Unter den militärischen Auszeichnungen des Königreichs Preußen nimmt das Goldene Militär-Verdienstkreuz eine einzigartige Stellung ein. Als höchste Tapferkeitsauszeichnung für Unteroffiziere und Mannschaften war es das Äquivalent des legendären Pour le Mérite, der ausschließlich Offizieren vorbehalten blieb. Diese Parallele führte zu seiner volkstümlichen Bezeichnung als „Mannschafts-Pour le Mérite“ – ein Ehrentitel, der die außerordentliche Wertschätzung dieser Dekoration zum Ausdruck bringt.
Ursprung und Stiftung
Die Wurzeln des Goldenen Militär-Verdienstkreuzes reichen bis in das Jahr 1793 zurück, als König Friedrich Wilhelm II. von Preußen die Preußische Militär-Ehrenzeichen ins Leben rief. Die eigentliche Stiftung des Goldenen Militär-Verdienstkreuzes in seiner endgültigen Form erfolgte am 27. Februar 1864 durch König Wilhelm I. von Preußen. Von der silbernen Militär-Ehrenzeichen I. Klasse, einer geringeren Tapferkeitsauszeichnung für Mannschaften, unterschied sich das Goldene Kreuz durch seine Fertigung: Während die Militär-Ehrenzeichen I. Klasse ein identisches Kreuz in Silber war, wurde das Goldene Militär-Verdienstkreuz aus vergoldetem Silber hergestellt.
Gestaltung und Ausführung
Das Goldene Militär-Verdienstkreuz hat die Form eines Tatzenkreuzes (Kreuz pattée) mit einem zentralen Medaillon. Die Vorderseite des Medaillons zeigt die Initiale des Stifters, „WR“ für „William Rex“ (lateinisch für König), überragt von einer Krone. Auf der Rückseite findet sich die Inschrift „Kriegs Verdienst“ sowie darunter zwei kleine Lorbeer- und Eichenzweige. Das Kreuz wurde an einem schwarzen Band mit weißen Seitenstreifen getragen – den preußischen Farben. Dieses Band ist 35 mm breit mit zwei jeweils 7 mm breiten weißen Streifen, womit es 5 mm breiter als das Band des Eisernen Kreuzes 1914 ist.
Im Ersten Weltkrieg wurden die Kreuze aus vergoldetem Silber gefertigt, wobei die Stempelung „938“ auf einen Silbergehalt von 93,8 % hinweist. Das vorliegende Exemplar trägt die Stempelung „938 W“ im unteren Kreuzarm, wobei das „W“ auf die Herstellerfirma Johann Wagner Berlin verweist. Wagner produzierte zwei Hauptvarianten: die Verleihungsausführung in massivem feuervergoldetem Silber mit der Markierung „938 W“ sowie eine separate Version in vergoldetem Buntmetall als Tragekopie für den Alltagsgebrauch der Veteranen.
Verleihungskriterien und Exklusivität
Die Verleihungskriterien waren außerordentlich streng: Das Goldene Militär-Verdienstkreuz wurde ausschließlich an preußische Unteroffiziere und Mannschaften verliehen, die bereits beide Klassen des Eisernen Kreuzes besaßen und sich danach in weiteren herausragenden Kampfhandlungen ausgezeichnet hatten. Verleihungsberechtigt waren Angehörige preußischer Heereseinheiten sowie der Marine und der Luftstreitkräfte. Die Gleichwertigkeit von Pour le Mérite und Goldenem Militär-Verdienstkreuz zeigte sich besonders bei simultanen Verleihungen an Flugzeugbesatzungen, bei denen der Offizier den Pour le Mérite und der Unteroffizier das Goldene Kreuz erhielt.
Die erste Verleihung im Ersten Weltkrieg erfolgte im Oktober 1916, gefolgt von 54 weiteren im Jahr 1917, während die übrigen Verleihungen 1918 stattfanden. Unter den Beliehenen im Ersten Weltkrieg befanden sich 27 Marineangehörige, darunter 12 U-Boot-Männer. Die Verleihungsquote unter den etwa 8 Millionen anspruchsberechtigten Unteroffizieren und Mannschaften betrug ungefähr 1:4.520, verglichen mit etwa 1:480 bei Offizieren, die den Pour le Mérite erhielten.
Der Nachlass Johannes Gewald
Der vorliegende Nachlass stammt aus dem Besitz des Unterseeboots-Steuermanns Johannes Gewald, der in der Unterseeboots-Flottille Flandern diente. Gewald erhielt das Goldene Militär-Verdienstkreuz am 15. Februar 1918. Sein Militärpass dokumentiert Einsätze auf den U-Booten UB 18, UC 65, UB 57 und UB 103.
Von besonderer historischer Bedeutung ist das handgeschriebene Dienstzeugnis, ausgestellt von Gewalds ehemaligem Kommandanten Kapitänleutnant Otto Steinbrinck, datiert Berlin, den 17. September 1919. Steinbrinck war am 29. März 1916 der dritte U-Boot-Kommandant, der den Pour le Mérite erhielt. Er kommandierte UC 65 vom 10. November 1916 bis zum 31. Juli 1917 und versenkte insgesamt 94 Handelsschiffe mit einer Gesamttonnage von 99.803 BRT sowie den britischen Minenkreuzer Ariadne.
Berühmte Träger
Unter den bekanntesten Trägern des Goldenen Militär-Verdienstkreuzes befinden sich fünf Jagdflieger, die nach ihrer Beförderung zum Offizier zusätzlich den Pour le Mérite erhielten: Karl Thom (27 Luftsiege), Julius Buckler (36 Luftsiege), Paul Bäumer (44 Luftsiege), Otto Könnecke (35 Luftsiege) und Fritz Rumey (45 Luftsiege). Diese doppelte Auszeichnung unterstreicht die absolute Gleichwertigkeit beider Dekorationen.
Privilegien und Nachgeschichte
Die Träger des Goldenen Militär-Verdienstkreuzes genossen erhebliche Privilegien. Sie erhielten ein monatliches Ehrengehalt, das zunächst drei Taler betrug und später auf 9 bzw. 20 Reichsmark angehoben wurde. Diese Ehrensold-Tradition wurde auch nach dem Ende der preußischen Monarchie im November 1918 über die Zeit des Dritten Reiches hinweg fortgeführt und 1957 in der Bundesrepublik Deutschland wieder eingeführt, wo er 25, ab 1986 dann 50 DM betrug. Darüber hinaus genossen die Beliehenen bevorzugte Behandlung bei Invalidenrenten und Beamtenstellungen sowie das Recht auf ein militärisches Begräbnis.
Die im Nachlass enthaltenen Rundschreiben der „Kameradschaft der Inhaber des preußischen goldenen Militär-Verdienst-Kreuzes“ aus den Jahren 1935 bis 1937 sowie die Korrespondenz mit Steinbrinck aus dem Jahr 1936 bezeugen die lebenslange Verbundenheit der Ordensträger untereinander.
Dieser Nachlass vereint in seltener Vollständigkeit alle wesentlichen Dokumente und Auszeichnungen eines U-Boot-Mannes des Ersten Weltkriegs und stellt damit ein Ensemble von außerordentlicher historischer Bedeutung dar.