Nahkampfspange in Gold
Die Nahkampfspange in Gold war eine der höchsten Auszeichnungen für Infanteriekämpfer im Zweiten Weltkrieg. Diese besondere Tapferkeitsauszeichnung wurde am 29. November 1942 durch Adolf Hitler gestiftet und würdigte außergewöhnliche Leistungen im direkten Feindkontakt.
Die Nahkampfspange existierte in drei Stufen: Bronze für 15 Nahkampftage, Silber für 30 Nahkampftage und Gold für 50 Nahkampftage. Ein “Nahkampftag” wurde als Tag definiert, an dem ein Soldat in direktem Hand-zu-Hand-Kampf oder Nahkampf mit dem Feind in einer Entfernung unter 200 Metern stand. Die Verleihung der goldenen Stufe war äußerst selten und kennzeichnete einen Soldaten als außerordentlich kampferfahren und tapfer.
Das vorliegende Exemplar wurde vom Hersteller W. E. Peekhaus aus Berlin gefertigt, der unter dem Herstellercode “FLL” bekannt war. Die Firma Peekhaus war einer von mehreren autorisierten Herstellern dieser Auszeichnung während des Krieges. Die Spange besteht aus Feinzink vergoldet, einem typischen Material der späteren Kriegsjahre, als hochwertige Metalle zunehmend knapp wurden. Die Konstruktion zeigt ein magnetisches Plättchen, das eingequetscht wurde, sowie eine vergoldete Messingnadel zur Befestigung an der Uniform.
Die Nahkampfspange zeigte in ihrer Gestaltung ein stilisiertes Design mit gekreuzten Handgranaten, umgeben von einem Eichenlaubkranz. Die goldene Version war vollständig vergoldet und unterschied sich dadurch deutlich von den Bronze- und Silberversionen. Sie wurde auf der linken Brustseite der Uniform getragen, in der Regel über der Brusttasche.
Die Verleihungskriterien waren streng geregelt. Jeder Nahkampftag musste von Vorgesetzten bestätigt werden, und die Verleihung bedurfte der Genehmigung höherer Kommandoebenen. Bei der goldenen Stufe war oft die Genehmigung auf Divisionsebene oder höher erforderlich. Die Dokumentation erfolgte im Soldbuch und in den Personalakten des Soldaten.
Das vorliegende Stück zeigt deutliche Gebrauchsspuren, was auf das tatsächliche Tragen durch einen Veteranen hindeutet. Von besonderer historischer Bedeutung ist die Entnazifizierung nach 1945. Nach dem Zusammenbruch des Dritten Reiches wurden viele militärische Auszeichnungen von ihren Besitzern modifiziert, um die NS-Symbolik zu entfernen. Dies ermöglichte den Veteranen, ihre militärischen Leistungen zu ehren, ohne verbotene Symbole zur Schau zu stellen. Bei der Nahkampfspange betraf dies üblicherweise die Entfernung des Hakenkreuzes aus der Gestaltung.
Die rechtliche Situation nach 1945 war komplex. Während das Tragen von NS-Symbolen verboten wurde, erkannten die alliierten Behörden und später die Bundesrepublik Deutschland an, dass militärische Tapferkeitsauszeichnungen von den politischen Symbolen getrennt werden konnten. Das Gesetz über Titel, Orden und Ehrenzeichen von 1957 regelte, dass militärische Auszeichnungen aus der Zeit vor 1945 in entnazifizierter Form getragen werden durften.
Die Seltenheit der Nahkampfspange in Gold macht sie zu einem bedeutenden militärhistorischen Objekt. Schätzungen gehen davon aus, dass nur wenige tausend dieser höchsten Stufe während des gesamten Krieges verliehen wurden, im Vergleich zu Hunderttausenden der Bronze- und Zehntausenden der Silberstufe. Die geringe Verleihungszahl reflektiert die extremen Anforderungen und die hohe Todesrate unter Soldaten, die in so intensiven Kampfhandlungen involviert waren.
Aus heutiger militärhistorischer Perspektive dokumentieren solche Objekte die Realität des Infanteriekampfes im Zweiten Weltkrieg. Sie zeugen von den extremen Belastungen, denen Frontsoldaten ausgesetzt waren, und von der Art und Weise, wie totalitäre Regime militärische Leistungen anerkannten und instrumentalisierten. Die Entnazifizierung des vorliegenden Stücks erzählt zudem eine Nachkriegsgeschichte – den Versuch eines Veteranen, mit seiner militärischen Vergangenheit umzugehen und sie von der verbrecherischen Ideologie des NS-Regimes zu trennen.
Heute sind solche Objekte wichtige Studienobjekte für Militärhistoriker, Museologen und Sammler militärhistorischer Artefakte. Sie dienen als materielle Zeugnisse einer der dunkelsten Perioden der deutschen Geschichte und helfen, die Erfahrungen der Soldaten zu dokumentieren und zu verstehen.