1. Weltkrieg - Patriotischer Erinnerungsteller " In großer Zeit Kriegsjahr 1914 "

Porzellan glasiert, 19 cm Durchmesser, im Zentrum mit Bildnis vom Kronprinzen Rupprecht von Bayern, Zustand 2.
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65,00

1. Weltkrieg - Patriotischer Erinnerungsteller " In großer Zeit Kriegsjahr 1914 "

Der vorliegende patriotische Erinnerungsteller aus dem Ersten Weltkrieg mit der Aufschrift “In großer Zeit Kriegsjahr 1914” und dem Bildnis von Kronprinz Rupprecht von Bayern repräsentiert eine bedeutende Kategorie von Kriegserinnerungsobjekten, die während des Ersten Weltkriegs in Deutschland massenhaft produziert wurden.

Historischer Kontext der Kriegskeramik

Mit Ausbruch des Ersten Weltkriegs im August 1914 setzte in Deutschland eine beispiellose Welle patriotischer Begeisterung ein, die später als “Augusterlebnis” in die Geschichtsbücher einging. Die deutsche Porzellanindustrie, insbesondere in Thüringen, Bayern und Sachsen, reagierte unmittelbar auf diese Stimmung und produzierte zahllose Erinnerungsstücke, darunter Teller, Tassen, Krüge und andere Gebrauchsgegenstände mit patriotischen Motiven.

Diese Objekte erfüllten mehrere Funktionen: Sie dienten der Propaganda, der Hebung der Moral an der Heimatfront, als Sammelobjekte und als materielle Verbindung zu den kämpfenden Truppen. Die Bezeichnung “In großer Zeit” spiegelt die euphorische Anfangsstimmung wider, in der viele Deutsche den Krieg als historischen Moment nationaler Größe betrachteten.

Kronprinz Rupprecht von Bayern

Rupprecht Maria Luitpold Ferdinand von Bayern (1869-1955) war der älteste Sohn von König Ludwig III. von Bayern und während des Ersten Weltkriegs einer der prominentesten deutschen Heerführer. Im Gegensatz zu vielen anderen hochgestellten Militärpersonen war Rupprecht ein kompetenter und respektierter Kommandeur, der tatsächliche militärische Fähigkeiten besaß.

Zu Kriegsbeginn 1914 übernahm er das Kommando über die 6. Armee an der Westfront und bewährte sich in mehreren bedeutenden Schlachten, darunter die Schlacht in Lothringen im August 1914 und später in der Flandernschlacht. 1916 wurde er zum Generalfeldmarschall befördert und übernahm das Kommando über eine Heeresgruppe. Seine militärischen Leistungen und seine königliche Abstammung machten ihn zu einem bevorzugten Motiv für patriotische Erinnerungsobjekte.

Produktion und Verbreitung

Porzellanmanufakturen im gesamten Deutschen Reich produzierten solche Erinnerungsteller in großen Stückzahlen. Der Durchmesser von 19 Zentimetern entspricht einer Standardgröße für Zierteller, die typischerweise nicht für den täglichen Gebrauch, sondern zur Dekoration und als Erinnerungsstücke gedacht waren. Die Glasur und die Drucktechnik erlaubten die Massenfertigung bei gleichzeitig ansprechender Qualität.

Die Produktion solcher Objekte konzentrierte sich besonders auf das Kriegsjahr 1914, als die Kriegsbegeisterung ihren Höhepunkt erreichte. Mit fortschreitender Kriegsdauer und zunehmenden Entbehrungen an der Heimatfront sowie den steigenden Verlusten an der Front nahm die Produktion solcher patriotischen Objekte ab, und ihre Ikonographie wurde düsterer.

Kulturelle Bedeutung

Diese Erinnerungsteller sind heute wichtige Quellen für die Erforschung der deutschen Alltagskultur und Mentalitätsgeschichte während des Ersten Weltkriegs. Sie dokumentieren, wie Krieg und Militarismus in den häuslichen Bereich eindringen und wie dynastische Loyalitäten – in diesem Fall zum Haus Wittelsbach – mit dem übergeordneten deutschen Nationalismus verwoben wurden.

Das Königreich Bayern behielt im Deutschen Kaiserreich erhebliche Autonomie, einschließlich einer eigenen Armee im Frieden. Diese besondere Stellung spiegelt sich in der Produktion spezifisch bayerischer Erinnerungsobjekte wider, die bayerische Persönlichkeiten wie Kronprinz Rupprecht hervorhoben.

Sammlerwert und Erhaltung

Heute sind solche patriotischen Erinnerungsteller begehrte Sammlerobjekte, die Einblick in die Materialkultur des Ersten Weltkriegs bieten. Der angegebene Zustand 2 deutet auf eine sehr gute Erhaltung mit möglicherweise minimalen Gebrauchsspuren hin. Die Bewahrung solcher Objekte ist für das historische Verständnis dieser Epoche von großer Bedeutung, da sie die Verbindung zwischen Heimatfront und Kriegsgeschehen materiell dokumentieren.