Preußen Kartuschkasten mit Bandolier für Mannschaften für den Galawachanzug des Regiments der Gardes du Corps
Sehr selten!
Die seit 1883 vorgeschriebene Kartusche und das Bandelier gehörten nur zu dem Galawachanzug des Regiments der Gardes du Corps.
Der Kartuschkasten mit Bandolier für Mannschaften für den Galawachanzug des Regiments der Gardes du Corps repräsentiert eines der seltensten und prestigeträchtigsten Ausrüstungsstücke der preußischen Militärgeschichte. Dieses außergewöhnliche Ensemble wurde ausschließlich von Mannschaften des elitären Regiments der Gardes du Corps getragen, wenn sie bei großen Hoffesten als Ehrenwachen dienten.
Das Regiment der Gardes du Corps wurde am 23. Juni 1740 in Charlottenburg von König Friedrich II. von Preußen gegründet, zunächst als Ausbildungseskadron von 178 Mann, die aus bestehenden Kavallerieregimentern ausgewählt wurden. Es diente nicht nur als persönliche Leibwache des Königs, sondern auch als Mustereinheit für die preußische Kavallerie. Das Regiment wurde während des Siebenjährigen Krieges erweitert und war ab 1753 in Potsdam stationiert. Bis 1914 bestand es aus fünf Eskadronen. Das Regiment kämpfte in zahlreichen Schlachten, darunter Hohenfriedberg und Lobositz, im Deutsch-Französischen Krieg und im Ersten Weltkrieg. Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs 1918-1919 wurde das Regiment aufgelöst.
Der Galawachanzug mit seiner charakteristischen Ausrüstung wurde eingeführt, um das zeremonielle Erscheinungsbild des Regiments bei Hoffunktionen zu verstärken. Zunächst bestand die Galauniform nur aus der roten Supraweste. Das spezielle Bandelier mit Kartuschkasten und Gürtel wurden erst 1883 als Ergänzung zur bestehenden Galauniform vorgeschrieben. Diese Ausrüstung wurde ausschließlich von Mannschaften getragen und unterschied sich von der Ausrüstung der Offiziere.
Das Regiment der Gardes du Corps war das königliche Kürassier-Garderegiment und diente nach 1871 als persönliche Leibwache des deutschen Kaisers. Das in Potsdam stationierte Regiment galt als prestigeträchtigste Kavallerieeinheit der preußischen Armee und rangierte in der preußischen Rangordnung nur nach dem 1. Garde-Regiment zu Fuß an zweiter Stelle. Die Rekrutierung erfolgte nach der deutschen Einigung 1871 reichsweit und war äußerst selektiv, wobei die Mannschaftsränge aus qualitativ hochwertigen Kandidaten gezogen wurden. Das Offizierskorps war ausschließlich adelig; 1913 wurden 20 von 34 Offizierspositionen von Prinzen und Grafen besetzt.
Das vorliegende Exemplar aus dem Jahr 1897 trägt auf der Innenseite des Bandoliers den Namen des Trägers “Wentching” sowie die Jahreszahl “97”. Der Kartuschkasten ist aus schwerem, geweißtem Leder gefertigt und zeigt auf dem Deckel den großen Gardestern für Mannschaften, umgeben von rotweißer Borte. Eine kleine Plakette mit der Inventarnummer “38” kennzeichnet den Kasten. Im Inneren ist ein Holzkasten eingesetzt. Das etwa 6,4 cm breite Bandelier besteht ebenfalls aus schwerem, geweißtem Leder mit aufgelegten roten Borten und neusilbernen Beschlägen.
Nach dem Ersten Weltkrieg und der Auflösung der preußischen Armee 1918-1919 hörte das Regiment der Gardes du Corps auf zu existieren. Seine Tradition wurde in der Reichswehr ab dem 24. August 1921 von der 1. Eskadron des 4. (Preußischen) Kavallerie-Regiments in Potsdam weitergeführt. Schließlich trug in der Bundeswehr das Panzerbataillon 24 in Braunschweig die Tradition bis zu seiner eigenen Auflösung. Überlebende Beispiele der Galawachanzug-Ausrüstung, einschließlich Kartuschkästen und Bandolieren, sind heute seltene Sammlerstücke, die als “sehr selten” auf dem Militaria-Markt beschrieben werden. Dieses Modell 1883 unterschied sich von der feldgrauen Dienstuniform M 1910, die 1913 eingeführt wurde, und repräsentiert einen einzigartigen Aspekt der preußischen Militärzeremonie und Hofkultur.