Set aus 2 Geschenktassen eines Ulanen an "Meinem lieben Vater/Meiner lieben Mutter" 

Um 1900. 2 Tassen mit Untertassen. Porzellan mit Goldrand, teils mit halbplastischen Blumen verziert, handbemalt. Zustand 2.
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290,00

Set aus 2 Geschenktassen eines Ulanen an "Meinem lieben Vater/Meiner lieben Mutter" 

Dieser Satz von zwei Geschenktassen mit Untertassen aus der Zeit um 1900 repräsentiert eine bedeutende Tradition innerhalb der deutschen Kavallerieregimenter, insbesondere bei den Ulanen. Die Tassen tragen die rührenden Widmungen "Meinem lieben Vater“ und "Meiner lieben Mutter“ und zeugen von der tiefen emotionalen Bindung zwischen Soldaten und ihren Familien während des Kaiserreichs.

Die Ulanen waren leichte Kavallerietruppen, die ursprünglich aus Polen stammten und im 18. Jahrhundert in die preußische und später deutsche Armee übernommen wurden. Sie waren an ihren charakteristischen Tschapkas (viereckigen Kopfbedeckungen) und bunten Uniformen erkennbar. Um 1900 existierten im Deutschen Reich etwa 26 Ulanenregimenter, die eine Elite innerhalb der Kavallerie darstellten.

Die Tradition des Schenkens von Porzellan, insbesondere von Tassen und anderem Geschirr, hatte im wilhelminischen Deutschland eine besondere Bedeutung. Soldaten, die ihren Militärdienst ableisteten, pflegten ihren Familienangehörigen solche Andenken zu überreichen. Diese Gegenstände dienten mehreren Zwecken: Sie waren Ausdruck der Verbundenheit, Zeichen des Stolzes auf die militärische Laufbahn und oft auch Abschiedsgeschenke vor einer längeren Stationierung oder Deployment.

Das vorliegende Set zeichnet sich durch seine hochwertige Fertigung aus. Das Porzellan mit Goldrand und die halbplastischen Blumen deuten auf eine qualitätvolle Manufakturarbeit hin. Die Handbemalung war typisch für personalisierte Geschenkartikel dieser Epoche. Solche Stücke wurden oft bei spezialisierten Händlern in Garnisonstädten oder direkt bei Porzellanmanufakturen in Auftrag gegeben. Regionen wie Thüringen, Schlesien und das Rheinland waren Zentren der Porzellanherstellung.

Die Zeit um 1900 war eine Periode relativen Friedens im Deutschen Reich, unterbrochen nur durch koloniale Konflikte wie den Boxeraufstand in China (1900-1901) und den Herero-Aufstand in Deutsch-Südwestafrika (1904-1907). Dennoch war das Militär allgegenwärtig im gesellschaftlichen Leben. Der Militarismus prägte die wilhelminische Gesellschaft, und der Militärdienst galt als ehrenvoll und prestigeträchtig.

Für Ulanenfamilien hatte der Dienst ihrer Söhne besondere Bedeutung. Die Kavallerie galt als Waffengattung für junge Männer aus gutem Hause, obwohl theoretisch auch Angehörige niedrigerer Stände dienen konnten. Die Kosten für Ausrüstung und Lebenshaltung waren jedoch beträchtlich, sodass Kavalleristen oft aus wohlhabenderen Verhältnissen stammten.

Die doppelte Widmung an beide Elternteile in diesem Set ist bemerkenswert. Sie reflektiert die patriarchalische, aber auch familienorientierte Struktur der damaligen Gesellschaft. Die formelle Anrede "Meinem lieben“ entspricht den Konventionen der Zeit und drückt gleichzeitig Zuneigung und Respekt aus.

Solche Geschenktassen wurden üblicherweise nicht im täglichen Gebrauch verwendet, sondern in Vitrinen oder auf Kommoden zur Schau gestellt. Sie dienten als Gesprächsanlass und als sichtbares Zeichen des familiären Stolzes auf den dienenden Sohn. In einer Zeit ohne Fotografie im heutigen Umfang waren solche materiellen Andenken von großer emotionaler Bedeutung.

Die kunsthandwerkliche Qualität solcher Stücke variierte erheblich. Das vorliegende Set mit seinem Goldrand und der halbplastischen Dekoration gehört zur gehobenen Kategorie. Einfachere Versionen konnten mit Transferdruck versehen sein, während die aufwendigsten Exemplare vollständig von Hand bemalt und mit Regimentsabzeichen, Wappen oder militärischen Symbolen verziert wurden.

Nach dem Ersten Weltkrieg und der Auflösung der Monarchie verloren solche militärischen Andenken teilweise ihre gesellschaftliche Bedeutung. Viele Familien bewahrten sie jedoch als Erinnerungen an eine vergangene Epoche. Während der Weimarer Republik und später im Dritten Reich erlebten militärische Devotionalien eine Renaissance, allerdings in verändertem Kontext.

Heute sind solche Ulanengeschenktassen gesuchte Sammlerobjekte. Sie dokumentieren nicht nur die Militärgeschichte, sondern auch die Sozial- und Alltagsgeschichte des Kaiserreichs. Sie erzählen von persönlichen Beziehungen, von Abschied und Hoffnung auf Wiedersehen, und von einer Gesellschaft, in der militärische Werte tief verankert waren.

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