Preußen Reservisten-Krug für einen Reservisten im 5. Westfälischen Infanterie-Regiment Nr. 53
Der Reservistenkrug stellt einen faszinierenden Aspekt der preußischen und deutschen Militärkultur des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts dar. Dieses besondere Exemplar wurde für einen Reservisten des 5. Westfälischen Infanterie-Regiments Nr. 53 angefertigt, dessen Standort 1903 in Köln war.
Das 5. Westfälische Infanterie-Regiment Nr. 53 wurde 1860 in Düsseldorf aufgestellt und war Teil des preußischen Heeres. Das Regiment gehörte zum VII. Armeekorps und hatte eine lange und ehrenvolle Tradition. Nach verschiedenen Standortwechseln war das Regiment um 1903 in Köln stationiert, wo es als wichtiger Bestandteil der westdeutschen Garnisonstruktur diente.
Die Tradition der Reservistenkrüge entwickelte sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts und erreichte ihren Höhepunkt zwischen 1890 und 1914. Diese kunstvoll gestalteten Steingut- oder Porzellankrüge wurden von Soldaten als Erinnerungsstücke an ihre aktive Dienstzeit angeschafft. Nach Ableistung ihrer zweijährigen aktiven Dienstpflicht traten die Soldaten in die Reserve über und ließen sich zu diesem Anlass häufig solche Krüge anfertigen.
Die Ikonographie dieser Krüge folgte bestimmten Konventionen. Typischerweise zeigten sie das Regimentswappen, militärische Szenen aus dem Garnisonsalltag, Darstellungen von Manövern oder bedeutenden Gebäuden der Garnisonsstadt. Der Zinndeckel war ein charakteristisches Element und oft mit militärischen Motiven wie Pickelhauben, Gewehren oder dem preußischen Adler verziert. Die farbigen Darstellungen auf dem Steingut wurden mittels Unterglasurmalerei oder Lithographie aufgebracht, was ihnen ihre Haltbarkeit verlieh.
Auf der Rückseite solcher Krüge wurden üblicherweise die Namen der Kameraden aufgeführt, mit denen der Reservist seinen Dienst absolviert hatte. Dies schuf ein persönliches Dokument der Kameradschaft und des gemeinsam erlebten Militärdienstes. Häufig fanden sich auch Sprüche, Trinkverse oder patriotische Inschriften, die die Verbundenheit mit Kaiser, Reich und Regiment zum Ausdruck brachten.
Das Jahr 1903, in dem dieser Krug entstand, war eine Zeit relativer Stabilität im Deutschen Kaiserreich unter Kaiser Wilhelm II. Die Armee wurde modernisiert, und die Garnisonstädte wie Köln waren wichtige militärische und gesellschaftliche Zentren. Die Präsenz des Militärs prägte das städtische Leben erheblich, und der Soldatenstand genoss hohes gesellschaftliches Ansehen.
Die Herstellung solcher Reservistenkrüge war ein eigener Wirtschaftszweig. Bekannte Manufakturen in Thüringen, im Westerwald und in anderen Regionen spezialisierten sich auf diese Produkte. Die Krüge wurden nach standardisierten Mustern, aber auch nach individuellen Wünschen gefertigt. Der Preis richtete sich nach Größe, Qualität der Ausführung und individuellen Gestaltungswünschen.
Die 0,5-Liter-Größe war die gebräuchlichste Kapazität und entsprach der traditionellen Maßeinheit für Bier in deutschen Gasthäusern. Die Krüge dienten nicht nur als Erinnerungsstücke, sondern wurden auch tatsächlich bei Reservistentreffen und gesellschaftlichen Anlässen verwendet, wo die ehemaligen Soldaten ihre Dienstzeit Revue passieren ließen.
Das 5. Westfälische Infanterie-Regiment Nr. 53 hatte eine bemerkenswerte Geschichte. Es nahm am Deutschen Krieg von 1866 und am Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 teil. Im Ersten Weltkrieg kämpfte das Regiment an verschiedenen Fronten und erlitt schwere Verluste. Die Tradition des Regiments endete mit der Auflösung des preußischen Heeres nach 1918.
Die kulturhistorische Bedeutung solcher Reservistenkrüge liegt in ihrem Zeugniswert für die Militär- und Alltagskultur des Kaiserreichs. Sie spiegeln die Wertschätzung des Militärdienstes, die Kameradschaft unter Soldaten und die Integration des Militärs in die bürgerliche Gesellschaft wider. Heute sind sie begehrte Sammlerobjekte und wichtige Quellen für die militärhistorische Forschung.
Der Erhaltungszustand solcher Objekte variiert stark. Die hier beschriebene leichte Lockerheit des Deckels und das Verblassen der Namensinschriften sind typische Alterserscheinungen bei über hundertjährigen Gebrauchsgegenständen. Die farbigen Darstellungen auf Steingut haben sich aufgrund der Unterglasurtechnik oft gut erhalten, während aufgemalte oder gedruckte Beschriftungen mit der Zeit verblassen konnten.
Diese Reservistenkrüge bilden heute einen wichtigen Bestandteil militärhistorischer Sammlungen und helfen uns, die Lebenswelt der einfachen Soldaten im Kaiserreich besser zu verstehen. Sie sind Zeugnisse einer vergangenen Epoche, in der Militärdienst und soldatische Tugenden einen zentralen Platz in der Gesellschaft einnahmen.