Kriegsabzeichen der Marine-Artillerie

Feinzink, Fertigung der Firma Bacqueville-Paris, rückseitig an Quernadel.

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430,00

Kriegsabzeichen der Marine-Artillerie

Das Kriegsabzeichen der Marine-Artillerie stellt ein bedeutendes Kapitel in der Geschichte der deutschen Marineauszeichnungen des Ersten Weltkrieges dar. Dieses spezielle Abzeichen wurde am 24. April 1917 durch Kaiser Wilhelm II. gestiftet und war eine Anerkennung für die Besatzungen der schweren Schiffsartillerie, die im Seekrieg besondere Leistungen erbracht hatten.

Die Entstehung dieses Abzeichens erfolgte in einer kritischen Phase des Ersten Weltkrieges, als die deutsche Kaiserliche Marine ihre Strategie anpassen musste. Nach der Skagerrakschlacht (Jutlandschlacht) vom 31. Mai bis 1. Juni 1916 hatte sich gezeigt, dass die Hochseeflotte nur begrenzt gegen die britische Royal Navy eingesetzt werden konnte. Dennoch spielte die Marine-Artillerie eine entscheidende Rolle, nicht nur auf hoher See, sondern auch in küstennahen Operationen und bei der Verteidigung von Marinestützpunkten.

Das vorliegende Exemplar wurde von der Firma Bacqueville in Paris hergestellt, was auf eine interessante Produktionsgeschichte hinweist. Die Fertigung aus Feinzink war während des Krieges typisch, da strategisch wichtige Metalle wie Eisen und Buntmetalle für die Rüstungsproduktion benötigt wurden. Die Verwendung von Zink ermöglichte eine kostengünstige Massenproduktion bei gleichzeitig akzeptabler Qualität und Haltbarkeit.

Die Verleihungsbedingungen für das Kriegsabzeichen der Marine-Artillerie waren klar definiert. Berechtigt waren Offiziere und Mannschaften der Marine-Artillerie, die an mindestens einem Gefecht teilgenommen hatten oder durch besondere Leistungen im Dienst der Marine-Artillerie aufgefallen waren. Dies umfasste sowohl Seegefechte als auch Landoperationen, bei denen schwere Marinegeschütze zum Einsatz kamen.

Die technische Ausführung des Abzeichens folgte den damaligen Standards militärischer Auszeichnungen. Die Quernadel auf der Rückseite ermöglichte das Tragen an der Uniform, typischerweise auf der linken Brustseite. Das Design selbst zeigte üblicherweise maritime Elemente und Artilleriesymbole, die die besondere Rolle dieser Waffengattung verdeutlichten.

Die Herstellung durch Bacqueville-Paris wirft ein Licht auf die komplexen wirtschaftlichen Verhältnisse während des Ersten Weltkrieges. Obwohl Frankreich und Deutschland sich im Krieg befanden, existierten weiterhin Handelsbeziehungen über neutrale Länder, und manche Firmen in besetzten oder neutralen Gebieten produzierten für verschiedene Auftraggeber. Es ist auch möglich, dass die Produktion vor dem Krieg begann oder in einer Phase stattfand, in der bestimmte Gebiete unter deutscher Kontrolle standen.

Im Kontext der Marine-Auszeichnungen des Ersten Weltkrieges steht das Kriegsabzeichen der Marine-Artillerie neben anderen bedeutenden Ehrenzeichen wie dem U-Boot-Kriegsabzeichen (gestiftet 1918) und dem Marinefliegerdenkzeichen. Diese Abzeichen bildeten ein differenziertes System zur Anerkennung verschiedener Waffengattungen innerhalb der Kaiserlichen Marine.

Die Marine-Artillerie selbst hatte eine lange Tradition in der deutschen Marine. Von den schweren Geschützen der Linienschiffe bis zu den Küstenverteidigungsbatterien spielte sie eine zentrale Rolle in der Seekriegführung. Die Artilleristen mussten hochspezialisiert ausgebildet werden, da das Treffen beweglicher Ziele auf See unter Berücksichtigung von Entfernung, Geschwindigkeit, Wellengang und Witterung höchste Präzision erforderte.

Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges und dem Versailler Vertrag von 1919 verlor die deutsche Marine erheblich an Bedeutung. Die Verleihung von Kriegsabzeichen wurde eingestellt, doch die bereits verliehenen Auszeichnungen durften weiterhin getragen werden. In der Weimarer Republik und später im Nationalsozialismus wurden neue Systeme von Marine-Auszeichnungen geschaffen, die teilweise an die Tradition der kaiserlichen Marine anknüpften.

Für Sammler und Militärhistoriker stellen Kriegsabzeichen der Marine-Artillerie aus dem Ersten Weltkrieg heute bedeutende historische Dokumente dar. Sie vermitteln nicht nur Informationen über militärische Hierarchien und Auszeichnungssysteme, sondern auch über Produktionsbedingungen, Materialknappheit und die Wertschätzung verschiedener militärischer Tätigkeiten in der damaligen Gesellschaft. Die Herstellermarkierung durch Bacqueville-Paris macht jedes Stück zu einem individuellen Zeugnis der komplexen Geschichte dieser Epoche.

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