Dieser vollständige Nachlass des Obergefreiten Ernst Zeeb dokumentiert eindrucksvoll den Dienst eines Angehörigen der Wehrmacht-Panzertruppe in den entscheidenden Jahren zwischen 1938 und 1942. Die schwarze Panzeruniform, ihre dazugehörigen Dokumente und Auszeichnungen bieten einen authentischen Einblick in die Erfahrungen eines Soldaten der motorisierten Aufklärungseinheiten während der frühen Kriegsjahre.
Die schwarze Uniform der Panzertruppe gehörte zu den ikonischsten deutschen Militäruniformen des Zweiten Weltkriegs. Sie wurde 1934-1935 als Sonderbekleidung der Panzertruppen eingeführt und sollte praktisch für Besatzungen gepanzerter Fahrzeuge sein, während sie gleichzeitig die martialische Tradition der preußischen Kavallerie aufrechterhielt. Die Wahl der schwarzen Farbe hatte praktische Gründe – Ölflecken waren weniger sichtbar – und ehrte zugleich die Tradition der Schwarzen Husaren unter August von Mackensen. Die Uniform wurde von allen Rängen der Panzertruppen, Aufklärungseinheiten und Sturmgeschützbesatzungen getragen.
Der vorliegende Uniformsatz besteht aus einer schwarzen gerippten Wolljacke mit grauem Seidenfutter und dem charakteristischen Kammerstempel “Wb.43”, der auf eine Produktion durch ein militärisches Depot im Jahr 1943 hinweist. Die dazugehörige schwarze Tuchhose trägt einen Kammerstempel “M4?”. Die Totenkopf-Kragenspiegel aus Eisenblech waren das Erkennungsmerkmal der Panzertruppen und verwendeten den antiken kieferlosen Totenkopf im Danziger Stil, der sich vom naturalistischen SS-Totenkopf unterschied.
Ernst Zeebs militärische Laufbahn begann mit der Aufklärungs-Abteilung 5 (mot), wie seine Erkennungsmarke mit der Prägung “1.Pz.Aufkl. Abt 5” belegt. Im Oktober 1938 nahm seine Einheit an der Besetzung des Sudetenlandes nach dem Münchner Abkommen teil. Das Anschreiben und Besitzzeugnis für die Medaille zur Erinnerung an den 1. Oktober 1938, ausgestellt in Wien am 25. Oktober 1939, trägt den Einheitsstempel der Aufklärungs-Abteilung 5 mot. Dies weist auf die Anwesenheit der Einheit in Österreich nach dem Anschluss von 1938 hin.
Die 2. Panzer-Division, zu der Aufklärungselemente später gehörten, war eine der drei ursprünglichen Panzerdivisionen der Wehrmacht, die am 15. Oktober 1935 aufgestellt wurden. Ihr erster Kommandeur war Heinz Guderian, der Pionier der Panzerkriegsführung. Die Division kämpfte in Polen (1939), Frankreich (1940), auf dem Balkan (1941) und intensiv an der Ostfront (1941-1943), einschließlich der Schlachten um Moskau und Kursk.
Im Dezember 1941 wurden Zeeb gleich zwei bedeutende Auszeichnungen verliehen, beide unterschrieben vom Kommandeur der 2. Panzer-Division: das Eiserne Kreuz 2. Klasse 1939 (7. Dezember 1941) und das Panzerkampfabzeichen in Bronze (15. Dezember 1941). Zu diesem Zeitpunkt war die 2. Panzer-Division im Rahmen des XL. Panzerkorps an der Ostfront während der Operation Taifun eingesetzt, dem Vorstoß auf Moskau. Die Division erreichte eine Position nur 9 Kilometer vor Moskau. Das Panzerkampfabzeichen in Bronze war mit etwa 14.200 verliehenen Exemplaren deutlich seltener als die Silberversion mit ungefähr 23.500 Stück.
Die letzte dokumentierte Auszeichnung ist das Verwundetenabzeichen in Silber, ausgestellt am 16. April 1942 in Böblingen. Diese Auszeichnung wurde für drei bis vier Verwundungen oder eine schwere Einzelverwundung verliehen und belegt, dass Zeeb von der Ostfront zur medizinischen Behandlung nach Deutschland evakuiert wurde.
Zum Nachlass gehört auch ein besonders persönliches Stück: ein Extraseitengewehr mit einseitiger Klingenätzung “Zur Erinnerung an meine Dienstzeit bei der Aufklärungs-Abteilung Kornwestheim”, das auf Zeebs frühe Ausbildungszeit verweist.
Nach 1945 wurde das Tragen von Uniformen der NS-Zeit mit Originalabzeichen in Deutschland verboten. Die Bundesrepublik Deutschland verabschiedete 1957 das Gesetz über Titel, Orden und Ehrenzeichen, das die öffentliche zur Schau Stellung von NS-Auszeichnungen verbot. Die Medaille zur Erinnerung an den 1. Oktober 1938 gilt in Deutschland als verfassungsfeindliches Propagandamittel nach §86a StGB; das öffentliche Tragen oder Zeigen ist verboten.
Dieser Nachlass, der direkt aus Familienbesitz stammt, repräsentiert eine unberührte, vollständige Materialgruppe, wie sie heute nur noch äußerst selten auf dem Markt erscheint. Er dokumentiert nicht nur die militärische Karriere eines einzelnen Soldaten, sondern auch die größeren historischen Ereignisse der Jahre 1938 bis 1942, von der Sudetenkrise bis zur verzweifelten Schlacht um Moskau.