Preußen gerahmte Uniformtafel von Knötel «Grenadiere vom Leib-Bataillon des Königs-Regiments»
Die vorliegende gerahmte Uniformtafel aus der berühmten Knötel-Serie zeigt Grenadiere vom Leib-Bataillon des Königs-Regiments und stellt ein bedeutendes Zeugnis der preußischen Militärgeschichte und ihrer kunsthistorischen Dokumentation dar.
Richard Knötel (1857-1914) war der bedeutendste deutsche Militärmaler und Uniformkundler seiner Zeit. Er stammte aus einer Künstlerfamilie - sein Vater Carl Knötel (1814-1878) hatte bereits mit der systematischen Darstellung preußischer Uniformen begonnen. Richard Knötel setzte dieses Werk fort und erweiterte es erheblich. Sein monumentales Hauptwerk, die “Uniformenkunde”, erschien ab 1890 und umfasste Tausende von Tafeln, die die Entwicklung der Uniformierung europäischer Armeen vom 17. bis ins 20. Jahrhundert dokumentierten.
Das Königs-Regiment, offiziell als Infanterie-Regiment “von Courbière” (2. Posensches) Nr. 19 bekannt, gehörte zu den traditionsreichsten Einheiten der preußischen Armee. Seine Wurzeln reichten bis in die Zeit des Großen Kurfürsten Friedrich Wilhelm zurück. Das Regiment wurde 1688 als Kurprinzisches Regiment errichtet und erhielt im Laufe seiner Geschichte verschiedene Bezeichnungen.
Das Leib-Bataillon war traditionell das erste Bataillon eines Regiments und genoss besondere Ehren. Der Begriff “Leib” deutete auf die besonders enge Verbindung zum Monarchen hin. Die Grenadiere bildeten innerhalb der Infanterie eine Elitetruppe. Ursprünglich im späten 17. Jahrhundert als Spezialisten für den Einsatz von Handgranaten eingeführt, entwickelten sie sich zu Stoßtruppen, die in kritischen Kampfsituationen eingesetzt wurden. Grenadiere wurden nach besonders strengen Kriterien ausgewählt - sie mussten überdurchschnittlich groß und kräftig sein sowie durch besondere Tapferkeit und Zuverlässigkeit hervorstechen.
Die Uniform der preußischen Grenadiere war besonders charakteristisch. Während die gewöhnlichen Füsiliere den Tschako trugen, war das Erkennungszeichen der Grenadiere die Grenadiermütze. Diese hohe, meist metallbeschlagene Kopfbedeckung hatte sowohl praktische als auch symbolische Bedeutung: Sie ließ die ohnehin großgewachsenen Grenadiere noch imposanter erscheinen und sollte den Gegner einschüchtern. Die Grundfarbe der preußischen Infanterieuniformen war das charakteristische Preußischblau, ergänzt durch regimentsspezifische Aufschläge und Besätze in verschiedenen Farben.
Knötels Uniformtafeln zeichneten sich durch akribische historische Genauigkeit aus. Er studierte intensiv Originaluniformen, zeitgenössische Gemälde, Stiche und vor allem die militärischen Vorschriften und Reglement-Bücher. Besonders die preußischen Adjustierungs-Reglements, die detailliert die Uniformierung der Truppen festlegten, dienten ihm als Primärquellen. Seine Arbeiten waren nicht nur künstlerisch wertvoll, sondern hatten auch wissenschaftlichen Charakter und dienten der Forschung.
Die Technik der Lithographie, die für die Vervielfältigung von Knötels Tafeln verwendet wurde, ermöglichte die Produktion farbenprächtiger und dennoch erschwinglicher Drucke. Dies trug wesentlich zur Verbreitung uniformkundlichen Wissens bei. Die Tafeln wurden sowohl von Militärs zur Ausbildung und Information genutzt als auch von Sammlern geschätzt.
Im Kaiserreich erlebte die Militaria-Sammelleidenschaft ihre Blütezeit. Uniformtafeln wie die von Knötel waren beliebte Dekorationsobjekte in Offiziers-Kasinos, Regimentsgebäuden und privaten Haushalten militäraffiner Bürger. Sie vermittelten nicht nur historisches Wissen, sondern waren auch Ausdruck patriotischer Gesinnung und der Verehrung der preußisch-deutschen Militärtradition.
Nach dem Ersten Weltkrieg und dem Ende der Monarchie 1918 veränderte sich die Bedeutung solcher Objekte. Sie wurden zu nostalgischen Erinnerungsstücken an eine untergegangene Epoche. Dennoch blieb das wissenschaftliche Interesse an Knötels Werk bestehen. Seine Tafeln gelten bis heute als unverzichtbare Referenzwerke für Militärhistoriker, Museumskuratoren und Sammler.
Der angegebene Zustand 2 deutet auf ein gut erhaltenes Exemplar hin, das normale Gebrauchsspuren aufweist, aber keine gravierenden Beschädigungen zeigt. Bei historischen Drucken und gerahmten Tafeln ist der Erhaltungszustand von entscheidender Bedeutung für den Sammlerwert. Faktoren wie Farbintensität, Papierqualität, Zustand des Rahmens und eventuelle Restaurierungen beeinflussen die Bewertung erheblich.
Heute sind Knötel-Tafeln geschätzte Sammlerobjekte und Kulturgüter, die sowohl die Geschichte der preußischen Armee als auch die Entwicklung der militärhistorischen Illustration dokumentieren. Sie dienen der Forschung, der musealen Präsentation und der privaten Sammlung und bleiben wichtige Zeugnisse einer Epoche, in der militärische Pracht und Tradition eine zentrale Rolle in der Gesellschaft spielten.