Zaristisches Rußland Jeton zur Erinnerung an den Bau der Smolensk-Brest Eisenbahn 1870-1871 durch Karl Iwanowitsch Rusnizkij 

um 1871. Der Jeton aus Gold, beidseitig fein emailliert. Über der Krone die Jahreszahlen 1870/1871, das Zentrum ist drehbar: auf der Vorderseite im Zentrum der russische Doppelkopfadler in feiner Emaillemalerei auf gelbem Grund mit Umschrift "Smolensko-Brestskoj Shelsenoj Dorogi" (= Smolensk-Brest Eisenbahn"), auf der Rückseite eingraviert die gekrönte Chiffre "K. R." als Petschaft mit Umschrift "Karl Iwanowitsch Rostnizkij". Oben in der Öse mit  Goldpunze "56" zlotnik, Höhe 45 mm, Zustand 2+. Sehr selten.
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Zaristisches Rußland Jeton zur Erinnerung an den Bau der Smolensk-Brest Eisenbahn 1870-1871 durch Karl Iwanowitsch Rusnizkij 

Der vorliegende Goldjeton zur Erinnerung an den Bau der Smolensk-Brest-Eisenbahn stellt ein außergewöhnliches Zeugnis der russischen Eisenbahngeschichte im späten 19. Jahrhundert dar. Diese aufwendig gestaltete Gedenkmedaille wurde zur Ehrung der Vollendung einer der bedeutendsten Eisenbahnlinien des Zaristischen Russlands geschaffen, die zwischen 1870 und 1871 erbaut wurde.

Die Smolensk-Brest-Eisenbahnlinie bildete einen strategisch wichtigen Verkehrsknotenpunkt innerhalb des expandierenden russischen Eisenbahnnetzes. Sie verband die historische Stadt Smolensk, die bereits seit Jahrhunderten als wichtiger Handels- und Militärknotenpunkt an der Route zwischen Moskau und dem Westen diente, mit Brest an der westlichen Grenze des Russischen Reiches. Diese Verbindung war nicht nur von wirtschaftlicher, sondern auch von erheblicher militärischer Bedeutung, da sie den Transport von Truppen und Material in die westlichen Grenzregionen des Reiches erheblich erleichterte.

Die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts war in Russland von einer intensiven Phase des Eisenbahnbaus geprägt. Nach dem Krimkrieg (1853-1856), der die technologische Rückständigkeit des Zarenreiches offenbart hatte, erkannte die russische Regierung die strategische Notwendigkeit eines modernen Eisenbahnnetzes. Unter Zar Alexander II. wurde der Eisenbahnbau massiv gefördert, wobei sowohl staatliche als auch private Gesellschaften in den Ausbau investierten.

Der Jeton selbst ist ein Meisterwerk russischer Goldschmiedekunst. Mit der Goldpunze "56" zlotnik gekennzeichnet, entspricht dies einem Feingehalt von 583/1000, dem damals in Russland üblichen Standard für hochwertigen Goldschmuck und zeremonielle Objekte. Das zlotnik-System war das traditionelle russische Maßsystem für Edelmetalle, wobei 96 zlotnik reinem Gold entsprachen. Die Punze 56 weist auf eine Legierung hin, die etwa 58,3% Feingold enthielt und für ihre Haltbarkeit und ihren warmen Farbton geschätzt wurde.

Die kunstvolle beidseitige Emaillemalerei demonstriert die hohe Qualität russischer Email-Handwerkskunst dieser Epoche. Die Vorderseite zeigt den russischen Doppelkopfadler, das imperiale Wappen des Zarenreiches, auf gelbem Grund – eine Farbgebung, die traditionell mit kaiserlicher Macht und Würde assoziiert wurde. Die Umschrift "Smolensko-Brestskoj Shelsenoj Dorogi" identifiziert eindeutig den Anlass der Anfertigung.

Besonders bemerkenswert ist das drehbare Zentrum des Jetons, eine technische Raffinesse, die den hohen handwerklichen Anspruch unterstreicht. Auf der Rückseite befindet sich die gekrönte Chiffre "K. R." als Petschaft (Siegelstempel) mit der Umschrift "Karl Iwanowitsch Rostnizkij", vermutlich ein hochrangiger Beamter oder Ingenieur, der maßgeblich am Bau der Eisenbahnlinie beteiligt war.

Solche Gedenkjetons waren im Zaristischen Russland üblich, um bedeutende Ingenieurleistungen, militärische Erfolge oder wichtige Staatsereignisse zu würdigen. Sie wurden typischerweise in limitierter Anzahl angefertigt und an Personen verliehen, die bei dem jeweiligen Projekt eine führende Rolle gespielt hatten. Im Gegensatz zu offiziellen staatlichen Orden und Medaillen waren diese Jetons oft private Auftragsarbeiten oder wurden von Eisenbahngesellschaften in Auftrag gegeben.

Die Krone über den Jahreszahlen 1870/1871 symbolisiert die kaiserliche Schirmherrschaft über das Projekt und betont dessen nationale Bedeutung. Die Bauzeit von nur etwa einem Jahr für eine Eisenbahnstrecke dieser Länge war für die damalige Zeit bemerkenswert und zeugt von der Effizienz und dem Organisationstalent der Projektleitung.

Der Kontext des Eisenbahnbaus in dieser Region war komplex. Die westlichen Gouvernements des Russischen Reiches waren strategisch sensibel, da sie an das Königreich Polen (damals unter russischer Herrschaft) und an die preußische Grenze angrenzten. Die Eisenbahnverbindung ermöglichte nicht nur den Handel, sondern auch die schnelle Verlegung militärischer Verbände – ein Aspekt, der in den folgenden Jahrzehnten, besonders im Ersten Weltkrieg, von entscheidender Bedeutung sein sollte.

Die Seltenheit solcher Jetons macht sie heute zu gesuchten Sammlerstücken. Viele wurden während der turbulenten Ereignisse des 20. Jahrhunderts – der Russischen Revolution von 1917, den Bürgerkriegen und den beiden Weltkriegen – zerstört, eingeschmolzen oder gingen verloren. Objekte, die sowohl historische Bedeutung als auch künstlerischen Wert besitzen, wie dieser emaillierte Goldjeton, sind daher von besonderem Interesse für Sammler russischer Antiquitäten und Eisenbahnhistoriker.

Dieser Jeton repräsentiert somit nicht nur ein Stück Eisenbahngeschichte, sondern auch die Ambitionen des Zarenreiches in seiner letzten großen Entwicklungsphase vor den Umwälzungen des frühen 20. Jahrhunderts, als Russland versuchte, durch Modernisierung und Industrialisierung seinen Platz unter den europäischen Großmächten zu festigen.