Das Koppel zum Galawachtanzug gehört zu den seltensten und prestigeträchtigsten Ausrüstungsgegenständen der preußischen Garde-Kavallerie. Dieses besondere Koppel wurde 1883 als Teil der speziellen Ausstattung für den Galawachtanzug eingeführt und ausschließlich vom Regiment der Gardes du Corps getragen, wenn dessen Angehörige bei großen Hoffesten als Ehrenwachen kommandiert wurden.
Das Regiment der Gardes du Corps nimmt eine einzigartige Stellung in der preußischen Militärgeschichte ein. Gegründet durch Kabinettsorder vom 23. Juni 1740 von König Friedrich II. von Preußen, entstand es als Trainingseskadron mit Gardecharakter. Die Vorgeschichte reicht jedoch weiter zurück: Seit 1542 unterhielten die Brandenburger Kurfürsten eine berittene Haustruppe mit der Trabantengarde zu Fuß, der 1571 berittene Truppen beigesellt wurden. Von 1692 bis 1713 existierte unter Friedrich I. eine Garde du Corps, die jedoch unter Friedrich Wilhelm I. aufgelöst wurde. Friedrich II. schuf das Regiment nicht nur als persönliche Leibwache des Königs, sondern als Mustereinheit für die preußische Kavallerie, die nach der Schlacht bei Mollwitz am 10. April 1741 einer grundlegenden Umstrukturierung bedurfte.
Das Regiment wurde 1756 auf drei Schwadronen erweitert und als 13. Kürassier-Regiment (K 13) nummeriert. Im Jahr 1753 wurde Potsdam als neue Garnison zugewiesen. Die Gardes du Corps erhielten den ersten Rangplatz in der Armeeliste, was sie zur vornehmsten Einheit der königlich-preußischen Kavallerie machte. Diese herausragende Stellung manifestierte sich auch zeremoniell: Bei der Neujahrsrezeption von Kaiser und König wurden die Offiziere der GdC dem Thron unmittelbar nach denen des Ersten Garde-Regiments zu Fuß präsentiert und damit vor den Prinzen und Botschaftern.
Die soziale Zusammensetzung des Regiments war außergewöhnlich elitär. Im Jahr 1913 gab es unter den Offizieren der Gardes du Corps, abgesehen von fünf Ärzten und Veterinären, keinen einzigen nicht-adeligen Offizier. Von 34 Offiziersposten wurden 20 von Prinzen und Grafen bekleidet, was dem Regiment einen Spitzenanteil an Hoch- und Altadel verlieh.
Der Galawachtanzug, zu dem dieses Koppel gehörte, entwickelte sich schrittweise. Zunächst bildete nur die Supraveste eine Besonderheit – eine rote, ärmellose Weste, die über dem Koller getragen wurde und vorn und hinten mit dem gestickten Stern des Schwarzen Adler-Ordens verziert war. Ab 1883 wurde die Ausstattung durch ein besonderes Bandolier mit Kartuschkasten und das besondere Koppel zum Galawachtanzug ergänzt. Diese seit 1883 vorgeschriebenen Kartuschkasten und Bandoliere gehörten ausschließlich zum Galawachtanzug des Regiments der Gardes du Corps.
Das Koppel selbst besteht aus einem Lederkoppel mit Messingbeschlägen, dessen Außenseite geweißt und umlaufend mit zwei rot-weißen Borten besetzt ist. Es ist komplett mit dem Schleppriemen und der Messingkette ausgestattet – ein schweres, geweißtes Koppel mit roter Stoffbesatz und großer silberner, kantig eingefasster Schnalle.
Die Ära dieser prachtvollen Ausstattung endete mit der Modernisierung der preußischen Armee. Bereits durch Kabinettsorder vom 14. Februar 1907 befohlen und ab 1909/10 schrittweise eingeführt, wurde die bunte Uniform bei den Kaisermanövern von 1913 erstmals durch die feldgraue Felddienstuniform (M 1910) ersetzt. Mit dieser neuen Uniform wurden Bandolier und Kartuschkasten nicht mehr getragen, was darauf hindeutet, dass der Galawachtanzug und seine besondere Ausrüstung bis zum Ersten Weltkrieg außer Gebrauch kamen.
Das Regiment existierte bis nach dem Ersten Weltkrieg. Die Tradition wurde in der Reichswehr durch Erlass des Chefs der Heeresleitung, General der Infanterie Hans von Seeckt, vom 24. August 1921 von der 1. Schwadron des 4. (Preußischen) Kavallerie-Regiments in Potsdam fortgeführt. Zuletzt in der Bundeswehr führte das Panzerbataillon 24 in Braunschweig diese Tradition bis zu seiner Auflösung fort.