Preußen Silberne Taschenuhr als Ehrengeschenk der Königlichen Artilleriewerkstatt Spandau an den «Blechspanner Heinrich Freymark»

Um 1910. Die Taschenuhr mit silbernem Gehäuse mit vergoldeten Rändern und emaillierten Ziffernblatt mit kleiner Sekunde, das Ankerwerk funktionstüchtig (keine Gewähr), auf dem Ziffernblatt der Hersteller «Union Horlogère». Der Deckel außen mit der Reichskrone und der Chiffre «W», im Deckel die Marke des Herstellers «HF» (Huguenin Frères, Le Locle, Schweiz), der Stempel mit dem Silbergehalt «0,800», Reichssilberstempel mit dem Halbmond und der Reichskrone, die Nummer «1454 6» und eine Gravur des Uhrmachers, darüber die Widmung «Dem Blechspanner Heinrich Freymark für 25jährige treue Dienste in der Kgl. Artilleriewerkstatt Spandau.». Die Uhrwerksabdeckung außen mit dem halbplastischem Konterfei Kaiser Wilhelms II. umgeben von vergoldetem Eichenlaub und der Reichskrone, innen wieder die Marke des Herstellers, der Silbergehaltsstempel mit der Auerhahnpunze darüber, der Reichssilberstempel sowie die Nummer«110 1454 69». Das Gehäuse gepunzt «69» sowie mit der Auerhahnpunze. Zustand 2.
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Preußen Silberne Taschenuhr als Ehrengeschenk der Königlichen Artilleriewerkstatt Spandau an den «Blechspanner Heinrich Freymark»

Diese silberne Taschenuhr aus der Zeit um 1910 stellt ein bemerkenswertes Zeugnis der kaiserlich-deutschen Militärtradition dar und dokumentiert die Praxis der Ehrung verdienter Arbeiter in den königlich-preußischen Rüstungsbetrieben. Das Objekt wurde Heinrich Freymark für seine 25-jährige Dienstzeit als Blechspanner in der Königlichen Artilleriewerkstatt Spandau verliehen.

Die Königliche Artilleriewerkstatt Spandau, auch als Königliches Geschützgießerei bekannt, gehörte zu den bedeutendsten Rüstungsproduktionsstätten des Deutschen Kaiserreichs. Die Einrichtung in Spandau, einem westlichen Bezirk Berlins, hatte eine lange Tradition in der Herstellung von Artilleriegeschützen, Munition und militärischen Ausrüstungsgegenständen. Während der wilhelminischen Ära unter Kaiser Wilhelm II. (1888-1918) erlebte die deutsche Rüstungsindustrie eine beispiellose Expansion, bedingt durch die ehrgeizige Flotten- und Heereserweiterungspolitik des Kaisers.

Der Beruf des Blechspanners war eine spezialisierte handwerkliche Tätigkeit in der Metallverarbeitung. Blechspanner waren verantwortlich für das Formen, Biegen und Bearbeiten von Metallblechen, eine essenzielle Fertigkeit bei der Herstellung von Geschützen, Munitionsbehältern und anderen militärischen Metallkomponenten. Diese hochqualifizierten Facharbeiter bildeten das Rückgrat der industriellen Rüstungsproduktion und waren für die Qualität und Präzision der militärischen Ausrüstung von entscheidender Bedeutung.

Die Verleihung von Jubiläumsgeschenken für langjährige Dienstzeit war im Kaiserreich eine etablierte Tradition, die sowohl im militärischen als auch im zivilen Bereich der staatlichen Betriebe praktiziert wurde. Nach 25 Dienstjahren erhielten verdiente Mitarbeiter üblicherweise wertvolle Anerkennungen, die oft mit den kaiserlichen Insignien versehen waren. Diese Praxis sollte die Loyalität fördern, die Arbeitsmoral stärken und die Verbindung zwischen dem Arbeiter und dem monarchischen Staat symbolisieren.

Die kunstvolle Gestaltung dieser Taschenuhr ist bezeichnend für solche Ehrengeschenke. Der Deckel trägt die Reichskrone und die Chiffre "W" für Wilhelm II., während die Rückseite ein halbplastisches Portrait des Kaisers zeigt, umgeben von vergoldetem Eichenlaub. Das Eichenlaub war ein traditionelles deutsches Symbol für Stärke, Beständigkeit und Treue. Die Kombination dieser Symbole demonstriert die enge Verbindung zwischen dem Monarchen und der Rüstungsproduktion sowie die Wertschätzung der kaiserlichen Krone für treue Dienstleistung.

Interessant ist die Herkunft der Uhr selbst: Das Gehäuse wurde von Huguenin Frères aus Le Locle in der Schweiz hergestellt, einem renommierten Unternehmen für hochwertige Metallarbeiten und Medaillen. Das Uhrwerk stammt von Union Horlogère, ebenfalls einem schweizerischen Hersteller. Dies war durchaus üblich, da die Schweiz für ihre Präzisionsuhrmacherei weltbekannt war, und selbst für offizielle deutsche Ehrengeschenke wurden oft schweizerische Komponenten verwendet.

Die Punzierung und Stempelung der Uhr dokumentiert ihre Authentizität und Wertigkeit. Der Silbergehaltsstempel "0,800" gibt den Feingehalt an, während die Reichssilberstempel mit Halbmond und Reichskrone sowie die Auerhahnpunze die offizielle Prüfung und Zertifizierung des Edelmetallgehalts bestätigen. Diese detaillierte Kennzeichnung war nach den deutschen Edelmetallgesetzen des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts vorgeschrieben.

Solche personalisierten Ehrengeschenke sind heute wichtige historische Artefakte, die Einblick in die Sozialgeschichte der wilhelminischen Ära bieten. Sie dokumentieren nicht nur die technologische und industrielle Entwicklung der Rüstungsproduktion, sondern auch die Arbeitsbeziehungen, die soziale Hierarchie und die Rolle der symbolischen Monarchie im Alltag der Arbeiterschaft. Die Tatsache, dass diese Uhren sorgfältig aufbewahrt und über Generationen weitergegeben wurden, zeugt von der Bedeutung, die ihnen von den Empfängern und ihren Familien beigemessen wurde.

Die Artilleriewerkstatt Spandau spielte während des Ersten Weltkriegs eine zentrale Rolle in der deutschen Kriegsproduktion und beschäftigte Tausende von Arbeitern. Nach dem Krieg und dem Vertrag von Versailles wurden die deutschen Rüstungsbetriebe stark eingeschränkt, was das Ende einer Ära markierte, in der solche Ehrengeschenke verliehen wurden.

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