bedeutender Standort der SA. Im Mai 1938 befand sich das Deutsche Reich in einer Phase intensiver militärischer Vorbereitung. Der Anschluss Österreichs war gerade im März vollzogen worden, und die Sudetenkrise spitzte sich zu. In diesem Kontext erhielten sportliche Wettkämpfe und die Demonstration körperlicher Leistungsfähigkeit eine besondere ideologische Bedeutung.
Die SA-Sportveranstaltungen dienten mehreren Zwecken: Sie förderten die körperliche Fitness der Mitglieder, stärkten den Korpsgeist, boten Gelegenheit zur öffentlichen Selbstdarstellung und bereiteten die Teilnehmer auf potenzielle militärische Einsätze vor. Nach den Röhm-Putsch-Ereignissen von 1934, bei denen die SA entmachtet und ihre Führungsspitze weitgehend liquidiert wurde, hatte die Organisation viel von ihrer ursprünglichen politischen Macht verloren. Sport und Wehrsport wurden zu Hauptaktivitäten, durch die die SA ihre Existenzberechtigung zu demonstrieren versuchte.
Die systematische Dokumentation und Auszeichnung sportlicher Leistungen durch Medaillen wie diese war charakteristisch für die nationalsozialistische Organisationskultur. Jede Leistung wurde erfasst, bewertet und durch sichtbare Symbole gewürdigt. Diese Medaille ist somit nicht nur ein sportliches Erinnerungsstück, sondern auch ein Dokument der bürokratischen Durchdringung aller Lebensbereiche im NS-Staat.
Als historisches Objekt bietet diese Medaille Einblicke in die Alltagskultur der SA, die Rolle des Sports im Nationalsozialismus und die Karrierewege von SA-Führern. Sie dokumentiert lokale Veranstaltungen, die zur größeren Struktur der nationalsozialistischen Massenorganisationen gehörten und zeigt, wie Sport instrumentalisiert wurde, um ideologische und militärische Ziele zu verfolgen.