Ärmelschild "Balkan 1944 - 1945"

Ausführung aus Kupferblech hohlgeprägt, Maße 50 x 65 mm. Leichte Altersspuren, Zustand 2.
Das Stück stammt aus der Sammlung von Max Aurich, aufgelistet im Katalog und Gutachten von Friedhelm Heyde au dem Jahr 1978, welches als Unterlage für die Erbauseinandersetzung diente. Das Stück ist unter Position 97) gemeinsam mit dem 2. Exemplar aus Feinzink erfasst. Anbei der Katalog in Fotokopie.
Max Aurich war einer der bekanntesten Sammler für Orden und Ehrenzeichen bereits während des 2. Weltkriegs.

Der Balkanschild 1944-13945 wurde zwar geplant, jedoch nicht mehr gestiftet. Im Fachbuch von Dr. Klietmann Deutsche Auszeichnungen wird der Schild auf Seite 156/57 beschrieben "Ein solcher Schilde ist weder gestiftet noch verliehen worden. Offenbar ist aber an die Schaffung einer solchen Auszeichnung gedacht worden, denn der Reichsbühnenbildner Benno v. Arent beendete am 7.III.1945 eine Zeichnung zu einem Entwurf des Balkanschildes. Es scheint, als ob dieser vom Führerhauptquartier angefordert worden war, aber die rasch aufeinanderfolgenden militärischen Ereignisse verhinderten weitere Entscheidungen hinsichtlich dieser Stiftung.
Im Fachbuch von Dr. Klietmann "Auszeichnungen des Deutschen Reiches 1936-1945" wird der Schild ebenfalls beschrieben, dazu die Zeichnung des Reichsbühnenbildners Benno v. Arent zu dem Schild vom 7. März 1945. Er beschreibt 2 Vorlagemuster : "Das eine Muster existiert in olivbraun getöntem Metall, das andere versilbert..." . Im Buch selbst ist neben der original Zeichnung allerdings nur eine Nachkriegsabbildung dargestellt.

Es handelt es sich bei diesem Exemplar um eines der beiden im März 1945 hergestellten Vorlagemuster. Die beiden Vorlagemuster sind die einzig bekannten Prototypen des Balkan Schild, welche noch vor Kriegsende hergestellt wurden.


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6.500,00

Ärmelschild "Balkan 1944 - 1945"

Der Balkanschild 1944-1945 stellt eine der faszinierendsten und seltensten militärischen Auszeichnungen des Dritten Reiches dar – eine Auszeichnung, die geplant, entworfen, aber niemals offiziell gestiftet oder verliehen wurde. Diese historische Besonderheit macht die wenigen existierenden Prototypen zu außerordentlichen zeitgeschichtlichen Dokumenten der letzten Kriegsmonate.

In den letzten Jahren des Zweiten Weltkriegs hatte das nationalsozialistische Deutschland ein System von Kampfschilden etabliert, um besondere militärische Leistungen in spezifischen Kampfgebieten zu ehren. Nach dem Cholmschild (1942), dem Krimschild (1942), dem Kubanschild (1943), dem Demjanskschild (1943), dem Warschauer Schild (1944/45) und dem Narvikschild (1940) war der Balkanschild als weitere solche Auszeichnung vorgesehen.

Der militärische Hintergrund für diese geplante Stiftung waren die intensiven Kämpfe auf dem Balkan in den Jahren 1944-1945. Die Wehrmacht führte verzweifelte Rückzugsgefechte gegen sowjetische Truppen, jugoslawische Partisanen unter Josip Broz Tito und andere alliierte Kräfte. Die deutschen Truppen kämpften in Jugoslawien, Albanien, Griechenland und Bulgarien unter äußerst schwierigen Bedingungen gegen eine übermächtige Gegnerschaft.

Benno von Arent (1898-1956), der renommierte Reichsbühnenbildner und Ausstattungsleiter, der bereits für zahlreiche nationalsozialistische Inszenierungen und Symbole verantwortlich war, vollendete am 7. März 1945 den Entwurf für den Balkanschild. Dies geschah zu einem Zeitpunkt, als das Deutsche Reich bereits am Rande des Zusammenbruchs stand – die sowjetischen Truppen standen an der Oder, die Westalliierten überschritten den Rhein.

Der renommierte Ordensexperte Dr. Kurt-Gerhard Klietmann dokumentierte in seinen Standardwerken “Deutsche Auszeichnungen” und “Auszeichnungen des Deutschen Reiches 1936-1945” die Geschichte dieses nie verwirklichten Schildes. Nach Klietmanns Recherchen wurde der Entwurf offenbar vom Führerhauptquartier angefordert, aber die rasch aufeinanderfolgenden militärischen Ereignisse verhinderten jede weitere Entscheidung hinsichtlich der Stiftung. Der endgültige Zusammenbruch des Deutschen Reiches im Mai 1945 machte die Realisierung unmöglich.

Klietmann beschreibt zwei existierende Vorlagemuster: eines in olivbraun getöntem Metall, das andere versilbert. Diese Prototypen wurden im März 1945 angefertigt – in einer Zeit, in der die deutschen Ressourcen extrem begrenzt waren und das Ende des Krieges unmittelbar bevorstand. Die Tatsache, dass überhaupt noch solche Muster hergestellt wurden, illustriert die bürokratische Trägheit des zusammenbrechenden Regimes.

Die wenigen bekannten Exemplare des Balkanschildes stammen aus bedeutenden historischen Sammlungen. Max Aurich war einer der bekanntesten Sammler für Orden und Ehrenzeichen bereits während des Zweiten Weltkriegs. Seine Sammlung wurde 1978 von Friedhelm Heyde katalogisiert und begutachtet, wobei dieser Katalog für eine Erbauseinandersetzung diente. Solche dokumentierten Provenienzen sind für die Authentifizierung solch seltener Objekte von entscheidender Bedeutung.

Die technische Ausführung der Prototypen erfolgte in typischer Weise der deutschen Kampfschilde: hohlgeprägt aus Metallblech, mit den charakteristischen Abmessungen von etwa 50 x 65 mm. Das Design folgte vermutlich dem etablierten Schema der anderen Kampfschilde, mit einem zentralen Motiv, das die spezifische Kampfregion symbolisierte, umrahmt von militärischen Symbolen.

Aus militärhistorischer Perspektive ist der Balkanschild ein eindrucksvolles Beispiel für die Diskrepanz zwischen der Realität des totalen militärischen Zusammenbruchs und der fortgesetzten bürokratischen Routine des NS-Regimes. Während deutsche Truppen auf allen Fronten zurückwichen und Millionen von Flüchtlingen nach Westen strömten, arbeiteten Bühnenbildner noch an Entwürfen für Auszeichnungen, die niemals verliehen werden würden.

Die historische Bedeutung dieser Objekte liegt nicht in ihrer militärischen Funktion – sie erfüllten nie eine solche – sondern in ihrem dokumentarischen Wert als Zeugnisse der letzten Kriegstage. Sie illustrieren die Kontinuität bürokratischer Prozesse selbst angesichts der totalen Niederlage und sind damit wichtige Quellen für das Verständnis der Endphase des Dritten Reiches.

Heute sind diese Prototypen extrem seltene Sammlerstücke von hohem historischen Wert. Ihre Seltenheit, die dokumentierte Provenienz und ihre Verbindung zu den letzten Kriegswochen machen sie zu bedeutenden Artefakten der Militärgeschichte des Zweiten Weltkriegs.

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