Zaristisches Russland große Medaille zur 700 Jahrfeier der Christianisierung Finnlands 1857
Die Medaille zur 700-Jahrfeier der Christianisierung Finnlands von 1857 stellt ein bedeutendes Zeugnis der religiösen und politischen Geschichte des zaristischen Russlands dar. Diese Auszeichnung wurde unter der Herrschaft von Zar Alexander II. (1818-1881) geprägt, um ein Jubiläum zu feiern, das die tiefe Verbindung zwischen dem russischen Kaiserreich und seinem finnischen Großfürstentum symbolisierte.
Finnland war seit 1809 als Großfürstentum Finnland Teil des Russischen Reiches, nachdem es im Frieden von Fredrikshamn von Schweden abgetreten worden war. Der Zar trug den Titel “Großfürst von Finnland” (Princeps Magnus Fenniae), was auf der Vorderseite der Medaille deutlich zum Ausdruck kommt. Die Inschrift lautet: IMPERATOR ALEXANDER II PRINCEPS MAGNUS FENNIAE, begleitet von einem Porträt des Zaren nach rechts blickend.
Die Christianisierung Finnlands begann im 12. Jahrhundert und wurde traditionell mit dem Jahr 1157 in Verbindung gebracht, als der schwedische König Erik IX. und der englische Bischof Heinrich von Uppsala einen Kreuzzug nach Finnland unternommen haben sollen. Obwohl die historische Genauigkeit dieser Überlieferung umstritten ist, wurde dieses Datum im 19. Jahrhundert als offizielle Grundlage für die Berechnung des 700-jährigen Jubiläums herangezogen. Der heilige Heinrich wurde zum Schutzpatron Finnlands und seine Verehrung spielte eine zentrale Rolle in der finnischen Kirchengeschichte.
Die Prägung dieser Medaille im Jahr 1857 erfolgte durch die Münzstätte St. Petersburg, die bedeutendste Prägestätte des Russischen Reiches. Der Medailleur Alexander Lyalin (Александр Лялин) schuf das Design und verewigte seinen Namen auf der Vorderseite der Medaille. Lyalin war ein angesehener Graveur und Medailleur, der für die kaiserliche Münzstätte tätig war und zahlreiche bedeutende Medaillen und Münzen des 19. Jahrhunderts gestaltete.
Die Rückseite der Medaille trägt die lateinische Inschrift: LUX NOVA ET AETERNA. HAC LUCE ANTE VII SAECULA GAUDEBAT FENNIA DIE XVIII JUNI A. MDCCCLVII, was übersetzt bedeutet: “Ein neues und ewiges Licht. Mit diesem Licht erfreute sich Finnland vor sieben Jahrhunderten am 18. Juni 1857.” Diese Formulierung verweist auf das christliche Licht der Erleuchtung, das Finnland durch die Christianisierung empfangen haben soll.
Die Wahl des 18. Juni als Datum für die Feierlichkeiten bezieht sich auf den liturgischen Kalender und die Verehrung des heiligen Heinrich. Diese symbolische Verbindung zwischen religiösem Erbe und staatlicher Autorität war charakteristisch für die Politik Alexander II., der versuchte, die verschiedenen Völker seines Reiches durch gemeinsame historische und religiöse Narrative zu vereinen.
Die Regierungszeit Alexander II. (1855-1881) war eine Ära bedeutender Reformen im Russischen Reich. Der Zar, der später als “Befreier-Zar” bekannt wurde, hob 1861 die Leibeigenschaft auf und führte weitreichende administrative, militärische und juristische Reformen durch. Gegenüber Finnland verfolgte er eine relativ liberale Politik und respektierte weitgehend die autonomen Rechte des Großfürstentums, einschließlich seiner lutherischen Kirche und schwedischen Verwaltungssprache.
Die Medaille selbst verkörpert die Verbindung von religiöser Legitimation und politischer Herrschaft, die für das 19. Jahrhundert typisch war. Durch die Betonung der christlichen Tradition Finnlands unterstrich das zaristische Regime seine Rolle als Beschützer und Fortführer dieser religiösen Tradition, obwohl die russisch-orthodoxe Kirche sich von der lutherischen Kirche Finnlands unterschied.
Solche Jubiläumsmedaillen wurden im zaristischen Russland häufig zu besonderen Anlässen geprägt und an Würdenträger, Beamte, Geistliche und verdiente Persönlichkeiten verliehen. Sie dienten sowohl als Auszeichnung als auch als Propagandainstrument, um die Größe und Kontinuität des Reiches zu demonstrieren. Die Verwendung der lateinischen Sprache auf der Rückseite deutet auf den europäischen Bildungskanon hin und unterstreicht den Anspruch des russischen Kaiserreiches, Teil der europäischen Zivilisation zu sein.
Die künstlerische Qualität der Medaille spiegelt den hohen Standard der St. Petersburger Münzstätte wider, die für ihre präzisen Gravuren und detailreichen Porträts bekannt war. Das Porträt Alexander II. zeigt den Zaren in klassischer Manier, was der neoklassizistischen Ästhetik der Epoche entspricht.
Heute sind solche Medaillen wichtige historische Artefakte, die Einblick in die politische Symbolik, religiöse Ideologie und künstlerische Produktion des zaristischen Russlands geben. Sie dokumentieren die komplexen Beziehungen zwischen dem russischen Zentrum und seinen peripheren Territorien sowie die Rolle der Religion als verbindendes Element im multikonfessionellen und multiethnischen Zarenreich.