SA-Sportabzeichen in Bronze 2. Modell 1935-1938

Eisen bronziert, rückseitig "Eigentum D.S.A. Sportabz. Hauptstelle", Hersteller "E. Schneider Lüdenscheid", Verleihungs-Nr. 643333, Zustand 2.
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SA-Sportabzeichen in Bronze 2. Modell 1935-1938

Das SA-Sportabzeichen in Bronze stellt ein bedeutendes Zeugnis der paramilitärischen Sportbewegung im nationalsozialistischen Deutschland dar. Dieses spezifische Exemplar repräsentiert das zweite Modell, das zwischen 1935 und 1938 verliehen wurde und trägt die bemerkenswert hohe Verleihungsnummer 643333, was auf die weite Verbreitung dieser Auszeichnung in jener Periode hindeutet.

Die Sturmabteilung (SA), ursprünglich 1920/21 als Schutz- und Propagandatruppe der NSDAP gegründet, entwickelte ab 1933 ein umfassendes Sportprogramm. Das SA-Sportabzeichen wurde am 8. November 1933 durch den SA-Stabschef gestiftet und sollte die körperliche Ertüchtigung und Wehrhaftigkeit der SA-Angehörigen fördern. Es existierte in drei Stufen: Bronze, Silber und Gold, wobei die Bronzestufe die Grundstufe darstellte.

Das vorliegende Abzeichen wurde aus Eisen gefertigt und bronziert, was für die Herstellungstechnik der mittleren 1930er Jahre typisch war. Die Rückseitenmarkierung “Eigentum D.S.A. Sportabz. Hauptstelle” (Der SA Sportabzeichen Hauptstelle) kennzeichnet das Abzeichen als offizielles Eigentum der Organisation, das dem Träger nur leihweise überlassen wurde. Diese Praxis sollte sicherstellen, dass die Abzeichen bei Ausscheiden aus der SA oder Nichteinhaltung der Bedingungen zurückgegeben werden mussten.

Der Hersteller E. Schneider aus Lüdenscheid war einer von mehreren autorisierten Produzenten militärischer und paramilitärischer Auszeichnungen im Dritten Reich. Lüdenscheid entwickelte sich seit dem 19. Jahrhundert zu einem Zentrum der Metallwarenindustrie und beherbergte zahlreiche Firmen, die Orden, Ehrenzeichen und Abzeichen fertigten.

Das zweite Modell des SA-Sportabzeichens unterschied sich in Details von der ersten Version (1933-1935). Die Gestaltung zeigte typischerweise das SA-Symbol mit Hakenkreuz, umgeben von einem Eichenlaubkranz, wobei verschiedene Modellvarianten je nach Herstellungsjahr und Produzent existierten. Die Verleihung erfolgte nach erfolgreicher Absolvierung festgelegter sportlicher Leistungen in verschiedenen Disziplinen wie Laufen, Springen, Werfen und Schwimmen.

Die hohe Verleihungsnummer 643333 deutet darauf hin, dass bis zur Vergabe dieses Exemplars bereits über 640.000 Abzeichen der verschiedenen Stufen ausgegeben worden waren. Dies unterstreicht die massive Ausbreitung der SA und ihrer Sportaktivitäten in der Mitte der 1930er Jahre, als die Organisation mehrere Millionen Mitglieder zählte.

Der Zeitraum 1935-1938 markiert eine besondere Phase in der Geschichte der SA. Nach der “Röhm-Affäre” vom Juni 1934, bei der die SA-Führung unter Ernst Röhm ausgeschaltet wurde, verlor die Organisation zunehmend an politischer Bedeutung zugunsten der SS. Dennoch blieb die SA als Massenorganisation bestehen und führte ihre Sport- und Ausbildungsprogramme fort, wenn auch unter verstärkter Kontrolle und mit reduziertem Einfluss.

Die Sportabzeichen der SA dienten mehreren Zwecken: Sie sollten einerseits die körperliche Fitness der Mitglieder fördern und sie im Sinne der nationalsozialistischen Ideologie zu “wehrhaften” Deutschen formen. Andererseits dienten sie als Statussymbole innerhalb der Organisation und in der Öffentlichkeit. Das Tragen solcher Auszeichnungen signalisierte Zugehörigkeit, Leistungsbereitschaft und ideologische Linientreue.

Aus heutiger Sicht sind derartige Objekte wichtige historische Quellen, die Einblick in die Organisations- und Propagandastruktur des NS-Regimes geben. Sie dokumentieren die Durchdringung breiter Bevölkerungsschichten mit nationalsozialistischen Strukturen und die Verbindung von Sport, Militarisierung und politischer Indoktrination. Der Zustand 2 dieses Exemplars bedeutet in der numismatischen und militaria-sammlerischen Bewertung einen sehr guten bis guten Erhaltungszustand mit leichten Gebrauchsspuren, was für ein über 85 Jahre altes Objekt bemerkenswert ist.

Die wissenschaftliche Beschäftigung mit solchen Objekten dient der historischen Aufarbeitung und Dokumentation, nicht der Glorifizierung. Sie ermöglicht es, die materielle Kultur des Nationalsozialismus zu verstehen und die Mechanismen zu analysieren, durch die das Regime Loyalität und Identifikation erzeugte.